Der Papst hatte Recht

Das Friedensgebet des Bischofs von Rom wurde erhört

Rom, (ZENIT.org) P. Alfonso M. A. Bruno FI | 551 klicks

Während in Syrien aufgrund der Verantwortung Assads für die Vernichtung der Zivilbevölkerung mit chemischen Waffen einerseits ein Angriff der Vereinigten Staaten auf das Regime und andererseits eine Verteidigungsaktion desselben von Seiten Russlands unmittelbar bevorzustehen drohte, was eine Destabilisierung des gesamten Nahen Ostens und des gesamten Rahmenwerks der internationalen Beziehungen zur Folge gehabt hätte, richtete der Papst die Menschen guten Willens, einschließlich der Nichtgläubigen, die Einladung, sich mit ihm zu vereinen, um gemeinsam für eine Erhaltung des Friedens zu beten. Dabei spürten wir, dass es nur ein Form der Unterstützung gab: die Verbreitung seiner Botschaft, eine Erläuterung derselben und die Einladung zum Nachdenken über ihren Inhalt.

Zwei Gedanken der Predigt erweisen sich von besonders leuchtender Klarheit: Zunächst positionierte sich Bergoglio nicht zugunsten einer der Konfliktparteien. Dies entspricht der traditionellen Linie des Heiligen Stuhles im Falle von Kriegssituationen.

Dennoch unterlag der Vatikan im vorliegenden Fall durchaus dem Druck, den Papst in eine der Seite der Christen wohlgesonnene Haltung und somit dem Regime gegenüber positive Haltung zu lenken: Der Papst widersetzte sich dem als Ausdruck der Tatsache, dass kein Unterschied zwischen Menschen besteht, wenn deren Existenz ausgelöscht wird oder auf dem Spiel steht, ebenso wenig wie im Falle der Unterdrückung eines Religionsbekenntnisses oder eines anderen.

Man erinnere sich daran, dass der Konflikt in Syrien gerade durch Unterdrückung verursacht wurde – in diesem Fall seitens einer Minderheit gegenüber einer Mehrheit – der Alawiten über die Sunniten.

Natürlich wurde den Worten Bergoglios in muslimischen Kreisen zu diesem Zeitpunkt besondere Aufmerksamkeit geschenkt: Eine Verschiebung des Gleichgewichts zugunsten der Christen seitens des Papstes wäre als Beweis für das Verharren einer noch vom Kolonialismus konditionierten anti-islamischen Mentalität in der Kirche gedeutet worden.

Der Papst hingegen stammt aus einem einst direkter Herrschaft unterlegenen Land, das später der direkten Gewalt europäischer Mächte ausgesetzt wurde. Er konnte diesem Widerspruch nicht anheimfallen, indem er alle Opfer auf die gleiche Ebene stellte. 

Bereits zur Zeit des Vietnamkrieges wurde Paul VI., der den Frieden erbat, –von gewissen traditionalistischen katholischen Kreisen – mit dem Argument entgegnet, dass sich unsere Glaubensgenossen dieses Landes auf der Seite des pro-amerikanischen Regimes des Südens positionierten und für eine bestimmte Zeit direkte Macht ausübten.

Montini vermochte es, über die Kontingenz und Besonderheit der Aspekte dieses Konfliktes hinauszublicken und den allgemeinen Wert zu erkennen: Die bereits damals mehrheitlich aus Gläubigen in Entwicklungsländern zusammengesetzte Kirche konnte der Befreiung der Völker nicht teilnahmslos gegenüberstehen, auch wenn diese Causa im Namen per se nicht vertretbarer politischer Ziele vorgebracht wurde: Tatsächlich wurde im Namen des Antikommunismus Kritik am Papst geübt.

Heute gelangt dieses Szenario im Falle Bergoglios zu einer Neuaufführung. Auch dieser beweist jedoch, eine richtige Interpretation der globalen Lage vorzunehmen.

