Der Papstbesuch stärkt die Christen im Heiligen Land

Ein Beitrag aus Jerusalem und Haifa

| 1136 klicks

Von Michaela Koller

JERUSALEM, 11. Mai 2009 (ZENIT.org/KIN).-„Ein Traum geht in Erfüllung." Das sind die Worte von Michel Sabbah, bis vor einem Jahr Lateinischer Patriarch von Jerusalem. Mit großer Anspannung sind in den vergangenen Tagen, als der Papst in Jordanien war, die letzten Vorbereitungen getroffen worden. Polizeiautos sind immer wieder dieselben Strecken abgefahren, ob in den Straßen Jerusalems oder Nazareth. Und in den Räumen, in denen die Vorbereitungskomitees für den Besuch des Papstes tagen, hat bis tief in die Nacht das Licht gebrannt.

Nicht nur dem einstigen Oberhirten der römisch-katholischen Christen im Heiligen Land, sondern auch Israel ist der Besuch in der gegenwärtigen Situation mit der neuen rechtskonservativen Regierung unter Benjamin Netanjahu wichtig.„Wir heißen den Papst mit offenen Armen willkommen", sagt der ehemalige israelische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Oded Ben Hur, der den hohen Besuch jetzt mit vorbereitet hat.

Von arabischer Seite wurde schon befürchtet, die Reise des Heiligen Vaters könnte als Zustimmung für die israelische Politik gewertet werden. Christliche Vertreter schrieben schon vor Wochen an den Papst, er möge seine Reiseabsichten überdenken.  Papst Benedikt XVI. hat aber von Anfang an klargestellt, dass er als Pilger komme und eine Pastoralreise zu den „lebendigen Steinen" unternehme, zu den wenigen verbliebenen Christen.

„Wir sind keine politische Macht, sondern eine geistliche Kraft, und diese geistliche Kraft ist eine Realität, die zum Fortschritt des Friedensprozesses beitragen kann", sagte er dann auch noch im Flugzeug im Anflug auf Amman, wo seine Reise am Freitag begann.

Pater Robert Jauch von der Franziskaner-Kustodie in Jerusalem, der beim letzten Kongress „Treffpunkt Weltkirche" von „Kirche in Not" im Jahr 2008 aus dem Heiligen Land berichtet hat, räumt ein, dass er die Argumente für einen Aufschub der Reise anfangs nachvollziehen konnte: „Ich war auch der Meinung, dass der Papstbesuch noch etwas Zeit hätte, sozusagen als Trumpf in der Hand der Kirche, bevor nicht einiges besser geworden ist, wie zum Beispiel die Reisebedingungen für die Christen im Westjordanland, um zu den heiligen Stätten zu kommen."

Nur wenige der Gläubigen aus Bethlehem, das höchstens eine halbe Stunde Linienbusfahrt von Jerusalem entfernt liegt, hätten die Grabeskirche schon besucht. Die israelische Sperranlage und die damit verbundenen Einreisebedingungen machten selbst so eine kurze Pilgerfahrt enorm schwierig. Inzwischen glaubt Pater Robert Jauch aber, der Papst versuche nun durch seinen Aufenthalt in Nahost die Situation für die Gemeinden dort zu verbessern. „Er möchte auch, dass es ein wirklich geistliches Ereignis wird", sagt der Franziskaner.

Die Franziskaner-Kustodie wurde im Jahr 1342 durch eine päpstliche Bulle als Hüter der heiligen Stätten und Seelsorger im Ursprungsland des Christentums eingesetzt. Damit sind die Franziskaner durch ihren Dienst und ihr Engagement für arme Menschen in 29 Pfarreien, darunter in Jerusalem, Bethlehem und Nazareth, echte Experten, für die Situation der Christen im Heiligen Land.

Pater Robert kennt daher die Erwartungen an den Papstbesuch: „Den normalen Gemeindemitgliedern liegt zunächst daran, den Papst sehen zu können, bei der Messe mit ihm dabei zu sein." Er befürchte jedoch, dass nicht alle, die dabei sein wollten, teilnehmen könnten. Angaben des Lateinischen Patriarchats zufolge stehen sowohl in Jerusalem als auch in Bethlehem jeweils nur 5.000, höchstens 6.000 Plätze zur Verfügung, von denen jeweils 500 bis 1000 für ausländische Besucher  vorbehalten sind, die als Pilger ins Heilige Land kommen.

Eine der größten Veranstaltungen der Nahostreise wird eine heilige Messe bei Nazareth sein, zu der mehr als 40.000 Gläubige erwartet werden. Von den um die 3.000 in Gaza verbliebenen Christen, die den Krieg um die Jahreswende ertragen mussten, wollen 200 bis 250 ins Westjordanland fahren, um Papst Benedikt XVI. zu begegnen. „Die Menschen hoffen auf Ermutigung, ihre Situation auszuhalten, und erwarten Segen von diesem Besuch", sagt der Franziskanerpater. Die Gläubigen wollten sich einfach auch einmal aus ihrer Alltagssituation im Spannungsgebiet heraus „geistlich erheben".

Der melkitisch-katholische Erzbischof von Galiläa, Elias Chacour, bestätigt diese Erwartungen auch für die arabischen Christen mit israelischem Pass. „Wir träumten davon, ihn im Vatikan zu treffen, nun kommt er her", sagt der mit Rom unierte Erzbischof in seinem Bischofshaus in Haifa. Die Tatsache, dass er für die Christen die Messe zelebrieren wird, sei de facto eine wichtige Anerkennung der Christen gegenüber ihren muslimischen und jüdischen Mitbürgern. Die Christen müssten einfach wieder das Gefühl bekommen, respektiert zu werden, sagte Chacour. Das sei ihnen in der andauernden Konfrontation zwischen Juden und Arabern abhanden gekommen. Und dies sei auch der Grund, warum die Gemeinden immer kleiner würden. Von allen Migranten aus der Region sind 26 Prozent Christen, obwohl sie nur 1,9 Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Erzbischof Chacour, der schon oft auf Veranstaltungen von „Kirche in Not" gesprochen hat, dankte für die treue Unterstützung durch das weltweite Hilfswerk päpstlichen Rechts. Wörtlich sagte Chacour: „Ich vergesse so etwas nie."