Der Papst unterzeichnet die post-synodale Exhortation Ecclesia in Medio Oriente

Das dreiteilige Dokument gibt praktische Hinweise und geistliche Ermahnungen

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BEIRUT, 15. September 2012 (ZENIT.org). - Benedikt XVI. unterzeichnete gestern das Dokument, das die Schlussfolgerungen der im Jahre 2010 abgehaltenen Bischofssynode für den Nahen Osten sowie die eigenen Betrachtungen und Ermahnungen für die Region miteinander vereint, die während jener  Tage des Studiums und der Diskussionen im Vatikan herangereift waren

Die postsynodale apostolische Exhortation, der offizielle Name für die Abschlussdokumente nach einer Bischofssynode trägt den Titel „Ecclesia in Medio Oriente“ (Kirche im Mittleren Osten). Das 86seitige Dokument knüpft an das Thema der Synode des Jahres 2010 an, die dem Thema „Gemeinschaft und Zeugnis“ gewidmet war. 

Die Betrachtungen des Heiligen Vaters umfassen drei Teile mit Einleitung und Schluss.  Die verschiedenen Abschnitte tragen folgende Titel:

Teil 1: „Wir danken Gott für euch alle, sooft wir in unseren Gebeten an euch denken“ (1 Th 1.2)

Kontext

Das Christliche und ökumenische Leben

Der interreligiöse Dialog

Die zwei neuen Realitäten [Säkularisierung und ein gewalttätiger Fundamentalismus, der den Anspruch erhebt, in der Religion zu wurzeln]

Migranten

Teil 2: „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele“ (Apg 4.32)

Patriarchen

Bischöfe

Priester, Diakone und Seminaristen

Das geweihte Leben

Der Laienstand

Die Familie

Junge Menschen und Kinder

Teil 3: „Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten … Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ (1 Kor 1.24-24)

Das Wort Gottes, die Seele und der Quell der  Gemeinschaft und des Zeugnisses

Die Liturgie und das sakramentale Leben

Gebete und Pilgerfahrten

Evangelisierung und Nächstenliebe: die Mission der Kirche

Katechese und christliche Bildung

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Dialog

Im Zusammenhand mit der Ökumene in der Region, die sich durch eine große Vielfalt von Kirchen und Riten auszeichnet richtete der Heilige Vater einen lautstarken Appell zur Ermutigung der geistlichen Ökumene und der Ökumene des Dienens. Darüber hinaus wies er auf Folgendes hin:  „Für eine erneuerte ökumenische Seelsorge im Lichte des gemeinsamen Zeugnisses ist es hilfreich, die Offenheit des Konzils gegenüber einer bestimmten ‚Communication in sacris‘ für die Sakramente der Beichte, der Eucharistie und der Krankensalbung klar zu verstehen; dies ist nicht nur möglich sondern in bestimmten Situationen in Übereinstimmung mit spezifischen Normen und mit dem Einverständnis der kirchlichen Obrigkeiten sogar empfohlen.“

In seinen Überlegungen zum interreligiösen Dialog wiederholte der Papst ein von ihm oft verteidigtes Thema in Bezug auf die tiefe Bindung zwischen Judentum und Christentum.

Laizität

In Bezug auf die Säkularisierung und den gewalttätigen Fundamentalismus, der den Anspruch erhebt, in der Religion zu wurzeln, skizzierte der Papst das Bild einer tatsächlichen Trennung von Kirche und Staat, Religion und Politik.

Den Erwartungen entsprechend thematisierte Papst Benedikt XVI. einen der größten Sorgen für die christlichen Gemeinden im Nahen Osten: die Massenemigration von Christen auf der Suche nach einer Zukunft in größerer Sicherheit und Stabilität und mehr Chancen.

Der Papst bekannte sich zu den Schwierigkeiten der Christen des Nahen Ostens, brachte jedoch seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die Situation der Region sich bessern möge und der Druck, das Land zu verlassen, nachlassen könne.

Frauen und Kinder

Der Papst widmete sich ebenso dem Thema der Frauenrechte im Nahen Osten.

Dazu schrieb er folgendes im Wortlaut: „Ich möchte allen Frauen versichern, dass der Einsatz der  katholische Kirche entsprechend dem Plan Gottes einer Verbesserung der Würde von Frauen und ihrer Gleichstellung mit Männern gilt. Dies soll eine Antwort auf die vielfältigen Formen der Diskriminierung sein, die sie allein aufgrund ihres Frauseins erleiden müssen“, so der Papst. Weiter unten heißt es: „Eine derartige Praxis fügt dem Leben der Gemeinschaft und des Zeugnisses großen Schaden zu. Sie verletzt nicht nur Frauen, sondern zuallererst Gott, den Schöpfer. In Anbetracht ihrer innewohnenden Neigung zur Liebe und zum Schutz des menschlichen Leben, ihres speziellen Beitrags zur Bildung und Erziehung, zum Gesundheitswesen, des Dienstes am Menschen und dem apostolischen Leben denke ich, dass Frauen mehr Platz im öffentlichen und kirchlichen Leben zugemessen bekommen und einnehmen sollten. Auf diese Weise kann es ihnen gelingen, ihren besonderen Beitrag am Aufbau einer geschwisterlicheren Gesellschaft und einer Kirche zu leisten, deren Schönheit in der echten Gemeinschaft der Getauften umso  heller erstrahlen wird.“

Die apostolische Exhortation enthält auch eine Botschaft an die Kinder und Jugendlichen

An sie richtete der Papst folgende Worte: „Habt keine Angst davor und schämt euch nicht dafür, Christen zu sein. Eure Beziehung zu Jesus wird euch dabei helfen, großzügig mit euren Mitbrüdern zusammenzuarbeiten, ganz unabhängig von deren religiöser Zugehörigkeit. So wird die Zukunft eurer Länder auf dem Grund der Menschenwürde, dem Quell der Freiheit, der Gleichheit und der Gerechtigkeit, gebaut werden.“

[Übersetzung des englischen Originals von Sarah Fleissner]