Der ökumenischen Dialog muss weitergehen

Papst Franziskus: "Katholiken und Lutheraner müssen gemeinsam um Vergebung bitten"

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 367 klicks

Papst Franziskus empfing gestern im Vatikan in einer Audienz eine Delegation des Lutherischen Weltbundes mit 14 Teilnehmern. Begleitet wurde sie von dem vatikanischen Verantwortlichen für die Ökumene, Kardinal Kurt Koch. Neben den Vertretern des lutherischen Weltbundes waren auch Mitglieder der katholisch-lutherischen Gesprächskommission anwesend. Er rief Katholiken und Lutheraner zu einer ehrlichen Aufarbeitung der Reformationszeit und ihrer Konsequenzen auf. Er sagte: „Beide Seiten müssen Vergebung für das Schlechte erbitten, das sie sich gegenseitig zugefügt haben, und für die Schuld, die sie vor Gott begangen haben.“

Papst Franziskus betonte, dass der Dialog zwischen Katholiken und Lutheranern große Fortschritte gemacht habe. Diese Erfolge seien besonders in der „spirituellen Ökumene“ ersichtlich. Den Mitgliedern der katholisch-lutherischen Gesprächskommission sagte Papst Franziskus:

„Die spirituelle Ökumene ist in gewisser Weise der Kern unseres gemeinsamen Weges, damit wir die volle Einheit erreichen können. Dadurch können wir schon von einigen Früchten kosten, die uns auf diese Einheit verweisen, auch wenn sie noch nicht perfekt sind. Wenn wir uns mit bescheidenem Geist unserem Herrn annähern, können wir sicher sein, dass wir auch uns gegenseitig annähern werden, und wenn wir den Herrn dazu um Hilfe bitten, dann können wir ebenfalls sicher sein, dass er uns zur Einheit führen wird.“

Der Pontifex erinnerte während der Audienz an das 50. Jubiläum der theologischen Gespräche zwischen Katholiken und Lutheranern, das dieses Jahr gefeiert wird. In diesem Zusammenhang verwies er auf das Reformationsgedenken, das in vier Jahren stattfinden wird.

„Mir erscheint die Bemühung des Dialoges für alle Seiten wichtig. Dies muss auf den historischen Fakten der Reformation sowie auf dessen Konsequenzen und auf jene Antworten fußen, die damals gegeben wurden. Katholiken und Lutheraner können gemeinsam um Vergebung bitten für all die Leiden, die zugefügt wurden, und für all die Fehler, die vor Gott gemacht wurden. Gemeinsam können wir uns aber auch darüber freuen, dass wir wieder den Wunsch haben, eine Einheit zu erreichen. Ein Wunsch, den der Herr in unseren Herzen wieder aufflammen lässt und der uns mit Zuversicht in die Zukunft blicken lässt.“

Schwierigkeiten gebe es derzeit noch in anthropologischen und ethischen Fragen, jedoch dürfe man keine Angst davor haben, diese Fragen anzugehen, so Papst Franziskus weiter. In diesem Zusammenhang erinnerte er an das am 17. Juni diesen Jahres erschienene Ökumene-Dokument „Vom Konflikt zur Kommunion – Die lutherisch-katholische Interpretation der Reformation im Jahr 2017“. Das vatikanisch-lutherische Dokument entstand in dreijähriger Arbeit und nimmt Bezug auf das Reformations-Jubiläum 2017.