Der Papst trifft auf Sardinien Mitglieder der Universität

Keine Resignation und Pessimismus, die den Ruf nach Gerechtigkeit ignorieren

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 320 klicks

Ein weiterer Termin, den Papst Franziskus am gestrigen Sonntag in Cagliari auf Sardinien wahrnahm, war die Begegnung mit den Beschäftigten der Universität in der Aula Magna der Päpstlichen Fakultät für Theologie. Nach einigen Dankesworten insbesondere an die Jesuitenpatres, die dem gesamten Lehrkörper ihre Dienste erweisen, sagte der Papst, dass die Ausbildung der Anwärter zum Priesteramt oberste Priorität habe; jedoch sei auch die Ausbildung der Laien außerordentlich wichtig. Der Pontifex ließ verlauten, er wolle keine akademische Lehrstunde abhalten – obgleich der Kontext dies erfordere –, sondern einige Überlegungen anführen, die aus seiner Erfahrung als Mann und Hirte der Kirche herrührten. Auf der Basis des Evangeliums mit den Jüngern aus Emmaus nannte er drei Schlüsselworte: „Enttäuschung, Resignation, Hoffnung“.

„Die beiden Jünger tragen in ihrem Herzen Leiden und Orientierungslosigkeit aufgrund des Todes Jesu. Ein zu unserer heutigen Zeit analoges Gefühl: die Desorientierung aufgrund einer ökonomisch-finanziellen, aber auch ökologischen, erzieherischen, moralischen und menschlichen Krise. Es ist eine Krise, die das Jetzt und die Zukunft betrifft. … Und wenn ich an Krise denke, denke ich nicht an eine Tragödie. In der chinesischen Schriftsprache gibt es zwei Zeichen für Krise: Ein Zeichen steht für Gefahr und das andere für Möglichkeit. In diesem Sinne benutze ich dieses Wort. Jede Epoche in der Geschichte birgt Krisenelemente, aber in keiner hat es solche Erschütterungen der fundamentalen Sicherheiten die das menschliche Leben ausmachen, gegeben, wie in dieser. Ich denke an die Beschädigung der Umwelt. Denken wir an den zukünftigen Krieg um Wasser, der kommen wird, an die sozialen Unterschiede, an die fürchterliche Macht der Waffen, an das ökonomisch-finanzielle System, das in seiner Mitte nicht den Menschen, sondern das Geld sieht, an die Entwicklung und Bedeutung der Kommunikationswege. Dies sind Veränderungen, die die Humanität auf der Welt extrem beeinflussen.“

Als Reaktion darauf könne man sich wie die Jünger aus Emmaus verhalten und versuchen, der Realität zu entkommen, so wie diese aus Jerusalem fortgegangen seien, ein Verhalten, dass auch heute zu beobachten sei: Resignation und Pessimismus vor jeder Möglichkeit des Intervenierens. Der Mensch tendiere dazu, apokalyptisch zu denken. Dieses pessimistische Konzept führe zu einer Lähmung von Verstand und Wille. Ein Verhalten, das pragmatisch erscheine, in Wirklichkeit aber den Schrei nach Gerechtigkeit, Menschlichkeit und sozialer Verantwortung unterdrücke und zum Individualismus, zur Scheinheiligkeit und zu Zynismus führe.

Nach Ansicht von Papst Franziskus gibt es nur einen Weg, dem es zu folgen gelte, um Wege der Hoffnung zu suchen und zu finden, die der Gesellschaft neue Horizonte eröffneten. An diesem Punkt spiele die Universität eine wichtige Rolle: Die Universität als ein Ort der Entwicklung und Vermittlung von Wissen, der vollständigen Erziehung des Menschen.

Diesbezüglich führte der Pontifex drei Überlegungen an, die die Aufgabenbereiche der Universität umrissen: Die Universität als Ort der Urteilsfähigkeit, als Ort der Ausbildung einer „Kultur der Nähe“ und als Ort der Ausbildung zur Solidarität. Ersterer betreffe vor allem die Ausbildung zur Fähigkeit, eine Situation in Angriff zu nehmen, die Realität ohne Ängste und Ausflüchte zu leben. Jede Krise trage in sich einen Neuanfang und die Kraft der Hoffnung. Die Universität bilde das Urteilsvermögen aus, das die Hoffnung nähre. Urteilsvermögen bedeute, so der Pontifex, nicht zu fliehen, sondern ohne Vorurteile der Wirklichkeit entgegenzutreten.

Der zweite Punkt, die „Kultur der Nähe“, sei ebenso wichtig. Die Universität sei ein Ort an dem die Kultur des Dialogs gelehrt werde. Dies bedeute, die Eigenschaften des anderen zu verstehen und zu schätzen, ihm nicht mit Gleichgültigkeit oder Besorgnis zu begegnen, sondern in der Begegnung mit ihm zu wachsen. Papst Franziskus rief die Anwesenden auf, keine Angst vor der Begegnung, dem Dialog und der Auseinandersetzung zu haben.

Bezüglich des dritten Punktes sagte er, das Wort Solidarität sei nicht nur Teil des christlichen Vokabulars, sondern ein Wort aus dem menschlichen Vokabular, das Risiko laufe, aus dem Wörterbuch gestrichen zu werden. Entscheidend sei dabei, den anderen nicht als „menschliches Material“ anzusehen, sondern als Menschen. Solidarität als Art und Weise des Handelns, die Geschichte zu gestalten, als Bereich, in dem Konflikte ausgetragen werden.

Der Papst sagte: „Uns Christen gibt der Glaube eine solide Basis, mit der wir die der Wirklichkeit begegnen können und gleichzeitig Nähe und Solidarität leben können, denn Gott selbst ist in unsere Geschichte getreten, indem er in Jesus Mensch wurde und sich uns allen genähert hat, indem er konkrete Solidarität gezeigt hat, besonders mit den Armen und Bedürftigen, indem er uns einen unendlichen Horizont geöffnet hat und uns eine sichere Hoffnung gegeben hat.“

Abschließend sagte er: „Liebe Freunde, ich danke euch für diese Begegnung und eure Aufmerksamkeit; die Hoffnung sei das Licht, das immer eure Arbeit und euren Einsatz erleuchte. Und der Mut sei der Rhythmus, um weiterzumachen! Der Herr segne euch!“