Der Papst beendet seine Lateinamerikareise: Hasta siempre, Cuba!

Benedikt XVI. stellt die karibische Insel unter den Schutz der Jungfrau

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Von Luca Marcolivio

ROM, 29. März 2012 (ZENIT.org) – Für Papst Benedikt XVI. ging eine lang ersehnte Pastoralreise auf eine „schöne Insel“ zu Ende, die bereits vor 14 Jahren im Herzen seines Vorgängers, des seligen Johannes Paul II., der „als Bote der Wahrheit und der Hoffnung“ nach  Kuba kam, eine unauslöschliche Spur hinterlassen hatte.

Zehntausende von Kubanern strömten auf die Straße und säumten die Strecke zwischen der Apostolischen Nuntiatur und dem  Flughafen „Josè Martí“ von Havanna und jubeltem dem Papst in seinem „Papamobil“ zu.

Während der Abschiedsfeier am Flughafen in Anwesenheit des kubanischen Präsidenten Raúl Castro und den wichtigsten Autoritäten aus Politik, Gesellschaft und Kirche galt die Ehrerbietung des Heiligen Vaters vor allem der Jungfrau Maria, deren Gnadenbild in der Wallfahrtskirche von Cobre seit vier Jahrhunderten Glauben und Mut unter den Kubanern verbreitet.

Im Anschluss an seine Dankworte an Präsident Raúl Castro, an die Mitglieder der Kubanischen Bischofskonferenz und an all jene, die die apostolische Reise ermöglicht hatten, verkündete Papst Benedikt XVI: „Tief in meinem Herzen nehme ich alle Kubaner und jeden einzelnen von ihnen mit. Sie haben mich mit ihrem Gebet und ihrer Liebe umgeben, als sie mir eine herzliche Gastfreundschaft geboten und mir in ihr innerstes und aufrichtiges Streben Einblick gegeben haben“.

Der Papst erklärte, dass er „als Zeuge Jesus Christi nach Kuba gekommen sei, „in der festen Überzeugung, dass, wo auch immer er hinkommt, die Verzagtheit der Hoffnung weicht, die Güte die Unsicherheiten beseitigt und eine starke Kraft den Horizont für ungewöhnliche und wohltuende Perspektiven öffnet“.

Anschließend äußerte er den Wunsch nach einem „neuen Impuls“ für das Bischofsamt, den Klerus, die Gläubigen und Laien Kubas, deren Einsatz dem Werk der Evangelisierung gewidmet sei, dass „sie ihren Einsatz für Gott in ihrer Lebens- und Arbeitswelt intensivieren und nicht müde werden, verantwortungsvoll ihren Beitrag zum Wohl und zu einem umfassenden Fortschritt in der Heimat zu leisten".

Der Weg, den Christus der Menschheit weise, „enthalte keinerlei Einschränkungen“, so der Papst: Vielmehr sei er „der erste und bedeutendste Faktor für dessen wahrhafte Entwicklung“. Das „Licht des Herrn“, fuhr er fort, sei „in diesen Tagen in hellem Glanz erstrahlt“, und es solle „in jenen, die es aufnehmen, nicht verlöschen“, auf dass dem „besten Teil der Seele Kubas zur Frucht verholfen werde“.

Kein Kubaner solle sich daher auf seinem Weg zu einer neuen „erneuerten und versöhnten Gesellschaft mit weiten Horizonten“ von keinerlei Einschränkungen seiner „Grundrechte“ oder aufgrund von einem in „restriktiven wirtschaftlichen Maßnahmen“, das heißt, im Embargo gegen Kuba begründeten „Mangel an materiellen Gütern“ aufgehalten fühlen.

Der Papst werde weiterhin für den Weg Kubas zur „Gerechtigkeit und Freiheit“ beten, im Bewusstsein, dass „der Respekt und der Schutz der in jedem Menschenherzen lebenden Freiheit unerlässlich sind, um den grundlegenden Ansprüchen seiner Würde angemessen Rechnung zu tragen“.

Der gegenwärtige Moment, fügte der Papst hinzu, „erfordert dringend, dass im menschlichen, im  nationalen und im internationalen Zusammenleben unbewegliche Positionen und einseitige Sichtweisen aufgegeben werden, die tendenziell die Verständigung erschweren und die Bemühung zur Zusammenarbeit wirkungslos machen“.

Im Gegensatz dazu gelte es, „allfällige Unstimmigkeiten“ zu lösen und das zu suchen, „was alle vereint, und zwar in einem geduldigen und ehrlichen Dialog und mit einem aufrichtigen Willen des Zuhörens, der Ziele annimmt, die neue Hoffnungen mit sich bringen“.

In seinem „bewegten Abschiedsgruß“ an die karibische Insel ermahnte der Papst: „Kuba, entfache in dir den Glauben deiner Väter!“, und fügte hinzu: „Hasta siempre, Kuba, du Land, geziert durch die mütterliche Gegenwart Marias“. Dann vertraute er das bereiste Land dem Schutz dessen Patronin, Unserer Lieben Frau der Barmherzigkeit von El Cobre, an.

Bei seinem Abschied ließ Benedikt XVI. Präsident Raúl Castro ein ebenso an die politischen und kirchlichen Autoritäten Kubas gerichtetes Danktelegramm „für die zahllosen Zeichen der Zuneigung, die mir von euch während meines Aufenthaltes entgegengebracht wurden“, zukommen.

In seinen Gebeten werde der Heilige Vater die Unterstützung des kubanischen Volkes in seinem „aufrichtigen Streben“ und in seinen „edelsten Wünschen“ erbitten und in diesem Sinne den apostolischen Segen erteilen.

Als der Papst nach einem zehnstündigen Flug um 10.35 vormittags am Flughafen „Leonardo da Vinci“ von Fiumicino eintraf, versandte er weitere Telegramme an die Staatsoberhäupter von Frankreich (das Land war bei der Rückreise überflogen worden) und Italien, Nicolas Sarkozy und Giorgio Napolitano.

Benedikt XVI. richtete an Präsident Napolitano ein „besonderes Gebet für das Wohlergehen, die Heiterkeit und den Wohlstand der gesamten geliebten italienischen Nation“, und berichtete, er habe die Gelegenheit gehabt, zahlreiche Gläubige und Vertreter dieser geliebten Bevölkerungen kennen zu lernen und hege Bewunderung für deren Glauben und den Wunsch nach spirituellem und sozialem Wachstum.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]