Der rechte Umgang mit dem Weihrauchfass

Was Priester und Ministranten hierüber wissen sollten

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 1023 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet Leserfragen.

Frage: Gibt es irgendwelche Regeln, die beschreiben, wie man das Weihrauchfass zu bewegen hat, wenn man zu Beginn der Messfeier und während der Gabenbereitung den Altar, die Bischöfe, die Priester und das Volk beweihräuchert? Wie inzensiert man die konsekrierte Hostie? Je nachdem in welche Kirche ich gehe, finde ich verschiedene Arten und Weisen vor, das Weihrauchfass anzuheben oder um die Gaben zu schwenken. -- J.M., Sevilla, Spanien

P. Edward McNamara: Die meisten Anweisungen über die Beweihräucherung befinden sich in der Grundordnung des Römischen Messbuchs und im Zeremoniale für die Bischöfe. In der Grundordnung heißt es:

„276. Die Beweihräucherung oder die Inzens drückt Verehrung und Gebet aus, wie die Heilige Schrift zeigt (vgl. Ps 141,2; Offb 8,3). Weihrauch kann nach Belieben bei jeder Form der Messfeier verwendet werden:

a) während der Einzugsprozession;

b) am Anfang der Messe zum Inzensieren des Kreuzes und des Altars;

c) zur Prozession vor und zur Verkündigung des Evangeliums;

d) wenn das Brot und der Kelch auf dem Altar niedergestellt sind, um die Opfergaben, das Kreuz, den Altar sowie den Priester und das Volk zu inzensieren;

e) beim Erheben der Hostie und des Kelches nach der Konsekration.

277. Wenn der Priester Weihrauch in das Rauchfass einlegt, segnet er ihn schweigend mit dem Kreuzzeichen.

Vor und nach dem Inzensieren wird eine tiefe Verneigung gemacht vor der Person oder dem Gegenstand, der inzensiert wird, nicht aber vor dem Altar und den Opfergaben für das Messopfer.

Mit drei Doppelzügen des Rauchfasses werden inzensiert: das allerheiligste Sakrament, Reliquien des heiligen Kreuzes und Bilder des Herrn, die zur öffentlichen Verehrung ausgestellt sind, die Opfergaben für das Messopfer, das Altarkreuz, das Evangeliar, die Osterkerze, der Priester und das Volk.

Mit zwei Doppelzügen werden inzensiert: Reliquien und Bilder von Heiligen, die zur öffentlichen Verehrung ausgestellt sind, und zwar allein zu Beginn der Feier, nachdem der Altar inzensiert worden ist.

Der Altar wird auf folgende Weise mit einfachen Zügen inzensiert:

a) Ist der Altar von der Wand getrennt, umschreitet ihn der Priester und inzensiert ihn;

b) ist er nicht von der Wand getrennt, geht der Priester vor ihm entlang und inzensiert dabei zuerst die rechte, dann die linke Seite.

Befindet sich das Kreuz auf dem Altar oder in dessen Nähe, wird es vor der Inzensierung des Altars beräuchert; andernfalls, wenn der Priester an ihm vorübergeht.

Die Opfergaben inzensiert der Priester mit drei Doppelzügen des Rauchfasses vor der Inzensation des Kreuzes und des Altars oder indem er in Kreuzesform das Rauchfass über den Opfergaben schwenkt.“

Zu diesen allgemeinen Anweisungen für Messfeiern fügt das Zeremoniale für die Bischöfe (Nrn. 84-98) weitere Details hinzu. Inzens wird benutzt:

-- Für den Ritus einer Kirch- oder Altarweihe.

-- Beim Ritus der Segnung von Salbölen und beim Weihen des Chrisams – und zwar zu dem Zeitpunkt, an dem die gesegneten Salböle und das geweihte Chrisam weggetragen werden.

-- Bei der Aussetzung des allerheiligsten Sakraments, sofern eine Monstranz benutzt wird.

-- Bei Beerdigungen.

-- Während feierlicher Prozessionen wie z.B. am Fest der Darstellung des Herrn, am Palmsonntag und an Fronleichnam.

-- Während der Feier von Laudes und Vesper zum Canticum aus dem Evangelium (vgl. auch Allgemeine Einführung in das Stundengebet Nr. 261).

Das Zeremoniale hält weiterhin fest, dass das allerheiligste Sakrament kniend inzensiert wird.

Wer die Inzensierung empfängt, tut dies in stehender Position. Konzelebranten werden als Gruppe inzensiert. Danach wird das Volk beweihräuchert. Bischöfe und Domkapitulare, die nicht konzelebrieren, werden zusammen mit dem Volk inzensiert. Wenn ein Bischof, der nicht konzelebriert, vorsteht, wird er nach den Konzelebranten inzensiert.

Wo dies Sitte ist, wird ein Staatsoberhaupt, das einer liturgischen Feier offiziell beiwohnt, nach dem Bischof inzensiert.

Vor Abschluss der Inzensierung sollte der Zelebrant nicht zum Gebet oder zum Kommentar übergehen. Während der Tagzeitenliturgie sollte die Antiphon zum Benedictus oder Magnificat nicht wiederholt werden, ehe die Inzensierung abgeschlossen ist.

