Der Priester bei der Eucharistiefeier

Rubriken der liturgischen Theologie

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von Mauro Gagliardi*

VATIKANSTADT, Freitag, 17. Juni, 2011 (ZENIT.org). - Wie allgemein bekannt ist, rief Benedikt XVI. das Priesterjahr (Juni 2009 - Juni 2010) anlässlich des 150. Jubiläums des „dies natalis“(Geburtstags) des heiligen Pfarrers von Ars aus. Absicht war es „die Hingabe aller Priester zur inneren Erneuerung zu vertiefen, um in der heutigen Welt ein kräftigeres und prägnanteres Zeugnis für das Evangelium abzulegen“.[1]

Der heilige Johannes Maria Vianney war nicht nur ein außerordentliches Beispiel des Priestertums, sondern er erklärte immer auf klare Weise und mit unvergleichlichem Nachdruck die Würde des Priestertums und die Zentralstellung des geweihten Ministeriums im Herzen der Kirche. Seinen Lehren nachfolgend, stellte der Heilige Vater diese seine Worte vor: „Ach, wie groß ist der Priester! ... Würde er erkennen, was er ist, so würde er sterben. [...] Gott gehorcht ihm: Er spricht einige Worte, und der Herr steigt beim Verlauten seiner Stimme vom Himmel herab, um in einer kleinen Hostie vollständig anwesend zu werden.“

Wiederum: „Ohne das Sakrament der Priesterweihe hätten wir den Herrn nicht. Wer setzt ihn dorthin, in den Tabernakel? Der Priester. Wer empfing deine Seele, als dein Leben begann? Der Priester. Wer nährt deine Seele und gibt ihr Kraft für ihre Reise? Der Priester. Wer wird sie vorbereiten, mit einem letzten Bad im Blut Jesu Christi gereinigt, vor Gott zu erscheinen? Der Priester, immer der Priester. Und sollte die Seele sterben (als Folge der Sünde), wer richtet sie auf, gibt ihr die Ruhe und den Frieden zurück? Wiederum der Priester... Nach Gott ist der Priester alles! [...] Erst im Himmel wird er vollkommen verstehen, was er ist“.[2]

Wie wir sehen, stellt der heilige Johannes Maria die Größe des Priesters heraus, indem er auf die Kraft hinweist, die dieser durch die Sakramente im Namen der Person Christi ausübt. Benedikt XVI. hat dies besonders durch das Zitieren weiterer Worte des Pfarrers von Ars hervorgehoben, die sich im Besonderen auf das Amt der Zelebration der heiligen Eucharistie beziehen. Der Papst schreibt, dass der Heilige „überzeugt war, dass der Lebenseifer eines Priesters gänzlich von der Messe abhängt: ,Der Grund, warum ein Priester lau wird, liegt darin, dass er der Messe keine größte Sorgfalt widmet! Mein Gott, wie sehr sollten wir einen Priester bemitleiden, der die heilige Messe zelebriert, als sei sie irgendetwas Gewöhnliches‘“.[3]

Das Priesterjahr stellte unseren Überlegungen die Gestalt des Priesters vor und in besonderer Weise seine Würde als geweihter Amtsträger, der zum Wohl der gesamten Kirche in „persona Christi“, des hohen und ewigen Priesters, die Sakramente feiert. [4]

Im vergangenen Priesterjahr, das vom Juni 2009 und Juni 2010 gefeiert wurde, gab es dennoch einige andere Ereignisse, an die es sich lohnt zu erinnern, wegen ihrer innigen Verknüpfung mit der eucharistischen Natur der priesterlichen Würde. Im Jahre 1969 promulgierte Papst Paul VI. mit der Apostolischen Konstitution „Missale Romanum“ das neue, nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil entstandene Missale. Im Jahr 2009 wurde dann das 40. Jubiläum dieser Promulgierung gefeiert.

Ein Jahr später, 2010, wurden zwei weitere Jubiläen gefeiert, die ebenfalls direkt mit der Feier der Eucharistie verbunden sind. Das erste war das 40. Jubiläum (1970-2010) der Promulgierung der endgültigen „editio typica“ der „Institutio Generalis Missalis Romani“.

