"Der politische Restposten"

Studie zu der Darstellung von Familien und kinderreichen Familien in den Printmedien

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 338 klicks

Das Ergebnis der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanzierten und von Dr. Elisabeth Müller, der Vorsitzenden des Verbands kinderreicher Familien e.V., und Prof. Dr. Marlis Prinzing, Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation, initiierten Studie zum Bild der Familie in den Medien überrascht. Nach wie vor wird die Medienlandschaft von klassischen Rollenbildern und Familienklischees beherrscht, die ein wenig wirklichkeitsnahes Bild von der Realität kinderreicher Familien und von Familien im Allgemeinen vermitteln.

Die zehnköpfige Kölner Forschungsgruppe kam unter der Leitung von Prof. Dr. Marlis Prinzing in Zusammenarbeit mit Dr. Elisabeth Müller zu dem traurigen Ergebnis, nachdem sie 1100 Texte in 24 deutschen Printmedien aus den Jahren 2011 und 2012 ausgewertet hatte. Bezeichnenderweise gaben die zehn Forscherinnen der Studie den Titel „Der politische Restposten“. Zu den ausgewerteten Medien zählten regionale und überregionale Tageszeitungen, Sonntagszeitungen, Wochenzeitungen, Nachrichtenmagazine und Zeitschriften, die sich schwerpunktmäßig an Familien richten. Die Kölner Forscherinnengruppe zog zusätzlich Wissenschaftler, Journalisten und Verbände in 14 Interviews zu Rate.

Das Ergebnis lautet: „Noch immer sind Familien und ihre Mitglieder in Deutschland und erst recht kinderreiche Familien (also solche mit drei und mehr Kindern) in den Medien ein politischer Restposten.“

Die Forschergruppe legte im Einzelnen dar, dass kinderreiche Familien im Zusammenhang mit Problemen erwähnt würden, das heißt eine Negativdarstellung bei Themen wie finanzieller Belastung, innerfamiliären Konflikten, und schwierigen Wohnverhältnissen erführen. Diskriminierende Äußerungen, wie „Kinderreiche sind asozial.“ oder „Nur Menschen mit Migrationshintergrund haben viele Kinder.“, würden in der Regel vermieden. In den Medien würde über kinderreiche Familien berichtet, ohne die Betroffenen selbst zu involvieren und ihnen Gelegenheit zu geben, aus ihrem Alltag zu erzählen und ihren Standpunkt darzulegen.

In der überwiegenden Zahl der Fälle zeige die Berichterstattung der Medien ein sehr traditionelles Familienbild mit einer nicht erwerbstätigen Mutter, einem erwerbstätigen Vater und ein oder zwei Kindern auf, wobei die Stimmung in diesen Familien häufig als negativ bezeichnet werde.

In den Printmedien, die sich speziell an Familien richteten, würden in der Regel gut situierte und gebildete Eltern als Beispiel angeführt. In den Wochenmedien werde sowohl über die „klassische“ Familie als auch über die modernen Formen der „Patchwork“- und Regenbogenfamilien berichtet. Am häufigsten werde in Regionalzeitungen das Thema „Familie“ angesprochen.

Die Forschungsgruppe kam außerdem zu dem Ergebnis, dass die Familienpolitik sich nicht mit kinderreichen Familie befasse.

Als Ergebnis sprach die Kölner Forscherinnengruppe deshalb an die Familienverbände die Empfehlung aus, verstärkt das Gespräch mit den Medienvertretern zu suchen und einen entsprechenden Nachrichten- und Themendienst aufzubauen. Die Medienvertreter sollten ihre Darstellung kritisch hinterfragen und Kommunikationsforscher sich öfter Forschungsfragen zu Medien und Familien zuwenden.