"Der Papst soll spüren, dass die Liebe, die er gibt, ankommt"

Interview mit der Religionslehrerin Esther Klein

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MÜNCHEN, 13. September 2006 (ZENIT.org).- Ein demütiger Papst berührte am Sonntagnachmittag im Vesper-Gottesdienst die Herzen vieler Religionslehrer im Münchner Liebfrauendom. ZENIT sprach mit Esther Klein (42), Religionslehrerin in München und Mitglied der Fokolar-Bewegung, über ihre Eindrücke bei dieser Feier.



ZENIT: Was hat Sie bei der Verkündigung des Papstes am meisten angesprochen?

--Esther Klein: Was mich im Dom einfach sehr berührt hat war, dass Papst Benedikt während der Predigt an einem bestimmten Punkt sehr einladend und bittend gesagt hat: "Ich bitte euch Eltern, ich bitte euch Lehrer, versucht das Tiefere weiterzugeben." Und auch: "Schaut, dass die Antworten auch bei Gott landen, denn jede Antwort, die nicht auch wieder bei Gott ankommt, ist zu kurz." Also, das ist es, was bei mir angekommen und rein gegangen ist, also wirklich immer noch ein Stück tiefer zu gehen.

ZENIT: Wie wirkte der Heilige Vater auf Sie und Ihre Kollegen?

--Esther Klein: Was mir sehr imponiert hat, ist seine Haltung, die nicht sagt, ihr solltet und ihr müsstest, sondern: "Ich bitte euch", also von unten her, sehr einladend, stark.

Dann nach der Predigt waren die Kinder ja ganz aufgetaut und haben ihm die Hand entgegengestreckt, und er hat sich unheimlich viel Zeit genommen für sie. Man merkte, wie es ja auch für ihn wichtig war, wie er so Vater ist und seine Liebe wirklich schenkt.

ZENIT: Viele Stimmen sprechen in diesen Tagen von einem veränderten, herzlich ungezwungenen Auftreten Benedikts XVI.. Woran mag das liegen?

--Esther Klein: Als der Papst nach der persönlichen Begegnung und Berührung so vieler Leute im Dom sehr froh an seinen Platz zurückging, wie es mir schien, hatte ich den Eindruck, dass es sehr wichtig ist, dass wir auch mit Liebe auf ihn antworten. Der Papst soll spüren, dass die Liebe, die er gibt, ankommt und auch wieder zurückkehrt. Das ist auch für sein Amt wichtig ist: dass er das geben kann, was er so drin hat. So war es mir auch wichtig, ihn in den nächsten Tagen auch innerlich zu begleiten und so mit ihm Kirche zu sein.

ZENIT: Welche Reaktionen konnten sie bei Ihren Kollegen wahrnehmen?

--Esther Klein: Ganz nett und beeindruckend waren die Reaktionen einiger Kollegen. Eine, die aus der Kirche ausgetreten ist, hat gesagt: "Ich wollte ihn einfach mitkriegen und bin deshalb in die Stadt gegangen." Eine andere erzählte, sie hat den Anfang im Fernsehen gesehen und konnte sich dann dort nicht mehr halten, weil sie spürte, da muss ich jetzt life hingehen.

Ich durfte merken, dass bei den Menschen, wenn sie so angesprochen werden, doch etwas Tieferes rüberkommt – gerade durch seine Einfachheit. Ich denke, es ist wunderbar, was wir gerade erleben, und bin gespannt, was sich der Heilige Geist sonst noch ausdenkt.