Der Papst lobt das im Libanon herrschende friedliche Zusammenleben von unterschiedlichen Glaubensrichtungen

Ankunft am Flughafen von Beirut: Benedikt XVI. wird von den politischen und religiösen Autoritäten des Landes empfangen

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Von Luca Marcolivio

BEIRUT, 15. September 2012 (ZENIT.org). - Bei seiner Ankunft am Flughafen „Rafiq Hariri“ von Beirut um 13.45 Uhr Ortszeit wurde Papst Benedikt XVI. von zahlreichen Mitgliedern der politischen und religiösen Führungsriege des Libanon begrüßt.

Unter den namhaften Vertretern befanden sich der libanesische Staatspräsident Michel Sleiman mit Gemahlin, der Maronitische Patriarch von Antiochia und Präsident der Versammlung der Katholischen Bischöfe und Patriarchen im Libanon, Seine Seligkeit Béchara Boutros Rai, der Präsident des libanesischen Parlaments Nabih Berri und der Ministerratspräsident NagibMiqati, jeweils in Begleitung ihrer Gemahlinnen.

Bei der Empfangszerimonie waren unter anderem einige politische Autoritäten und Vertreter der Zivilgesellschaft, die Patriarchen und Bischöfe und die anderen Mitglieder der APECL (Versammlung der Katholischen Bischöfe und Patriarchen im Libanon), orthodoxe und protestantische Vertreter des religiösen Lebens, der Diplomatenkorps, Vertreter der Muslime und Gläubige anwesend.

Nach der Begrüßung durch den Präsidenten Sleiman ergriff der Heilige Vater das Wort. Benedikt XVI. betonte, dass die soeben begonnene Pastoralvisite die von Beginn an ausgezeichneten Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Libanon unterstreiche und ein Beitrag zu ihrer Festigung sein solle.

Mit der Reise in den Libanon wolle er auch die Vatikanbesuche des Präsidenten Sleiman (November 2008) und des Premierministers Miqati (Februar 2011) erwidern, so der Papst.

Im Rahmen des zweiten dieser Besuche wurde die Statue des hl. Maron von Beit im Libanon geweiht. Benedikt XVI. erinnerte mit folgenden Worten an den Heiligen: „Seine stille Gegenwart im Petersdom erinnert den Libanon stets an den Ort der Bestattung des Apostels Petrus. Sie ist Ausdruck eines jahrhundertealten geistigen Erbes und bezeugt die Verehrung des ersten Apostels und dessen Nachfolger des libanesischen Volkes“.

Ein weiterer Grund für den Papstbesuch im Libanon ist die Unterzeichnung und Übergabe der postsynodalen apostolischen Exhortation der Sonderversammlung für den Nahen Osten „Ecclesia in Medio Oriente“ (Kirche im Nahen Osten). Dem Heiligen Vater zufolge handle es sich um ein wichtiges kirchliches Ereignis, das ein Dokument an die ganze Welt verbreitet. Dieses Dokument zeichne sich als Zeitplan für die kommenden Jahre ab.

Benedikt XVI. fügte hinzu: „Die Gegenwart, der Einsatz und das Zeugnis zahlreicher aus dem Libanon gekommener Vertreter des Katholizismus sind ein anerkannter und sehr geschätzter Beitrag im täglichen Leben aller Bewohner eures geliebten Landes“.

Der Bischof von Rom grüßte dann die anwesenden orthodoxen Patriarchen und Bischöfe mit folgenden Worten: „Eure Gegenwart, liebe Freunde, ist ein Zeichen der Wertschätzung und Zusammenarbeit, die ihr unter allen im gegenseitigen Respekt fördern wollt. Ich danke euch für euer Bemühen und bin mir gewiss, dass ihr weiterhin Wege zur Einheit und zur Versöhnung verfolgen werdet.“

Der Papst verwies auf die traurigen und erschütternden Vorgänge, die den Libanon seit Jahren heimsuchen. Er betonte, dass trotz aller Schwierigkeiten das friedliche Zusammenleben des Libanon dem gesamten Nahen Osten und dem Rest der Welt die Möglichkeit eines respektvollen Dialoges zwischen Christen und ihren Brüdern anderer Religionen auf demselben Staatsgebiet eindrucksvoll vor Augen führe.

Das im Libanon herrschende vorbildhafte Gleichgewicht sei jedenfalls höchst zerbrechliche und laufe ständig Gefahr, unter dem Gewicht der oft parteilichen, eigennützigen und gegensätzlichen Kräfte, die der Harmonie und Schönheit des Libanon zuwiderlaufen.

Es gelte daher, tatsächliche Mäßigung und große Weisheit  unter Beweis zu stellen. Die Vernunft müsse über die einseitige Leidenschaft siegen, damit das Wohl aller gefördert werden könne. In diesem Zusammenhang zitierte der Heilige Vater König Salomo, der Hiram, den König von Tyrus kannte und glaubte, dass die Weisheit die oberste Tugend sei und sie von Gott erbat, der ihm ein weises und kluges Herz schenkte (vgl. 1 Kön 3,9-12).

Der Wille zum „Zusammenleben“ als Volk brauche die Gegenwart Gottes im Leben jedes einzelnen. Ziviles Zusammenleben könne nur Tiefe haben, wenn die Grundlage ein offener Blick und eine Haltung des Wohlwollens dem anderen gegenüber seien, wenn sie in Gott verwurzelt ist, der will, dass alle Menschen Brüder sind.

Deshalb sei das Vorbild des Libanon ein Beispiel für die Bewohner der gesamten Region und für die ganze Welt und nicht ein rein menschliches Werk, sondern ein Geschenk Gottes, das inständig erbeten werdden und um jeden Preis bewahrt und mit Entschlossenheit gefestigt werden müsse.

Die tiefen historischen Beziehungen zwischen dem Libanon und dem Nachfolger Petri betonend, bezeichnete Benedikt XVI. sich als „Pilger des Friedens“ in dem Land des Nahen Ostens. Dazu sprach der Papst folgende Worte: „Eure Freude und euer Schmerz finden stets Eingang in die Gebete des Papstes. Ich bitte Gott darum, euch zu begleiten und euch zu trösten.“ Er fügte hinzu: „Die Statue des hl. Maron erinnert mich an euer Leben und eure Bürde“.

Nach seiner Ansprache führte der Heilige Vater ein kurzes Gespräch mit den obersten drei Amtsträgern des libanesischen Staates, bevor er sich zur Apostolischen Nuntiatur von Harissa begab, die am Ende der Pastoralvisite das Quartier des Papstes sein wird.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleisser]