Der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche würdigt Päpste

Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) in Düsseldorf

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 321 klicks

Am Sonntag sagte der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland, Niklaus Schneider, vor der Synode, Papst Franziskus habe „eine geistliche Melodie angeschlagen und einen theologischen Ton getroffen, in denen wir uns auch als evangelische Christinnen und Christen von Gottes Wort angesprochen wissen.“ Er erklärte, Papst Franziskus ermutige alle, die Barmherzigkeit Gottes und die Menschennähe Jesu Christi in die Mitte der Verkündigung in Zeugnis und Dienst zu stellen. Schneider sagte: „Beten wir, dass dieser Papst erreicht, was er sich vorgenommen hat.“

Ebenfalls äußerte Schneider Respekt gegenüber Benedikt XVI., besonders für seine „historische Entscheidung, das Papstamt zurückzugeben und damit sichtbar auf das menschliche Maß dieses Amtes hinzuweisen.“ Seiner Auffassung nach gehören „nicht nur theologische Urteilskraft und innere Gewissheit dazu, sondern auch eine gehörige Portion Mut, diese in der Geschichte der Kirche (fast) singuläre Entscheidung zu treffen.“

Schneider verteidigte erneut die umstrittene „Orientierungshilfe“ zum Thema Familie, die im Juni veröffentlicht worden war und von einem „erweiterten Familienbegriff“ aus, der auch Themen wie Patchwork-Lebensgemeinschaften und homosexuelle Paare einbezieht. In seinem Ratsbericht vor der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands in Düsseldorf sagte er, viele Menschen hätten durch den Text „eine Wertschätzung erfahren, die sie bisher vermissten.“ Die „Orientierungshilfe“ hatte eine heftige innerprotestantische Diskussion und deutliche Kritik von anderen Kirchen ausgelöst, weil der Wert der Ehe nicht genügend gewürdigt werde. Schneider wandte sich ausdrücklich gegen eine pauschale Verurteilung homosexueller Beziehungen unter Berufung auf die Bibel. Er sagte, der bloße Verweis auf einen Wortlaut der Bibel sei kein hinreichendes Argument, um theologische Fragen zu klären, historische Gegebenheiten der damaligen Umwelt dürften nicht als Gottes geoffenbartes Wort missverstanden werden. „Was damals unter homosexuellen Verhältnissen verstanden wurde, hat mit der uns heute vor Augen stehenden einvernehmlichen homosexuellen Liebe zweier freier und gleichberechtigter Partner nichts zu tun“, fügte er hinzu. Da die Orientierungshilfe den Umgang mit der Schrift nicht ausreichend reflektiert habe, seien hier, so Schneider „weitere Klärungen nötig“.

Die theologische Debatte müsse weitergehen, so der Ratsvorsitzende. Deshalb habe der Rat der EKD die Kammer für Theologie gebeten, einen Text zum evangelischen Verständnis der Ehe zu erarbeiten und die Grundfragen zum Verständnis der Bibel aufzunehmen.