Der Papst lenkt von Lourdes aus den Blick auf die Notleidenden dieser Erde

Benedikt XVI. hat in Frankreich Vernunft und Glaube zusammengeführt

| 1352 klicks

LOURDES, 15. September 2008 (ZENIT.org).- Auf die Macht der Liebe setzte Papst Benedikt XVI. am Höhepunkt seiner Frankreich-Reise im Marienwallfahrtsort Lourdes: Bei der gestrigen Eucharistiefeier erklärte er vor rund 150.000 Gläubigen: „Die Kraft der Liebe ist stärker als das Böse, das uns bedroht“. Der Heilige Vater feierte die heilige Messe zum Gedenken an die Marienerscheinungen der Müllerstochter Bernadette vor 150 Jahren. „Frankreich liegt Benedikt zu Füßen“, hieß es dazu in den Medien.

In seiner Predigt lud der Papst am Festtag der Kreuzerhöhung alle Menschen dazu ein, auf Christus zu schauen. „Er ist es, der uns frei machen wird, damit wir lieben können, wie er uns liebt, und damit wir eine versöhnte Welt aufbauen. Denn auf diesem Kreuz hat Jesus die Last aller Leiden und der Ungerechtigkeiten unserer Menschheit auf sich genommen“, so der Papst und lenkte von Lourdes aus den Blick auf die Notleidenden und Ärmsten dieser Erde. Er hat die Demütigungen und Diskriminierungen getragen, die Qualen, die so viele unserer Brüder und Schwestern in zahlreichen Regionen der Welt aus Liebe zu Christus erleiden. Wir vertrauen sie Maria an, der Mutter Jesu und unserer Mutter, die unterm Kreuz stand.“

Bei kühl-regnerischem Wetter war Benedikt am Samstagabend in Lourdes von zahlreichen Pilgern begeistert begrüßt worden. Rufe wie „Es lebe der Papst!“, begleiteten ihn auf dem Lourdes-Pilgerweg, der für das Jubiläum der Marienerscheinungen angelegt worden war. Benedikt fuhr unter starken Sicherheitsvorkehrungen zur Grotte von Massabielle, dem Ort, an dem die Gottesmutter Bernadette Soubirous 18 Mal erschienen war.

Benedikt rief die Pilger aus dem Ausland und aus Frankreich dazu auf, den „missionarischen Geist“ zu erneuern. Die französische Zeitung „Le Figaro" kommentierte: „So weit Paris und Lourdes räumlich und als Hauptstädte von Vernunft und Glaube auseinander liegen - Benedikt XVI. hat die Welten zusammengeführt."

Ein Mädchen aus Lourdes, das Bernadette repräsentierte, brachte dem Lourdespilger aus dem Vatikan ein Glas des Quellwassers, von dem sich viele Kranke, die unter den jährlichen sechs Millionen Lourdespilgern sind, Heilung erhoffen. Bis jetzt wurden 67 Wunder offiziell anerkannt.

„Von Herzen grüße ich die Pilger deutscher Sprache hier in Lourdes, besonders die Kranken, sowie alle, die über Rundfunk und Fernsehen mit uns verbunden sind“, rief Benedikt auf Deutsch nach dem Angelus-Gebet. „Als ihre Kinder wollen wir Maria unser Leben anvertrauen – Freuden und Sorgen, Krankheit und Leid, all unsere Anliegen. Denn wir wissen: Maria führt uns sicher zu ihrem Sohn Jesus Christus, dem Quell der Hoffnung und des Heils.“

Der Papst richtete sich auch auf dieser pastoralen Etappe seines viertägigen Besuchs in Frankreich ausdrücklich über das Land hinaus an die ganze Welt. An die Jugendlichen hatte Benedikt XVI. am Tag zuvor appelliert, sich nicht vom Weg des Glaubens abbringen zu lassen.

„Wer sich von seinen täglichen Beschäftigungen aufsaugen lässt, verlernt das Beten“, sagte der Papst, der den Gläubigen das traditionelle Rosenkranzgebet besonders ans Herz legte. Er sprach den Priesterkandidaten erneut Mut zu, ihr Leben der Kirche zu widmen, und wünschte denen, die zur Ehe berufen seien, die „Erfahrung einer wahren und tiefen Liebe“.