Der Pacelli-Papst, ein herausragendes Geschenk Gottes an die Kirche

Papst Benedikt XVI. verweist auf die Bedeutung des Lehramts seines Vorgängers Pius XVII.

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ROM, 10. November 2008 (ZENIT.org).- Zum Abschluss des Kongresses über „Das Erbe des Lehramtes Pius’ XII. und das II. Vatikanische Konzil“ wurden die Teilnehmer am Samstag, 8. November, von Papst Benedikt XVI. in Audienz empfangen. Der Kongress wurde von den Päpstlichen Universitäten Gregoriana und Lateranense anlässlich des 50. Todestages des Pacelli-Papstes ausgerichtet (9. Oktober 1958).



In seiner Ansprache an die Kongressteilnehmer würdigte der Papst die Grundzüge von Lehre und Wirken des Pontifikats seines Vorgängers. Er bemerkte, dass sich in den letzten Jahren das Interesse in übertriebener Weise auf nur eine Problematik des Pontifikats konzentriert und dieses in „einseitiger Weise“ behandelt hätte. Dies habe eine angemessene Annäherung an eine Gestalt verhindert, die von großer historisch-theologischer Dichte sei.

Der Heilige Vater hob hervor, dass das Lehramt seines Vorgängers ein „wertvolles Erbe darstellt, aus dem die Kirche geschöpft hat, was sie weiterhin tut“. Es zeichne sich durch seine Breite und herausragende Qualität aus. In mehr als 40 Enzykliken, unzählbaren Ansprache, Dokumenten, Predigten und Radiobotschaften habe sich Papst Pius XII. in seinem fast 20 Jahre währenden Pontifikat mit den verschiedensten Themen auseinandergesetzt. Unter den Enzykliken verwies Benedikt XVI. insbesondere auf „Mystici corporis“ über das Wesen der Kirche, „Divino afflante Spiritu“ über die Heilige Schrift, „Mediator Dei“ über die Heilige Liturgie und „Miranda prorsus“ über die große Bedeutung der modernen Kommunikationsmittel, „die in der Folge immer mehr die öffentliche Meinung beeinflusst hatten“.

Gerade aus diesem Grund habe Pius XII. die Pflicht der Journalisten betont, wahrheitsgetreue und den ethischen Normen entsprechende Nachrichten weiterzugeben. Pius XII. habe seine Aufmerksamkeit auch den Wissenschaften und ihrem außerordentlichen Fortschritt gewidmet. Er habe die wissenschaftlichen Errungenschaften bewundert, ohne es allerdings zu unterlassem, vor den Gefahren zu warnen, „die eine Forschung mit sich bringt, die den moralischen Werten gegenüber nicht aufmerksam ist“.

Benedikt XVI. zitierte als Beispiel die Ansprache von Pius XII. über die Kernspaltung. Mit außerordentlichem Weitblick habe der Papst warnend auf die Notwendigkeit hingewiesen, es mit allen Mitteln zu verhindern, dass dieser wissenschaftliche Fortschritt für den Bau von Waffen missbraucht werde, die zu einer unendlichen Katastrophe und zur Zerstörung der Menschheit führen könnten.

Berühmt seien auch seine Aufrufe zur sozialen Lage gewesen. Pius XII. habe bekräftigt, wie wichtig es sei, eine Gesellschaft zu errichten, die auf Gerechtigkeit gründet. Nur so sei eine friedliche Welt möglich.

Benedikt XVI. erinnerte die Kongressteilnehmer schließlich an die Verkündigung des Dogmas der Aufnahme Mariens in den Himmel. Papst Pacelli habe damit die „eschatologische Dimension unseres Daseins hervorheben und gleichzeitig die Würde der Frau rühmen wollen“.

Pius XII. habe seine Ansprachen mit größter Sorgfalt geschrieben und dabei jeden Satz und jedes Wort abgewogen, ehe er öffentlich ausgesprochen habe. Er sei charakterlich ein überlegter und realistischer Mensch gewesen, dem leichtfertiger Optimismus fremd gewesen sei. Gleichzeitig sei ihm jedoch auch der Pessimismus abhold gewesen, wie sich dies für jeden Gläubigen gehöre. Er habe sterile Polemik verabscheut, Fanatismen und Sentimentalismen misstraut.

Pius XII war nach Worten Benedikts XVI. „ein Mensch von ungewöhnlicherr Intelligenz“, mit einem „eisernen Gedächtnis, einer einzigartigen Vertrautheit mit den Fremdsprachen und von einer bemerkenswerten Sensibilität“. Benedikt XVI. würdigte seinen Vorgänger außerdem als feinen Diplomaten, herausragenden Juristen und ausgezeichneten Theologen. Vor allem aber „hatte er den festen Willen, sich selbst Gott zu schenken, ohne sich dabei etwas zu ersparen und ohne seine schwache Gesundheit zu schonen“.

Alles sei für diesen Papst aus der Liebe zu Christus, zur Kirche und zur Menschheit erwachsen. 50 Jahre nach seinem Tod bleibe sein vielseitiges Lehramt auch für die Christen von heute von unschätzbarem Wert.

„Gewiss ist die Kirche, der mystische Leib Christi, ein lebendiger und vitaler Organismus, der nicht unbeweglich auf dem verharrt, was er vor 50 Jahren war“, fuhr Benedikt XVI. fort. „Aber die Weiterentwicklung erfolgt in der Kohärenz. Aus diesem Grund wurde das Erbe Pius’ XII. vom II. Vatikanischen Konzil aufgenommen und den folgenden Generationen neu vorgelegt.“

Es sei bekannt, dass sich in den Beiträgen der Konzilsväter mehr als 1.000 Bezugnahmen auf das Lehramt Pius XII. finden lassen. Nicht alle Konzilsdokumente hätten einen Anmerkungsapparat. In jenen jedoch, bei denen dies der Fall sei, würde Pius XII. über 200 Mal zitiert. „Dies will heißen, dass dieser Papst nach der Heiligen Schrift die am meisten zitierte einflussreiche Quelle ist.“

„Wir können somit wohl sagen“, so Benedikt XVI. abschließend, „dass der Herr in der Person von Papst Pius XII. der Kirche ein herausragendes Geschenk gemacht hat, wofür wir dankbar sein müssen.“