Das zweite war das 440. Jubiläum der Promulgierung des Missales, das wir zur Zeit den „Vetus Ordo“ oder „Usus antiquor“ nennen, der vom heiligen Papst Pius V. mit der apostolischen Konstitution „Quo primum“ vom 14. Juli 1570 veröffentlicht worden war. Diese Konstitution wird, zusammen mit dem Missale von Pius V., bereits in den ersten Worten der oben genannten Konstitution Pauls VI. „Missale Romanum“ erwähnt. [5]

Die beiden Messbücher, die auch in der Feier der entsprechenden Jubiläen vereint sind, bilden die zwei Formen der einen „lex orandi“ (Gesetz des Gebets) der Kirche des lateinischen Ritus. Benedikt XVI. drückte sich selber auf diese Weise aus, indem er bezüglich des Missale von Paul VI. lehrte, „dass das vom heiligen Pius V. promulgierte und vom seligen Johannes XXIII. neu aufgelegte römische Missale als ein außerordentlicher Ausdruck derselben ,lex orandi‘ betrachtet werden und ihm wegen seines ehrwürdigen und langen Gebrauchs die rechte Ehre erwiesen werden muss. Diese beiden Ausdrucksformen der ,lex orandi‘ der Kirche werden in keiner Weise zu einer Spaltung in der ,lex credendi‘ (Gesetz des Glaubens) der Kirche führen. Sie sind in der Tat zwei Ausdrucksformen des einen römischen Ritus. Es ist darum erlaubt, das heilige Messopfer nach der Ausgabe des Römischen Missale, das von dem seligen Johannes XXIII. herausgegeben und nie außer Kraft gesetzt wurde, als außerordentliche Form der Liturgie der Kirche zu feiern“. [6]

Die Möglichkeit einer ruhigen und harmonischen Koexistenz beider Formen des einen Römischen Ritus wurde indirekt auch von dem Bestehen beider „Ordines Missae“ (des seligen Johannes XXIII. und Pauls VI.) in dem kürzlich veröffentlichten „Compendium Eucharisticum“ angezeigt, das von der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, herausgegeben wurde. [7]

Das Zusammenfallen dieser beiden Jubiläen beeinflusste auch das Thema, das die Rubrik „ Geist der Liturgie“ zur Vertiefung vorgeschlagen hatte: der Priester in der Eucharistiefeier.

Wir hoffen, dass dieser Beitrag auch  anderen Lesern außer Priestern helfen mögen - Männern und Frauen, Gottgeweihten, Seminaristen und Gläubigen - die Größe des eucharistischen Geheimnisses und die Würde des Priesteramtes mit großer Achtung zu überdenken, mit tiefem religiösem Respekt zu verehren sowie deren Zentralstellung im Leben und in der Mission der Kirche neu zu entdecken.

[1] Benedikt XVI., „Brief zur Ausrufung eines Priesterjahres“, 16. Juni 2006.

[2] Ibid.

[3] Ibid.

[4] Priester üben „ihr heiliges Amt in der eucharistischen Feier oder Versammlung aus, wobei sie in der Person Christi handeln und sein Mysterium verkünden, die Gebete der Gläubigen mit dem Opfer ihres Hauptes vereinigen und das einzige Opfer des Neuen Bundes, das Opfer Christi nämlich, der sich ein für allemal dem Vater als unbefleckte Gabe dargebracht hat (vgl. Hebr 9,11-28), im Messopfer bis zur Wiederkunft des Herrn (vgl. 1 Kor 11,26) vergegenwärtigen und zuwenden“. II. Vatikanische Konzil, „Lumen Gentium“, Nr. 28: AAS 57 (1965), s. 34. Vgl. auch „Presbyterorum Ordinis“, Nr. 2; 12; 13.

[5] Vgl. Paul VI., „Missale Romanum“, 3. April 1969: AAS 61 (1969), s. 217.

[6] Benedikt XVI., „Summorum Pontificum“, 07. Juli 2007, art. 1.

[7] Vgl. Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, „Compendium Eucharisticum“, LEV, Vatikanstadt, 2009. Die Vorbereitung dieses Textes wurde dem Dikasterium direkt vom heiligen Vater anvertraut, der ihn in der postsynodalen, apostolischen Exhortation „Sacramentum Caritatis“ erwähnte, 22. Februar 2007, Nr. 93.

*Pater Mauro Gagliardi lehrt Theologie am Päpstlichen Athenäum Regina Apostolorum und ist Berater im Amt für die liturgischen Feiern des Papstes.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Josef Stolz]