Der Präsident der jüdischen Stiftung „Pave the Way" stellt sich gegen die Kritik am Papst

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ROM, 4. Februar 2009 (ZENIT.org).- „Die Medien konzentrieren sich manchmal auf ein Ereignis, ohne sich mit den näheren Details zu beschäftigen", kritisiert Gary L. Krupp, Gründer und Präsident der jüdischen Stiftung Pave the Way, einer Organisation, die nicht-theologische Hindernisse zwischen den Religionen durch kulturelle und intellektuelle Gesten überwinden möchte. Krupp bezieht sich in einer heute veröffentlichten Presseerklärung auf die aus seiner Sicht „verkürzten" öffentlichen Berichte über die Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe der Piusbruderschaft.

Die Nachricht über Papst Benedikts Entscheidung sei zunächst ein Schock gewesen, berichtet Krupp. „Wie konnte das ein Papst tun, der so viele positive Fortschritte in den jüdisch-katholischen Beziehungen erzielt hat?" Ohne Frage sei die Holocaust-Leugnung von Bischof Richard Williamson „abscheuerregend für jeden normalen Menschen". Doch die „Pave the Way"-Foundation sei dem Ereignis tiefgehend nachgegangen und habe durch Nachfragen bei offiziellen Kreisen im Vatikan und anerkannten Kirchenexperten ein „klares Bild über das bekommen, was getan wurde und warum es getan wurde. Die ganze Geschichte wird viele überraschen, die nur auf die Medien gehört haben."

Zunächst einmal denke der Vatikan in Jahrhunderten. In der Vergangenheit hätten die durch Exkommunikationen verursachten Schismen zur Entstehung neuer religiöser Gemeinschaften geführt. Im Falle der Piusbruderschaft handle es sich immerhin um eine Gruppierung, die über schätzungsweise eine Million Anhänger verfüge. Durch die Aufhebung der Exkommunikation würde nun eine Tür geöffnet, durch die diese „radikal rechts-konservative Gruppe" zu den katholischen Grundüberzeugungen zurückgebracht werden könne. „Diese Überzeugungen beinhalten auch die Annahme der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Erklärung ‚Nostra Aetate'. Sie beinhalten auch die Deklaration, dass Antisemitismus eine Sünde ist." Hätte der Papst jetzt nicht Initiative ergriffen, um dieses Schisma zu beenden, „könnten eines Tages unsere Kinder und Enkelkinder eine bösartige rechts gerichtete Religion hervorkommen sehen".

Die Aufhebung der Kommunikation bedeute aber keineswegs, dass die vier Bischöfe nun mit offenen Armen in der katholischen Kirche empfangen würden. Vielmehr seien die Bischöfe nur dazu eingeladen worden, mit der offiziellen Kirche in Gespräche einzutreten. Es stehe aber noch ein langer Weg bevor, auf dem die Piusbruderschaft viele Verpflichtungen übernehmen müsse.

Dass die Entscheidung zur Aufhebung der Exkommunikation ausgerechnet jetzt gefallen sei, hänge mit dem 50-Jahr-Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils zusammen, auf das hin sich Erzbischof Lefebvre von der Kirche trennte. Unglücklicherweise sei nach der Aufhebung der Exkommunikation das Interview mit Williamson in der Öffentlichkeit aufgetaucht. Krupp betont diesbezüglich aber, dass der katholische Klerus weltweit die Aussagen von Bischof Williamson einhellig verurteilt hat. Er schließt mit folgenden Worten: „Sollen wir es zulassen, dass bizarre Aussagen und Überzeugungen dieses einen Mannes den jüdisch-katholischen Dialog schädigen, der dauernd als Hauptschwerpunkt der Kirche und dieses Pontifikats behandelt wurde? Wir sagen Nein!"