Der Papst ruft zum Gebet für die Neuevangelisierung auf

Chiara Amirante, Gründerin von Nuovi Orizzonti, nennt alle Getauften als Missionare

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VATIKANSTADT, 1. Oktober 2012 (ZENIT.org/RV). - Nach den in Castel Gandolfo verbrachten Sommermonaten kehrte Benedikt XVI. heute Vormittag um 11.30 Uhr in den Vatikan zurück. Für den soeben begonnenen Monat Oktober bittet der Papst um das Gebet für die Entwicklung  und den Fortschritt der Neuevangelisierung in den Ländern der altchristlichen Kirche. Im Zentrum der Gebetsabsicht steht somit das Thema der Synode, die am Sonntag, dem 7. Oktober 2012, mit der vom Papst zelebrierten Heiligen Messe am Petersplatz beginnen wird, wie Radio Vatikan berichtet.

Zur Gebetsabsicht führte Alessandro Gisotti ein Interview mit Chiara Amirante, der Gründerin der Gemeinschaft „Nuovi Orizzonti“ („Neue Horizonte“) und Hörerin bei der Bischofssynode über die Neuevangelisierung.

Amirante: Meines Erachtens erlangt die Neuevangelisierung angesichts der Herausforderungen unserer Zeit immer größere Dringlichkeit. Es besteht die Hoffnung, dass durch diese Bischofsversammlung ein wertvoller Beitrag geleistet werden kann, um in den christlichen Gemeinschaften ein neues Bemühen entstehen zu lassen, mit erneuertem Eifer diese Mission der Evangelisierung fortzuführen und den neuen Herausforderungen der Welt von heute mit hilfreichen Antworten zu begegnen. Ebenso kann die Fähigkeit der Kirche zur Evangelisierung und zum Dialog mit dem modernen Menschen verbessert werden. Wir können sagen, dass der moderne Mensch dazu neigt, ein Leben zu führen, in dem Gott nicht existiert, obwohl in Wahrheit eine große Sehnsucht nach Gott, nach dem Glauben, im Inneren spürbar ist.

RV: Angesichts der Herausforderung an die Säkularisierung und an die Neuevangelisierung sind die Laien zu einem besonders großen Einsatz in diesem Bereich aufgerufen…

Amirante: Das Zweite Vatikanische Konzil hat uns meiner Meinung nach durchaus vor Augen geführt, wie sehr alle Getauften dazu aufgerufen sind, Verbreiter der Evangelisierung zu sein. Diese Aufgabe können wir keineswegs an die Bischöfe und die Priester übertragen. Mehr noch als das II. Vatikanum erinnert uns das Wort Gottes daran. Der erste Korintherbrief enthält einen sehr schönen Satz des hl. Paulus, der uns in Erinnerung ruft, dass die Verkündigung des Evangeliums kein Privileg, sondern eine Pflicht für uns ist. „Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predige“. Ich glaube, dass es heute mehr als je zuvor Christen braucht, die die konkreten Antworten des Evangeliums auf die großen Fragen des modernen Menschen, die großen Herausforderungen an unsere Gesellschaft, begreifbar machen können. Ebenso denke ich, dass es für uns Laien heute dringender als je zuvor ist, diese Botschaft im täglichen Leben lebendig zu machen und mehr Stimmigkeit zu erlangen.

RV: Die Kirche feiert heute den Gedenktag der hl. Teresa von Lisieux, der Schutzpatronin der Mission. Mit welchem konkreten Beitrag können die Frauen der Herausforderung der Neuevangelisierung begegnen?

Amirante: Es gibt einen sehr ergreifenden Abschnitt der hl. Teresa, indem sie betont, dass die Liebe eine Zusammenfassung aller Berufungen enthält, und darin hat  sie am Ende ihre spezielle Berufung gefunden: „Im Herzen der Kirche werde ich zur Liebe“. Der Kernpunkt ist die Treue zu dem, was Jesus uns als sein Gebot gegeben hat, das neue Gebot: „Liebt euch, wie ich euch geliebt habe. Niemand hat eine größere Liebe als der, der sein Leben für seine Freunde hingibt“. Vielleicht ist uns Maria ein wenig in Vergessenheit geraten. Sie ist unsere Mutter, die Mutter aller Christen: Jesus wollte gerade auf eine Frau als die Führerin der Apostel hinweisen, als diese sich in Verirrung befanden. Er wollte erneut die besondere Rolle der Frau in der Evangelisierung in den Vordergrund rücken. Sie leistet einen Beitrag für die Wiederentdeckung eines Reichtums, in dem das Potenzial einer Erneuerung unserer Gesellschaft verborgen liegt: der Liebe.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]