Der Schlüssel zu „Sacramentum caritatis“

Interview mit P. Nicola Bux

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ROM, 15. Mai 2007 (ZENIT.org).- Der Schlüssel zum Verständnis des Nachsynodalen Apostolischen Schreibens Sacramentum caritatis und damit auch zum Denken Benedikts XVI. ist die Liebe. Das betonte der aus Bari stammende Priester Nicola Bux, Autor des Buches „Il Signore dei Misteri: Eucaristia e Relativismo“ („Der Herr der Geheimnisse: Eucharistie und Relativismus“), das die Eucharistie zum Thema hat.



P. Bux, Mitarbeiter der Kongregation für die Glaubenslehre, sprach mit ZENIT über die Liturgiereform und die Aufforderung des Papstes zu „eucharistischer Konsequenz“ (vgl. Sacramentum caritatis, 83).

ZENIT: Nach Deus caritas est hat Benedikt XVI. mit „Sacramentum caritatis“ zum zweiten Mal einen bedeutsamen Text vorgelegt, in dem schon im Titel von der Liebe („caritas“) die Rede ist. Ist das nicht möglicherweise ein Schlüssel zur Interpretation dieses Pontifikats?

-- P. Bux: Der Schlüssel für das rechte Verständnis des katholischen Glaubens und daher auch des Nachsynodalen Schreibens ist die Liebe, weil das Denken Papst Benedikts ganz und gar katholisch ist – in dem Sinn, dass es der Überbringer dessen ist, was immer und überall und von allen geglaubt wird, wie der heilige Vincent von Lerins sagt; ein Denken, das zugleich beweglich ist und sich der Fragen des heutigen Menschen annimmt.

ZENIT: Benedikt XVI. macht in diesem Apostolischen Schreiben noch einmal seinen richtungweisenden Einfluss auf die Liturgiereform geltend. Ist dies einer der wichtigeren Aspekte des Dokuments?

-- P. Bux: Es gehört zum eigentliche Thema des Apostolischen Schreibens, das da lautet: die Eucharistie, Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche. Wie wir wissen, mahnt das Konzil, dass die Eucharistie und die Liturgie die Mitte der Kirche bilden, insofern sie von der Eucharistie ausgeht und nicht von uns; dass die Kirche unaufhörlich aufgebaut wird, wie der heilige Thomas sagt.

Nur so lange die Liturgiereform von dieser Voraussetzung ausging, trug sie Frucht; wo sie jedoch anstatt dessen den Unternehmungsgeist des Klerus und der Pfarrer förderte, wurde sie zu einer Theatervorstellung und blieb unfruchtbar.

ZENIT: Der Heilige Vater spricht auch von der„eucharistischen Konsequenz“. Was meint er damit?

-- P. Bux: Jeder Katholik weiß, dass er die heilige Kommunion nicht empfangen sollte, wenn sein moralisches Leben nicht mit dem übereinstimmt, was mit dem Wort „Kommunion“ gemeint ist. Woran ich hier denke, ist der Egoismus, der den Menschen dazu bringt, auf eigene Faust zu denken und zu handeln – in einer Freiheit, die von der Wahrheit losgelöst ist, anstatt „ein Herz und eine Seele“ zu sein, wie es in der Apostelgeschichte heißt.

Wenn man sich scheiden lässt, das heißt, wenn Eheleute sich trennen, wie kann man dann das Sakrament der Einheit empfangen? Wenn ich zu Streit und Krieg auffordere, um Kontroversen beizulegen, wie kann ich da das Sakrament des Friedens empfangen?

Wenn ich beim Erlassen von Gesetzen mitwirke, die der Natur, wie sie Gott geschaffen hat, Gewalt antun, wie kann ich da in die Gemeinschaft („communio“) mit dem Schöpfer treten? Dies ist zusammengefasst das, was mit „eucharistischer Konsequenz“ gemeint ist. Und noch genauer: Es ist die Übereinstimmung von Glauben und Tun.

ZENIT: Wie sollen wir den Vorschlag verstehen, bei internationalen Messfeiern einige Teile der Heiligen Messe auf Latein zu feiern?

-- P. Bux: In dem Sinn, dass man das Missale Romanum in der lateinischen „editio typica“ benutzt, die es seit dem Beginn der Liturgiereform gibt, anstatt vielsprachige Messen zu feiern, die mehr mit Babel als mit Pfingsten zu tun haben.

Nötig ist jedoch, dass man nicht in jeder Gemeinschaft, sei es nun eine Pfarrgemeinde oder nicht, davor Angst hat, den einen oder anderen Teil auf Latein und gregorianisch zu singen und zu beten – schon gleich nach dem Konzil wurden entsprechende Gesangssammlungen veröffentlicht.

Warum müssen wir denn heute fast überall auf der Welt die englische Sprache benutzen anstatt Latein, das doch den gemeinsamen Glauben der Katholiken in der ganzen Welt zum Ausdruck bringt?

ZENIT: Was ist für Sie der wichtigste Aspekt des Nachsynodalen Apostolischen Schreibens über die Eucharistie?

-- P Bux: Die Ermahnung, die Eucharistie als „Sakrament der Liebe“ zu leben, was eine lebendige Gemeinschaft – Kommunion – ist, oder genauer gesagt: gegenseitiger Gehorsam zwischen Papst und Bischöfen, Bischöfen und Priestern, Priestern und Laien.

Genau so, wie wir nicht die Kirche machen und es vielmehr Jesus ist, der die Kirche unter der Mitwirkung des Heiligen Geistes ständig zusammenführt und erneuert, so muss auch die Eucharistie, die wichtigste Wesensäußerung der Kirche, in gehorsamer Demut begangen werden, so dass ich „kleiner werde“ und der Herr in jedem Christen immer mehr „wächst“ (vgl. Joh 3,30).