Der Sieg des lichtreichen Guten über den schmutzigen Fluss des Bösen

15. Katechese zum heiligen Paulus

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ROM, 3. Dezember 2008 (ZENIT.org).- Das Böse sei ein „schmutziger Fluss" in der Welt, das Gute aber sei stärker. Das Böse entstamme der Ursünde und komme aus einer „geschaffenen und missbrauchten Freiheit". Der Kontrast zwischen dem Bösen und dem Guten gehöre zur Erfahrung eines jeden Menschen, das Böse jedoch entspringe einer „untergeordneten Quelle".

In den Mittelpunkt der Katechese zur heutigen Generalaudienz stellte Papst Benedikt XVI. den Widerspruch zwischen dem Bösen und dem Guten. Vor mehreren Tausenden von Pilgern und Besuchern in der Audienzhalle Paul VI. erklärte der Papst in Fortführung seiner Ausführungen zur Lehre des Völkerapostels Paulus, dass der Mensch die Fähigkeit besitze, das Gute zu spüren; es fehle ihm jedoch die Fähigkeit, es zu verwirklichen. Diese innere Gegensätzlichkeit des Menschseins sei „keine Theorie", sondern etwas, dessen Erfahrung ein jeder mache: „Wir sehen die Gegensätzlichkeit um uns herum, Tag für Tag sehen wir sie. Es genügt, an die Gewalt, die Ungerechtigkeit und die Wucherei zu denken." Es handle sich dabei um eine „erfahrbare Folge" der Ursünde, die das Böse in den Menschen getragen habe und „ein schmutziger Fluss ist", demgegenüber aber Gott der Stärkere bleibe.

Benedikt XVI. setzte sich mit der Beziehung zwischen Christus und Adam auseinander, wie sie im Brief des Paulus an die Römer, sowie im ersten Brief an die Korinther hervortritt. In diesen Schriften seien die Grundlinien der Lehre von der Erbsünde festgehalten.

Im Mittelpunkt des von Paulus gezeichneten Szenariums stünde nicht so sehr Adam als vielmehr Christus und die Gnade, die durch ihn der Menschheit geschenkt wurde. Diese Gnade, so der Heilige Vater, übertreffe bei weitem die Sünde Adams. Dem Völkerapostel folgend dürften wir nie von der Sünde Adams in abgesonderter Form sprechen, das heißt ohne dabei der Rechtfertigung in Christus zu gedenken.

Der Papst fragte sich: „Was also ist die Erbsünde, und gibt es sie oder nicht?" Es sei dabei ein „empirischer Aspekt" zu beachten, den alle berühren könnten, und ein „dem Geheimnis anheim gestellter Aspekt, ein ontologisches Fundament". Der Heilige Vater stellte die Tatsache fest, dass es in unserem Sein einen Widersprich gibt. Jeder Mensch wisse, dass er das Gute tun soll, und in seinem Inneren wolle er dies auch. Er verspüre jedoch in seinem Innern auch einen anderen Impuls: Den Antrieb, dem Weg des Egoismus und der Gewalt zu folgen. Er tue dies, obwohl er wisse, dass er damit gegen Gott und die Menschen handele. Dieser innere Widerspruch sei keine „Theorie", sondern für jeden sichtbar.

Aus dieser Macht des Bösen über unsere Seelen habe sich der „schmutzige Fluss des Bösen" entwickelt, „der die Geschichte des Menschen vergiftet". Dieser Widerspruch in unserer Geschichte rufe, für den Papst, auch heute die Sehnsucht nach Erlösung hervor, die Sehnsucht nach einer Umgestaltung der Welt in eine Welt der Gerechtigkeit, des Friedens und des Guten.

„Auch in der Politik sprechen alle davon, die Welt zu ändern, eine gerechte Welt zu schaffen: Dies verweist auf die Sehnsucht nach Erlösung."

Die Macht des Bösen im Herzen des Menschen sei unbestreitbar. Wie aber, so fragte sich der Papst, sei sie zu erklären? In der Geschichte des Denkens, siehe man vom Christentum einmal ab, gebe es eine Erklärung: Das Sein selbst sei widersprüchlich und trage in sich sowohl das Gute als auch das Böse. In der Antike sei von zwei Prinzipien die Rede gewesen, die auf derselben Ebene stünden. Die Widersprüchlichkeit des Menschen habe so den Gegensatz der Prinzipien reflektiert.

Auch eine atheistische Lehre von der Evolution der Welt schlage am Ende dieselbe Sicht der Dinge vor. In ihr werde angenommen, dass der Mensch als solcher das Gute und das Böse in sich trägt, wobei das Böse gleichursprünglich sei. Dies sei, so der Heilige Vater, eine von Grund auf verzweifelte Sicht, in der das Böse unbesiegbar sei und jeder Fortschritt notwendigerweise mit einem Fluss an Bösem bezahlt werden müsse, was derjenige, der dem Fortschritt dienen möchte, als zu bezahlenden Preis zu akzeptieren habe. Am Ende jedoch schaffe ein derartiges Denken „Traurigkeit und Zynismus".

Der heilige Paulus gebe eine Erklärung für den Widerspruch zwischen den beiden Naturen, die dem Dualismus und den trostlosen Monismen entgegengesetzt sei. Er sage den Christen, dass der Glaube „zwei Geheimnisse hat: ein Geheimnis des Lichtes und eines der Nacht, die jedoch vom Licht umgeben ist".

Das erste Geheimnis besage, dass es nicht zwei, sondern ein einziges Prinzip gebe: Den Schöpfergott, der gut und ohne den Schatten des Bösen sei.

Dann komme die „Nacht", das Böse. Es komme aus einer „geschaffenen und missbrauchten Freiheit". Wie dies möglich gewesen sei und letztlich geschehen sei, bleibe im Dunkeln: „Das Böse ist ein Geheimnis."

„Das, was unlogisch ist, kann nicht erklärt werden", so der Papst. Es komme jedoch sofort das Geheimnis des Lichts hinzu, das besage, das Böse entstamme einer untergeordneten Quelle, Gott sei stärker, das Böse könne überwunden werden, der Mensch sei heilbar.

„Gott hat die Heilung eingeführt, er hat persönlich die Geschichte betreten, er hat dem Bösen das reine Gute, den gekreuzigten und auferstandenen Christus, den neuen Adam entgegengestellt: Dem schmutzigen Fluss widersetzt sich ein Fluss des Lichts."

Die Adventszeit habe in der Sprache der Kirche zwei Bedeutungen, so Benedikt XVI. abschließend: Die Bedeutung der Gegenwart und die der Erwartung. Jesus sei mitten unter uns. Der Mensch müsse die Augen des Herzens öffnen, um das Licht zu sehen.

Advent aber heiße auch „Erwartung". Die finstere Nacht des Bösen sei noch stark, und so bete der Christ eindringlich: „Komm, Jesus, stärke das Licht und das Gute. Komm dorthin, wo die Lüge, die Gewalt, die Unkenntnis Gottes, die Ungerechtigkeit herrschen. Hilf uns, Träger deines Lichts, Friedensstifter, Zeugen der Wahrheit zu sein."

In seinem Gruß an die italienischen Pilger wandte sich Benedikt XVI. dann auch an eine Gruppe von Vertretern einer Bank. Ihnen erklärte er, dass ihre Anwesenheit es gestatte, besonders in dieser für viele Familien schwierigen Zeit eines der vorrangigen Ziele des Bankwesens hervorzuheben: Dieses bestehe in der „Solidarität gegenüber den schwächeren Schichten" sowie in der „Stützung der Produktionstätigkeit".