Der Papst auf Lampedusa

Begegnung mit den Immigranten und den Einwohnern der Insel

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 354 klicks

Heute Morgen, um kurz nach neun, kam Papst Franziskus auf der Insel Lampedusa an. Es handelt sich um die erste Reise seines Pontifikats. Am Flughafen wurde er von Msgr. Francesco Montenegro, Erzbischof von Agrigent, begrüßt und in Empfang genommen. Daraufhin nahmen die beiden von der Cala Pisana aus ein Schiff, das von 120 Fischern der Insel bis zum Hafen von Lampedusa begleitet wurde. Während der Überfahrt warf der Papst einen Blumenkranz ins Wasser, um so der Flüchtlinge zu gedenken, die auf dem Meer ihr Leben verloren haben.

Am Ankunftsort, Punta Favaloro, wurde der Pontifex von einer Reihe Immigranten begrüßt, mit denen er jeweils einige Worte wechselte. Einer von ihnen verlas einen an den Papst gerichteten Brief, in dem er ihm für seinen Besuch dankte und ihn um seine Hilfe bat, nachdem er die schrecklichen Erlebnisse auf dem Weg nach Lampedusa geschildert hatte. Ebenso bat er in seinem Brief alle europäischen Länder um Hilfe. Der Papst dankte allen Anwesenden und erklärte, am heutigen Tag sei er nach Lampedusa gekommen, um mit ihnen für alle zu beten. Nachdem auch die Bürgermeisterin der Insel, Giuseppina Nicolini, Papst Franziskus für seinen Besuch Dank bekundet hatte, dankte er allen für die Einladung. Lampedusa sei ein Ort des Leidens, da es unter dem Meer zwanzigtausend Tote beherberge.

Anschließend begab sich der Papst auf den Weg zum Sportplatz von Salina, wo er die heilige Messe mit Tausenden von Anwesenden feierte, die ihn mit Zurufen, Spruchbändern und Schildern sowie gelben und weißen Fahnen empfingen. Der Kelch, der Bischofsstab und der Ambo waren aus dem Holz der Flüchtlingsboote gearbeitet, während weitere Boote der Immigranten um die Arena verteilt lagen. Die Farbe des Ornats war am heutigen Tag violett, da es sich um einen Bußgottesdienst handelte.

Die zentrale Frage, die die Predigt des Papstes prägte, war: „Wo ist dein Bruder?“ Auf der Suche der Verantwortung für das Geschehene werde deutlich, dass unsere Wohlstandsgesellschaft , wie sich Papst Franziskus ausdrückte, die Menschen unsensibel mache für das, was den Mitmenschen wiederfahre. Er sprach von einer Globalisierung der Gleichgültigkeit. Er bat Gott um Verzeihung für das Geschehene und um die Gnade der Tränen über das Verhalten aller.

Im Anschluss an die Messe und ein Gebet an Maria, den Stern des Meeres, richtete Papst Franziskus folgende Worte an die Anwesenden: „Ich möchte mich nochmals bei den Einwohnern von Lampedusa für ihre Nächstenliebe bedanken, für ihre beispielhafte Aufnahme der Flüchtlinge und die Hilfe die sie leisten. Der Bischof hat gesagt, Lampedusa sei ein Leuchtturm: Dass dieses Beispiel ein Leuchtturm für die ganze Welt sei, dass sie den Mut habe, diejenigen aufzunehmen, die ein besseres Leben suchen. Danke für euer Zeugnis. Ich danke euch auch für eure Freundlichkeit, die ich von euch durch Don Stefano empfangen habe. Er erzählte mir, was er und sein Kaplan machen. Danke an euch und Danke an Sie, Don Stefano.“

Wie Radio Vatikan berichtet, sagten viele der Immigranten anschließend, sie fühlten sich durch den Besuch des Papstes endlich ernst genommen und als Menschen wahrgenommen. Bisher seien sie unsichtbar gewesen, doch nun schaue die Welt auf sie und könne das Problem nicht mehr leugnen.