Der priesterliche Zölibat, ein übernatürliches Zeichen

Vortrag von Pater Michael Hull, New York

| 632 klicks

NEW YORK, den 6. September 2003 (ZENIT.org).- Der priesterliche Zölibat hat eine übernatürliche Dimension -- und nicht, wie die Welt meinen könnte, eine unnatürliche Seite.



So sagt Vater Michael Hull, Dekan des Neumann-Programms und Professor der Bibelwissenschaft am St. Josephs Seminar in der Erzdiözese New York. Er sprach über den Wert des Zölibats auf einer von der Vatikanischen Kongregation für den Klerus im letzten Juni organisierten Videokonferenz. Der Text erscheint hier in leicht bearbeiteter Fassung.

· * *
· Der priesterliche Zölibat ist ein Zeugnis von unschätzbarem Wert
· Von Pater Michael F. Hull
·
Der Zölibat, der im Licht des katholischen Glaubens gewählte unverheiratete Stand, ist die Norm der Kirche für ihre heilige Priesterschaft. Der Priester, für die Menschen bestellt in ihrer Beziehung zu Gott, damit er die Gaben und Opfer für die Sünden darbringe, (Hebräerbrief 5:1) gelobt die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen.

Das Verständnis der Kirche von der Größe des priesterlichen Zölibats hat sich nach und nach entwickelt und ist, ausgehend von dem eigenen Zeugnis des Herrn als ehelos Lebendem und seiner Empfehlung der Ehelosigkeit in den Evangelien -- durch den 1. Brief des hl. Paulus an die Korinther Kap. 7, die heiligen Päpste Leo I. und Gregor I., das I. Laterankonzil und zahlreiche andere “Momente” in der Kirchengeschichte --bis in unseren Tagen unter der Führung des Heiligen Geistes gereift.

Im Westen wird der Zölibat von Priestern mit wenigen Ausnahmen und von allen Bischöfen eingehalten, und im Osten wird er ebenfalls von einigen Priestern und von allen Bischöfen eingehalten. In jüngster Zeit hat die Kirche wachsam die Bedeutung des Zölibats verkündet, zum Beispiel, in Pius des XII. “Sacra Virginitas”, in “Presbyterorum Ordinis” des II. Vatikanums, in Pauls des VI. “Sacerdotalis Caelibatus”, in Johannes Pauls des II. «Gründonnerstagsbrief an die Priester” für das Jahr 1979 und in dem Direktorium für den Dienst und das Leben der Priester der Kongregation für den Klerus.

Der priesterliche Zölibat ist ein unschätzbares Zeugnis für das Reich Gottes: “Wahrlich, ich sage euch: Es gibt keinen, der Haus oder Frau oder Brüder oder Eltern oder Kinder um des Reiches Gottes willen verlässt, der nicht viel mehr empfangen wird in dieser Zeit, und in der zukünftigen ewiges Leben”. (Lukas 18:29-30; siehe Markus 10:27-30).

In der Nachahmung des Herren gelobt der Priester, allein für sein heiliges Apostolat zu leben, in der Hoffnung darauf, einer von denen zu sein, “die dem Lamm folgen, wohin es geht,” (Offenbarung 14:4). Der priesterliche Zölibat trägt nicht nur der Nachahmung des Herrn Rechnung sondern auch dem persönlichen Opfer und der persönlichen Heiligung. “Aus diesem Grund,” schreibt Pius XII., “handelt die Kirche höchst weise wenn sie daran festhält, dass der Zölibat ihrer Priester erhalten werden muss; sie weiß, dass er eine Quelle spiritueller Gnaden ist und bleiben wird, durch die sie (die Priester) immer ganz eng mit Gott vereinigt sein werden” (SV Sacra Virginitas, Nr. 40).

Der einzigartige Status des Priesters als “alter Christus” (zweiter Christus) unter den Menschen verlangt von ihm ein besonderes Streben nach christlicher Vollkommenheit “im mystischen Leib Christi”. Auf innige und außergewöhnliche Weise Christus, dem Hohenpriester gleichgestaltet durch seine heilige Priesterweihe, ist es der Priester, der in Seinem Namen heiligt (“munus-sanctificandi”, Heiligungsamt), unterweist (“munus-docendi”, Lehramt) und leitet (“munus-regendi”, Leitungsamt).

So wie die Welt Schwierigkeiten hat, den Messias zu verstehen, “der wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt wurde” (Isaias 53:7), so hat die Welt Schwierigkeiten, Menschen zu verstehen, die nur “besorgt um die Angelegenheiten des Herren sind und an Leib und Seele heilig sein wollen” (1. Korinther 7:34). Der Zölibat gibt Zeugnis sowohl für jene, die ihn leben als auch für jene, die sehen, dass er gelebt wird, er gibt Zeugnis für das ewige Leben. “Denn in der Auferstehung werden sie weder heiraten noch verheiratet werden, sondern sie sind wie die Engel Gottes im Himmel” (Matthäus 22:30; siehe Markus 12:25).

Allerdings, “nicht alle fassen dieses Wort, sondern nur die, denen es” von Gott gegeben ist (Matthäus 19:11). Der priesterliche Zölibat ist ein Geschenk, das mit der Berufung des Priesters einher geht, dem Ruf von Gott her, der Einladung, nicht nur außergewöhnlich sondern ausschließlich zu lieben. In seiner Antwort der totalen Hingabe an Christus und seiner Liebe zu Ihm und Seiner Kirche hat der Priester die feste Zusicherung der Gnaden, die er für sein Leben und seine Arbeit braucht.

Leider wird in einer von der Erbsünde und deren Auswirkungen verdunkelten Welt der Zölibat zu oft für unnatürlich gehalten, wo er doch in Wirklichkeit übernatürlich ist. In vielen Teilen der Welt scheint eine Periode des Rückgangs von Priesterberufungen, der gleichzeitig mit Konsumismus, Materialismus und sexueller Zügellosigkeit einher geht, die Nutzlosigkeit des Zölibats anzuzeigen. Aber das genaue Gegenteil ist wahr: “wo Sünde ist, wird die Gnade überreich” (Römer 5:20). Heute braucht die Welt vielleicht mehr als je den Herrn und das Zeugnis des priesterlichen Zölibats. “Wer es fassen kann, der fasse es!” (Matthäus 19:12).