Im Zeremoniale (Ausgabe von 1886) befinden sich auch ein paar Fußnoten, die auf die Art und Weise Bezug nehmen, wie man sich dem Bischof nähern sollte; weiterhin wird darin empfohlen, drei Löffel voll Weihrauch in das Fass zu geben, und eine Beschreibung angeboten, wie man das Weihrauchfass halten sollte. So liest man z.B. unter Fußnote 75:

„Derjenige, der beräuchert, hält mit der linken Hand die Ketten, an denen das Rauchfass hängt, am oberen Ende; mit der rechten Hand umfasst er die Ketten ein wenig über dem Rauchfass und hält es so, dass er es ohne Schwierigkeiten vorwärts und rückwärts schwingen kann. Er soll darauf achten, sich dabei gemessen und würdevoll zu verhalten; er soll während des Beräucherns weder den Körper noch den Kopf hin und her bewegen; die linke Hand, mit der er das oberste Ende der Ketten umfasst, soll er unbewegt vor der Brust halten, die rechte Hand und den Arm soll er zusammen mit dem Rauchfass locker vor- und zurückbewegen.“

Diesen Anweisungen aus offiziellen Dokumenten können wir die folgenden aus Monsignore Peter J. Elliotts hervorragendem Zeremonienbuch („Ceremonies of the Modern Roman Rite“) hinzufügen:

„216. Erfahrung und Würde im Umgang mit dem Weihrauchfass zeigen sich bei der Beweihräucherung einer Person oder eines Gegenstands in erster Linie darin, wie man die Ketten hält. Jeder sollte in der Praxis herausfinden, wie es bei ihm am besten funktioniert, doch kann man eine leicht zu erlernende Methode empfehlen: (a) Nehmen Sie den Kettenhalter und den oberen Teil der Ketten in die linke Hand und setzen Sie sie auf der Brust ab. Lassen Sie die Ketten mit der rechten Hand zwischen Zeige- und Mittelfinger hindurchgleiten. Halten Sie sie mit dem Daumen fest, sodass das schwingende Rauchfass leicht kontrolliert und geführt werden kann. (b) Bringen Sie mit der rechten Hand das Fass vor ihre Brust. Erheben Sie dann die rechte Hand bis zur Höhe Ihrer Augen (fallsSie den Altar inzensieren, nicht so hoch) und bewegen Sie das Fass vorwärts und rückwärts auf die jeweilige Person oder den jeweiligen Gegenstand zu, den Sie inzensieren; schwingen Sie es dabei konstant und auf sanfte Weise, ohne Hast, und kontrollieren Sie den Vorgang über die Kette. (c) Sobald die vorgeschriebene Anzahl von Zügen erreicht ist, lassen Sie das Rauchfass wieder herab. Halten Sie es dann seitlich, oder geben Sie es dem Rauchfassträger bzw. dem Diakon zurück.

217. Es gibt zwei Arten von Zügen. Bei einem Doppelzug wird das Rauchfass zweimal auf die Person oder den Gegenstand, die inzensiert werden sollen, zubewegt und dann herabgelassen. Bei einem einfachen Zug, wird es einmal geschwungen und dann herabgelassen, – es sei denn, man inzensiert den Altar, da hierbei ständig, solange der Zelebrant um den Altar herumgeht, einfache Züge gemacht werden.

218. Normalerweise beachtet man folgende Regeln, die auf die verschiedenen Formen von Inzensierung angewendet werden: (a) Mit drei Doppelzügen werden inzensiert: das allerheiligste Sakrament, Reliquien des heiligen Kreuzes und Bilder des Herrn, die zur öffentlichen Verehrung ausgestellt sind, die Opfergaben auf dem Altar, das Altarkreuz, das Evangeliar, die Osterkerze, der Zelebrant (Priester oder Bischof), ein Vertreter ziviler Behörden, der der Feier offiziell beiwohnt, der Chor, das Volk sowie die sterblichen Überreste eines Verschiedenen; (b) mit zwei Doppelzügen werden inzensiert: Reliquien und Bilder der Muttergottes und von Heiligen, die zur öffentlichen Verehrung ausgestellt sind. Der Altar wird mit einfachen Zügen inzensiert. Bei Prozessionen schwingt der Weihrauchträger mit seiner rechten Hand das Rauchfass auf ganzer Länge. In seiner linken Hand trägt er auf der Brust abgestützt das Schiffchen. Wenn es einen Schiffchenträger gibt, ruht seine linke Hand flach auf der Brust.

219. Das Fass muss nicht unbedingt gegen die Ketten schlagen. Beim Inzensieren einer Person oder der Gaben auf dem Altar sollten die Ketten etwa 20 cm vom Fass entfernt gehalten werden; etwa 30 cm, sofern man den Altar oder das Kreuz inzensiert. Vor und nach der Beweihräucherung wird eine tiefe Verbeugung vor der zu inzensierenden Person oder vor dem Gegenstand gemacht. Während sich der Rauchfassträger vor und nach der Inzensierung einer Person vor dieser verbeugt, lässt er das Rauchfass mit der rechten Hand los und legt diese auf die Brust.

220. In Bezug auf die Menge legt man so viel Weihrauch in das Rauchfass ein, wie es die Größe der Kirche und ähnliche Faktoren anraten. Doch entsteht das Zeichen aufsteigenden Weihrauchs nur, sofern die Körner oder das Pulver auf der brennenden Kohle gleichmäßig verteilt werden. Es nützt nichts, mit dem Löffel auf die Kohle zu schlagen oder diese zu zerbrechen – es bringt nur die Körner in die falsche Position. Es wirkt übrigens lächerlich, wenn man ein Rauchfass schwingt, das keinen Rauch abgibt.“

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Originalartikel Incensing the Host, Altars, Etc.