Der Stern

Gedanken zum Hochfest Epiphanie

Rom, (ZENIT.org) | 771 klicks

Betrachtungen zum Fest Epiphanie von Papst Benedikt XVI.:

Aber nun müssen wir noch einmal auf den Stern zurückkommen, der die Weisen nach dem Bericht des heiligen Matthäus auf den Weg gebracht hat. Was war das für ein Stern? Gab es ihn überhaupt?

Namhafte Exegeten wie zum Beispiel Rudolf Pesch sind der Meinung, dass dies keine sinnvolle Frage sei. Es handle sich um eine theologische Erzählung, die man nicht mit Astronomie vermengen dürfe. Erine ähnliche Position hatte in der Alten Kirche der heilige Johannes Chrysostomus  entwickelt: „Dass nämlich dies kein gewöhnlicher Stern war, ja, wie mir scheint, überhaupt kein Stern, sondern eine unsichtbare macht, die diese Gestalt angenommen hatte, das scheint mir zunächst aus dem Weg hervorzugehen, den er genommen hatte. Es gibt nämlich keinen einzigen Stern, der in dieser Richtung wandelte“ (In Matth. Hom. VI 2: PG 57,64). In einem Großteil der kirchlichen Überlieferung wird das Wunderbare des Stern unterstrichen, so schon bei Ignatius von Antiochien (um 100 n. Chr.), der Sonne und Mond einen Reigen um den Stern aufführen sieht; so auch in dem alten Epiphanie-Hymnus des römischen Stundengebets, nach dem der Stern die Sonne an Schönheit und Leuchtkraft übertroffen habe.

Dennoch konnte die Frage, ob es sich nicht doch um eine astronomisch fassbare und einzuordnende Himmelserscheinung gehandelt habe, nicht ausbleiben. Es wäre falsch, sie mit dem Hinweis auf den theologischen Charakter der Geschcihte im Voraus abzuweisen. Mit dem Entstehen der modernen Astronomie, die ja von gläubigen Christen entwickelt wurde, ist auch die Frage nach diesem Gestirn neu gestellt worden.

Johannes Kepler (†1630) hat eine Lösung vorgelegt, die im Wesentlichen auch von heutigen Astronomen wieder vorgetragen wird. Kepler berechnete, dass im Jahr 7 auf 6 v. Chr., das wie gesagt für das wahrscheinlichste Geburtsjahr Jesu gehalten wird, eine Konjunktion der Planeten Jupiter, Saturn und Mars stattgefunden hat. Er selbst hatte im Jahr 1604 eine ähnliche Konjunktion erlebt, zu der noch eine Supernova hinzugekommen war. So wird eine schwacher oder weit entfernter Stern bezeichnet, in dem eine kolossale Explosion erfolgt, sodass er über Wochen und Monate hin eine intensive Leuchtkraft entfaltet. Kepler hielt diese Supernova für den neuen Stern.

[Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, III, Prolog, 106-107]