Der andere die Aufmerksamkeit erweckende Aspekt der Rede des Papstes war die Verurteilung der Massenvernichtungswaffen zulasten der Zivilbevölkerung. Genauer gesagt, konnte der Krieg in dieser Frage entweder eine Ausbreitung und Verschärfung erfahren oder im Falle einer Überschreitung der von der internationalen Gemeinschaft auferlegten Grenzen über den Weg der Verhandlung zu einer friedlichen Lösung gelangen.

Das erreichte Votum des Sicherheitsrates, das die neu gefundene Einheit zwischen Russland und dem Westen zum Problem Syriens besiegelte, gibt uns letztlich die Gewissheit, dass dieser Weg eingeschlagen worden ist. Dieser bestimmt indirekt und unabdingbar den Waffenstillstand zwischen den Parteien.

Tatsächlich kann keine derart begehrte und detaillierte Untersuchung stattfinden wie die in wenigen Stunden beginnende, wenn die beauftragten Beamten Gefahr laufen, ins Kreuzfeuer zu geraten.

Anschließend wird die neue Konferenz von Genf die Situation „de jure“ in eine „de facto“ Situation verwandeln.

An dieser Stelle fügt sich der erhabenste und bedeutendste Teil der Rede des Papstes ein. Über Syrien hinausblickend, betont dieser, dass ein Konflikt zum Stillstand gebracht werden und andere vermieden werden könnten, während die Lage der Welt jedoch so sei, dass sie ständig neue hervorbringe.

Die allgemeine Lage der Welt ist gekennzeichnet durch Ungerechtigkeit in den ökonomischen Beziehungen.

Eine Verschärfung der Krise, die Neigung zum Singularismus, d.h., zum Einschließen in den Egoismus jeder Gemeinschaft, ist dazu bestimmt, sich mit zunehmend destabilisierenden Wirkungen immer mehr fortzupflanzen.

Das in Genf neu entworfene Syrien wird entlang ethnoreligiösen Linien aufgeteilt werden, wobei die Grenzen mit den Linien des Waffenstillstands übereinstimmen.

Dies ist das Schicksal des Nahen Ostens: In den gegenwärtigen Verhandlungen wird ein arabischer Staat in Palästina neben einem jüdischen Staat in Israel gegründet; der Libanon ist in eine sunnitische, eine christliche und eine schiitische Einheit unterteilt; und auch im Irak wurde diese Lösung zwischen Sunniten Schiiten und Kurden auferlegt, und eines Tages wird die Kurden der Türkei dasselbe Schicksal ereilen.

Manche Stimmen mögen behaupten, dass die Aufteilung des Gebietes und selbst die ethnische Säuberung und der Austausch zwischen Minderheiten zu begrüßen seien, wenn das Töten dadurch zum Stillstand komme.

Es sollte uns jedoch bewusst sein, dass wir nicht über etwas Gutes sprechen, sondern über ein vergleichsweise geringeres Übel.

Wenn diese Tendenz sich jedoch ausweitet und etabliert, wie viele Kriege werden wir in naher Zukunft sehen müssen?

Daraus entspringt die Notwendigkeit der Schlussfolgerung, des allgemeinen Ziels, zu dem der Papst die Völker der Welt aufruft. Warum kämpfen wir nicht mit vereinten Kräften gegen eine globale Ungerechtigkeit, anstatt zuzusehen, wie sie sich zwischen Nachbarn ausweitet, die sich eines Tages in unwiderruflicher Feindschaft wiederfinden?

Sind wir tatsächlich so weit davon entfernt, dasselbe Ende wie die Alawiten und Sunniten Syriens zu erleben?

Beim Hören bestimmter politischer Botschaften fühlen wir uns keineswegs immun vor einem derartigen Risiko.

Beten wir zu Gottesmutter „Salus Populi Romani“, der Pius XII. die Rettung der sich auf den Krieg zubewegenden Stadt anvertraute und die Franziskus I. zur Gebetswache in den Petersplatz tragen ließ, auf dass sie uns vor einer derartigen Falle bewahre.