Der Seligsprechungsprozess der letzten Seherin von Fatima kann aufgenommen werden

Benedikt XVI. dispensiert im Fall von Lucia de Jesus dos Santos von der kanonischen Wartefrist

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ROM, 14. Februar 2008 (ZENIT.org).- Kardinal José Saraiva Martins, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, gab gestern Abend am Ende der heiligen Messe anlässlich des dritten Jahrestages des Todes der letzten Seherin von Fatima Suor Lucia de Jesus dos Santos (geb. in Fatima am 22. März 1907; gest. in Coimbra am 13. Februar 2005) bekannt, dass Papst Benedikt XVI. von der fünfjährigen kanonischen Wartefrist für die Aufnahme eines Verfahrens dispensiert habe. Der Bischof von Coimbra kann somit den Beginn der diözesanen Phase des Seligsprechungsprozesses einleiten.



Es ist das dritte Mal, dass eine derartige Dispens erteilt wird. Das erste Mal kam es nach dem Tod von Mutter Teresa von Kalkutta (gest. 1997) dazu, deren Prozess dank der Entscheidung Papst Johannes Pauls II. im Jahr 1999 seinen Anfang nahm und mit ihrer Seligsprechung am 19. Oktober 2003 seinen vorläufigen Höhepunkt fand. Die zweite derartige Dispens erteilte Papst Benedikt XVI. für die Aufnahme des Prozesses für Papst Johannes Pauls II. drei Monate nach dessen Tod.

Suor Lucia, die im Alter von 97 Jahren verstarb, war die letzte der drei portugiesischen Seherkinder, denen im Jahr 1917 die Gottesmutter erschien. Während der dritten Erscheinung am 13. Juli 1917 übergab die Madonna von Fatima Lucia dos Santos, Jacinta Marto und Francisco Marto das bekannte „Geheimnis“, das sich aus drei Teilen zusammensetzte. Erst 1927 verfertigte Lucia eine erste Niederschrift der ersten beiden Teile, die sie jedoch auf Anweisung ihres Beichtvaters wieder verbrennen musste.

Im Jahr 1941 schrieb Lucia nochmals die ersten Teile des Geheimnisses auf, und übergab den Text dem Bischof von Leiria. Beide Geheimnisse wurden am 13. Mai 1942 veröffentlicht. Das erste Geheimnis betrifft eine Vision der Hölle, das zweite die Ankündigung des II. Weltkrieges und der Bekehrung Russlands.

Das dritte Geheimnis schrieb die Seherin am 3. Januar 1944 nieder. Es wurde dem Bischof von Leiria in einem versiegelten Umschlag übergeben. Am 4. April 1957 kam er in das Geheimarchiv des Vatikans. Lucia hatte auf den Umschlag geschrieben, dass das Geheimnis nicht vor 1960 geöffnet werden dürfe. Am 26. Juni 2000 wurde der Inhalt durch den Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal Joseph Ratzinger, und den Sekretär des Dikasteriums, Erzbischof Tarcisio Bertone, bekannt gemacht.

Suor Lucia verbrachte ihr Leben im Kloster. Am 17. Juni 1921 wurde sie Schülerin im Institut der Schwestern der heiligen Dorothea in Porto in Nordportugal. Im Kloster lernte Lucia Lesen und Schreiben. Bald verspürte sie den Ordensberuf und trat deshalb am 24. Oktober 1925  im nordwestspanischen Tuy in das Noviziat der Dorotheerinnen ein. Dort legte sie am 3. Oktober 1928 die ersten Ordensgelübde ab. Am 3. Oktober 1934 folgten die ewigen Gelübde.

Mit Erlaubnis von Papst Pius XII. trat Sr. Lucia im Jahre 1948 in den Karmel der heiligen Theresa in Coimbra über. Am 31. Mai 1949 legte sie die Gelübde als unbeschuhte Karmelitin ab und nahm den Namen Sr. Lucia vom Unbefleckten Herzen an. Fortan widmete sich Suor Lucia ganz dem kontemplativen Leben.

Das letzte öffentliche Auftreten von Suor Lucia fiel mit der Seligsprechung der beiden anderen Seherkinder Francisco und Jacinta durch Papst Johannes Paul II. am 13. Mai 2003 zusammen.