Der Prediger des Papstes über Licht- und Schattenseiten der Massenmedien

Interview mit P. Raniero Cantalamessa OFM Cap.

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ROM, 20. Juni 2007 (ZENIT.org).- Auch wenn wir in einem Zeitalter der Kommunikation leben, herrscht unter den Menschen ein Defizit an Kommunikationsfähigkeit. Diese Beobachtung hat der Prediger des Heiligen Vaters gemacht, Kapuzinerpater Raniero Cantalamessa.



Im Gespräch mit ZENIT äußert der Ordenspriester die Überzeugung, dass die negativen Auswirkungen der Massenmedien wettgemacht werden können, indem man sich ihrer bedient, um das Evangelium zu verkünden.

ZENIT: Wie beurteilen Sie die Massenmedien?

-- P. Cantalamessa: Das Charakteristikum unserer Tage und unserer Epoche, ja ihre hervorragendste Errungenschaft und ihr größter Erfolg, ist die Information, das heißt die Massenkommunikationsmittel: Presse, Kino, Fernsehen, Internet, Mobiltelefonie.

Die Massenmedien sind die großen Protagonisten von heute: Jeder kann zu jeder Tages- und Nachtzeit erfahren, was in der Welt vorgeht, und direkten Kontakt mit den anderen Menschen aufnehmen, in jedem Winkel der Welt. All das ist ein Zeichen großen Fortschritts, und wir sollten Gott für die Technologie, die das möglich gemacht hat, dankbar sein. Es gibt jedoch ernst zu nehmende Gefahren und negative Aspekte, die mit den sozialen Kommunikationsmitteln von heute verbunden sind.

ZENIT: An was denken Sie konkret?

-- P. Cantalamessa: Die Kommunikationsmittel sind konsumorientiert in dem Sinn, dass sie die Menschen zum Konsum anstacheln. Und die Menschen sind dann übersättigt und kommen schließlich immer wieder nur bei sich selber an.

Die Medien sind ausschließlich horizontal orientiert: Die Menschen tauschen ihre jeweiligen Neuigkeiten aus, und da wir kurzlebige und vergängliche Wesen sind, geraten diese Nachrichten ebenso kurzlebig. Jedes Fetzchen Nachricht löscht die vorangegangene Nachricht aus.

Mit dem Zuwachs an Wegen der Nachrichtenübermittlung ist die zunehmende Erfahrung verbunden, dass wir nicht mehr fähig sind, miteinander zu kommunizieren, uns einander mitzuteilen. Die Mitteilungen sind auf Geräusche, auf Gerede beschränkt. Dieses Gerede gibt uns das Gefühl, nicht allein zu sein; es fehlt jedoch die vertikale, schöpferische Kommunikation, und es herrscht eine totale Abwesenheit der anderen. Die Kommunikationsmedien werden zu einem Spiegel, der das Bild des menschlichen Elends reflektiert; sie werden zum Echo der menschlichen Leere.

Kurz, die modernen Kommunikationsmittel vermitteln Traurigkeit. Die Medien betonen viel stärker die schlimmen und tragischen Seiten der Welt als ihre guten und positiven Seiten.

ZENIT: Welche Gefahren nehmen Sie sonst noch wahr?

-- P. Cantalamessa: Die Massenmedien halten uns unablässig das vor Augen, was wir sein könnten und nicht sind, was andere tun und wir nicht. Dies lässt in uns das Gefühl resignierter Frustration und passiver Hinnahme des eigenen Schicksals aufkommen – oder das Gegenteil: einen zwanghaften Drang, alles daran zu setzen, um aus der Anonymität auszubrechen, uns anderen Menschen aufzudrängen.

Ein weiterer negativer Aspekt im Zusammenhang mit den Medien, vor allem was die Unterhaltungsbranche angeht, ist die Ausbeutung der Frauen, der Missbrauch ihres Körpers und generell eine negative Sicht der Beziehung zwischen Mann und Frau.

ZENIT: Wie könnte dieser Trend durch eine genuin christliche Kommunikationsarbeit aufgehalten werden?

-- P. Cantalamessa: Ich bin davon überzeugt, dass uns das Evangelium helfen kann, diese Situation zu ändern. Das Evangelium ist die Gute Nachricht von der Liebe Gottes zu den Menschen. Gott kennt uns durch und durch, aber er bedient sich dieser Kenntnis nicht, um uns zu richten. Seine Form der Zurechtweisung ist die Liebe.

Als Franziskaner kann ich sagen, dass wir dazu beitragen müssen, Hoffnung und Freude zu verbreiten. Franziskus ist der Spielmann Gottes, der Mensch des vollkommenen Glücklichseins – nicht eines illusorischen Glücks, sondern eines Glücks, das auf echter Hoffnung gründet. Auf diesem Glaubensgrund müssen wir gegründet sein – auf der tiefen Einheit mit Christus und vor allem verbunden mit dem Kreuz Christi.

ZENIT: Lässt sich daraus ein „Erfolgsrezept
für katholische Medienarbeit ableiten?

-- P. Cantalamessa: Wenn wir das Evangelium mit Hilfe der Massenmedien verbreiten wollen, gibt es ein ganz einfaches Rezept: Christus lieben.