Der Papst trifft Vertreter der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz

Die Bischöfe sollen arm und barmherzig sein

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 488 klicks

Am gestrigen Nachmittag traf Papst Franziskus im Anschluss an die Abschlussmesse des Weltjugendtages das Komitee der Koordination der CELAM (Consejo Episcopal Latinoamericano, Lateinamerikanische Bischofskonferenz). Die Bischöfe treffen sich derzeit vom 29. Juli bis zum 2. August in Rio de Janeiro. Der Papst sprach von einer Revolution der Zärtlichkeit innerhalb der Kirche. Ein Bischof solle ein menschennaher Hirte sein, sich nicht als Herr aufspielen und nicht die Psychologie eines Prinzen an den Tag legen, sondern die äußere und innere Armut lieben.

Die beiden großen Herausforderungen, vor die die Mission in Lateinamerika und der Karibik gestellt werde, sei die Erneuerung der Kirche im Dialog mit der Welt von heute. Papst Franziskus bezog sich auf die Konferenz von Aparecida von 2007, die Benedikt XVI. eröffnete. Voraussetzung für eine innere Erneuerung der Kirche sei die Veränderung der Position des „Hirtens“, ein Bereich, in dem die Kirche etwas aufzuholen habe.

„Diese Veränderung beinhaltet, an Jesus Christus als Überbringer des Reiches Gottes zu glauben, an sein Eindringen in die Welt, an seine siegreiche Präsenz gegenüber dem Schlechten, an sein Dasein als Helfer des Heiligen Geistes, an die Kirche als Körper Christi und Verlängerung der Dynamik der Fleischwerdung.“

Der Papst empfiehlt den „Hirten“, in sich zu gehen, und fordert von ihnen, nicht einfach Verwalter zu sein, sondern eine Pastoral der Barmherzigkeit zu führen, die darauf ausgerichtet sei, diejenigen, die sich entfernt haben, zurückzuholen und die gläubigen Laien einzubeziehen. Dabei sollen jegliche Versuchungen der Manipulation oder unrechtmäßige Unterdrückung überwunden werden.

Mit der heutigen Welt in einen Dialog zu treten bedeute, so Papst Franziskus, den existenziellen Fragen der Menschen von heute Gehör zu schenken, ihre Sprache zu sprechen, auf eine „fruchtbare Veränderung“ mit Hilfe des Evangeliums hinzuarbeiten.

„Wenn wir nur in den Parametern einer „Kultur von immer“ verbleiben, einer einfach strukturierten Kultur, wird das Resultat eine Negierung der Kraft des Heiligen Geistes sein. Gott ist überall: Man muss wissen, wie man ihn entdeckt, um ihn in den Idiomen verschiedener Kulturen verkünden zu können; und in jeder Realität, in jeder Sprache, hat er einen anderen Rhythmus.“

Papst Franziskus empfiehlt „evangelische Klarheit und Klugheit“ angesichts einiger Versuchungen, mit denen sich die missionarische Tätigkeit konfrontiert sieht. Als Beispiele nannte er die psychologische Idealisierung, die die Begegnung mit Jesus auf eine Dynamik reduziere, die nur mit einem selbst zu tun habe, die gnostischen Herangehensweisen, die „erleuchteten Katholiken“, die in Anbetracht der schlechten Seite der Kirche versuchten, die verlorene Vergangenheit wiederaufzuholen, oder den Klerikalismus. Er fügte hinzu, Gott wolle für unser Heute einen Weg der Mission, nicht für die Zukunft und nicht für die Vergangenheit.

„Das Heute ist der Ewigkeit am nächsten; mehr noch: das Heute ist der Funke der Ewigkeit. Im Heute geht es um das ewige Leben.“

Der Pontifex sprach sich gegen eine statische missionarische Tätigkeit aus, da sie selbstbezogen sei. Der Missionar müsse auf Begegnung ausgerichtet sein, auf die Transzendenz zielend. Er besetze keine Position im Mittelpunkt, im Gegenteil, am Rand. Der Mittelpunkt, das Zentrum, sei Jesus Christus.

In Lateinamerika gebe es häufig eine „entfernte“ Seelsorge, ohne Nähe, ohne Zärtlichkeit, ohne Berührung. Man ignoriere die Revolution der Zärtlichkeit, die aus der Fleischwerdung des Wortes entstehe. Dies spiegle sich in den Predigten wieder, die abstrakt und von den Gläubigen fern seien. Hingegen die Nähe schaffe Gemeinschaft.

Abschließend sagte Papst Franziskus, ein Bischof müsse seinen missionarischen Tätigkeiten nachgehen, ohne sich als Herr aufzuspielen. Es sei seine Pflicht, den Menschen nah zu sein:

„Männer, die die Armut lieben, die innere Armut im Sinne von der Freiheit vor dem Herrn, so wie die äußere Armut im Sinne von Einfachheit und Schlichtheit. Männer, die keine ‚Psychologie der Prinzipen‘ haben. Männer die nicht ambitioniert und Ehemänner einer Kirche sind, ohne auf eine andere zu warten.“