Der Papst hat nicht Macht ausgeübt, sondern eine Mission erfüllt

Leitartikel von Pater Federico Lombardi für Radio Vatikan

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Federico Lombardi | 976 klicks

Die Rücktrittserklärung von Papst Benedikt XVI. am vergangenen Montag hat die Welt erschüttert, so unerwartet und seltsam ist sie den meisten Menschen vorgekommen, auch denen, die mit den Verhältnissen in der Kirche und im Vatikan gut vertraut sind. Die Nachricht hat uns alle tief berührt, und wir versuchen noch immer, uns Klarheit über ihre Reichweite und Bedeutung  zu verschaffen.

Um aber ehrlich zu sein, hat diese Nachricht eher die überrascht, die ihn nicht kannten, als die, die ihn gut kennen und seit Jahren seinem Wirken aufmerksam folgen. Er hatte schon vor Jahren deutlich von dieser Möglichkeit gesprochen – im in Buchform veröffentlichten Interview „Licht der Welt“ – und aus der diskreten und vorsichtigen Art, in der er über die künftigen Aufgaben seines Pontifikats sprach, ist immer schon deutlich geworden, dass ihm mehr daran gelegen war, eine ihm anvertraute Mission zu erfüllen, als eine ein für allemal gewonnene Macht auszuüben. Es war wahrlich keine falsche Bescheidenheit, die ihn ganz zu Beginn seines Pontifikats sagen ließ, er sei „ein einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn“: jemand, der mit Vorsicht und Weisheit seine nicht übermäßig großen Kräfte einsetzt, um der schweren Aufgabe gerecht zu werden, die ihm, dem schon recht betagten Mann, ganz unerwartet anvertraut wurde.

Es ist eine bewundernswert menschliche und christliche Weisheit, die einen Menschen, der seinen Glauben vor Gott in geistiger Freiheit lebt und seine Aufgaben, aber auch seine Grenzen gut kennt, dazu bewegt, durch seinen Rücktritt einen Weg zu neuer Verantwortung und neuer Hoffnung zu weisen. Es ist ein großer Schritt in der Leitung der Kirche, und das nicht so sehr deshalb, wie viele meinen, weil Papst Benedikt sich nicht mehr kräftig genug fühlt, um die Römische Kurie persönlich zu leiten, sondern weil heute viel Kraft und die Perspektive einer zeitlich langen Regierung nötig sind, um den Problemen der Kirche und der Welt durch ein zukunftsweisendes pastorales Projekt entgegenzutreten.

Papst Benedikt verlässt uns nicht inmitten der Schwierigkeiten; er fordert die Kirche voller Vertrauen auf, sich dem Heiligen Geist und einem neuen Nachfolger Petri anzuvertrauen. In diesen Tagen, so hat der Heilige Vater gesagt, könne er die Intensität der Gebete und der Liebe, die ihm entgegengebracht werden, fast körperlich spüren. Wir werden unsererseits die Tiefe seines Gebets und seiner Liebe spüren, die er uns und seinem Nachfolger geben wird. Wahrscheinlich wird diese geistige Beziehung sogar noch tiefer sein als bisher. Tiefe Kommunion in großer Freiheit.