Der Papstbesuch in den USA durch die Linse eines Fotografen

Interview mit Christoph Hurnaus, Leiter der Agentur „Papstfoto.com“

| 959 klicks

LINZ, 25. April 2008 (ZENIT.org).- „Jede dieser Ansprachen verdient es, gelesen und studiert zu werden“, so das Urteil des Linzer Fotografen Christoph Hurnaus, der Papst Benedikt XVI. zuletzt in New York vor das Objektiv seiner Kamera bekommen hat. Gegenüber ZENIT schildert der Inhaber der Agentur Papstfoto.com seine Eindrücke.



ZENIT: Herr Hurnaus, als Fotograf haben sie Papst Benedikt in den USA aus nächster Nähe erlebt. Welche Szenen spielten sich vor Ihrer Linse ab?


Hurnaus: Zunächst muss ich sagen, dass es trotz Akkreditierung unglaublich schwer war, überhaupt Pool-Fotostandplätze zu bekommen. Bei über 5.000 akkreditierten Journalisten war es auch für den Veranstalter nicht einfach, die wenigen Plätze gerecht zu verteilen. Neben dem Gottesdienst im Yankee-Stadium von New York durfte ich dann aber doch auch in der St. Patricks´ Cathedral, einem besonderen Symbol des amerikanischen Katholizismus, mit dabei sein.

Was ich an diesen beiden Stationen erlebte, hat mich für alles Warten und Kämpfen entschädigt. In der Kathedrale wurde Papst Benedikt von den anwesenden Priestern und Ordensleuten mit „standing ovation“ begrüßt. Der Jubel und die Begeisterung übertrafen fast die Stimmung, die ich vergangenes Jahr beim Besuch in Brasilien erlebte.

ZENIT: Was waren Ihrer Meinung nach die Höhepunkte der achten Auslandsreise Benedikts VI.?


Hurnaus: Ich denke, dass es deren viele gab. Natürlich waren die Ansprache des Papstes vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen und sein stilles Gebet am Ground Zero einer der großen Höhepunkte. Auch die beiden großen Gottesdienste in den Stadien in New York und Washington sowie die Messe in der St. Patrick´s Cathedral in New York gehören da wohl dazu.

Papst Benedikt hat den amerikanischen Katholiken in diesen Tagen viel Mut und Hoffnung für einen Neuaufbruch nach den schrecklichen Vorkommnissen um die Missbrauchsfälle von Priestern gebracht. Die amerikanischen Medien erklärten daher auch die spontane Begegnung des Pontifex mit sechs Missbrauchsopfern, die in der Kapelle der Nuntiatur in Washington stattfand, zum Höhepunkt der Papstreise. Papst Benedikt hat sich hier wirklich als Hirte und Seelsorger gezeigt.

ZENIT: Welchen Eindruck vermittelte die amerikanische Bevölkerung? Ist dieses Volk tatsächlich so religiös, wie gemeinhin gesagt wird – religiöser als wir?

Hurnaus: 71 Prozent der US-amerikanischen Katholiken bezeichnen sich laut einer aktuellen Studie als „in hohem Maß religiös“. Auch der Prozentsatz der Katholiken an der amerikanischen Bevölkerung ist dank der starken Zuwanderung von Latinos immer noch im Steigen begriffen. Ich denke, die Amerikaner stehen dem Thema Religion und Glaube grundsätzlich sehr positiv gegenüber. Diese Kirche hat auch eine stärkere Erneuerungskraft als die Kirchen Europas.

Gestern sprach ich mit einem afrikanischen Priester, der mir sagte, dass er persönlich sehr positive Erfahrungen mit dem Glauben von Amerikaner machte. Seiner Meinung nach zeigen die Amerikaner einen sehr tiefen Respekt vor Gott und der Religion, einen Respekt, den wir in Europa leider verloren haben.

ZENIT: Welche Botschaften des Heiligen Vaters haben Sie persönlich besonders berührt?


Hurnaus: Als Fotograf bin ich vordergründig damit beschäftigt, die Stimmungen, die so eine bunte Veranstaltung bietet, mit meiner Kamera einzufangen. So bleibt wenig Zeit, sich auf die Reden und Ansprachen des Papstes zu konzentrieren. Dieser Teil beginnt für mich immer am Ende einer Papstreise.

Nun habe ich alle Reden Benedikts XVI. in deutscher Sprache vor mir liegen, und werde mich in den nächsten Stunden und Tagen auch intensiver damit beschäftigen. Jede dieser Ansprachen verdient es, gelesen und studiert zu werden.

ZENIT: Was kann diese Papstreise für uns hier in Europa bedeuten?

Hurnaus: Die Ansprachen des Papstes galten in diesen Tagen vor allem der amerikanischen Kirche und dem ganzen amerikanischen Volk. Seine Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York über Menschenrechte und Religionsfreiheit kann natürlich ein wichtiger Impuls für alle politischen Entscheidungsträger in der Welt sein. Die zentralen Themen des Glaubens und der Moral, die er hier immer wieder ansprach, sowie seine Ansprache zu Ökumene und interreligiösem Dialog sind natürlich auch für Europa von großer Bedeutung.

[Das Interview führte Dominik Hartig]