Der Sudan, ein Land im „Kalten Krieg“

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TORIT/KÖNIGSTEIN, 15. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Im Sudan herrscht „eine Art kalter Krieg“, betont der emeritierte Bischof der südsudanesischen Diözese Torit, Paride Taban.



Zwar habe der 21 Jahre lang währende Bürgerkrieg seit dem Friedensabkommen von Januar 2005 ein Ende gefunden, so dass „keine Bomben mehr fallen“, aber die gegenwärtige Situation sei dennoch „gefährlicher als der Krieg, den man sehen kann“, bekräftigte der Bischof im Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk Kirche in Not. Die Nöte der Bevölkerung blieben „unsichtbar“; es gebe „überhaupt keine Entwicklung“. Nichts von dem, was versprochen worden sei, werde eingehalten. Die Menschen warteten noch immer auf Wasser, Gesundheitsprogramme und Schulen.

Der Bischof forderte die Internationale Gemeinschaft und die sudanesische Regierung auf, der Bevölkerung zu helfen. Eine gute Ausbildung sei unverzichtbar, denn „wenn man Leute ausbeuten will, muss man dafür sorgen, dass sie ungebildet bleiben“. Wenn die Regierung die Menschen liebe, müsse sie etwas für die Bevölkerung des Südsudan tun. Vor allem müsse die Abhängigkeit beendet werden: Die Ernährungsprogramme sorgten nämlich lediglich dafür, dass die Menschen abhängig blieben, während es doch darauf ankomme, dass sie die Möglichkeit bekämen, für sich selbst zu sorgen.

Bischof Taban rief die Politiker seines Landes zu einer gerechten Verteilung der aus der Ölförderung stammenden Reichtümer auf. Niemand wisse, wohin das Geld gehe, und niemand könne überprüfen, wer davon profitiere. Im nördlichen Landesteil werde behauptet, der Südsudan erhalte das Geld, während der südliche Teil des Landes nichts von dem Geld sehe, das ihm versprochen worden sei. Die Regierung müsse sich stärker darum bemühen, etwas für den Süden zu tun.

Die Arbeit der Kirche im Dienst an den Menschen gestaltet sich nach Angaben des Bischofs immer schwieriger. Aufgrund der Einrichtung von so genannten „Multi Donor Trust Funds“, in denen die für die Entwicklungshilfe und den Wiederaufbau des Landes bestimmten Gelder zusammengefasst werden, sei es für die Kirche schwerer als zuvor, finanzielle Unterstützung zu erhalten. Man müsse nun verschiedene Ministerien und andere Organisationen durchlaufen, die eher regierungsorientiert und der Kirche gegenüber zurückhaltend seien, erklärte der Bischof. „Sie kennen uns nicht, wir kennen sie nicht. Im Krieg war es für uns leicht, etwas zu tun, aber das Blatt hat sich gewendet.“

Um den Frieden zu fördern, hat Paride Taban, nachdem er als Bischof in den Ruhestand gegangen ist, ein „Friedensdorf“ errichtet, in dem Menschen verschiedener Stämme und Religionszugehörigkeiten zusammenleben. Er erklärte, er sei davon überzeugt, eine der Hauptwurzeln der Probleme im Sudan liege in Stammeskonflikten. Überhaupt sind es seiner Meinung nach die Stammesfehden, die Afrika zerstörten. Um wirklichen Frieden zu erzielen, müsse man „an der Basis beginnen“ und die Menschen lehren, einander zu achten.

Das „Holy Trinity Peace Village“ (Dreifaltigkeits-Friedensdorf) liegt an einem Ort, an dem Menschen getötet worden sind. Bischof Taban hatte den Wunsch, dass es „ein Ort der Versöhnung anstatt eines Kampfplatzes“ werde. In dem Friedensdorf, das von „Kirche in Not“ unterstützt wird, lebt nur eine geringe Anzahl von Menschen zusammen, denn schließlich müsse man „mit einer kleinen Gruppe beginnen“. Das Projekt sei für den ganzen Sudan von Bedeutung. Manche Menschen hätten ein Problem mit dem Begriff „Dreifaltigkeit“, da dies ein christlicher Glaubensinhalt sei; dieser Begriff stehe jedoch für die Einheit, und um diese Einheit gehe es.

Bischof Taban glaubt fest daran, dass auch eine Versöhnung zwischen Christen und Moslems gelingen kann. Nicht der Islam sei es, „der die Probleme verursacht, sondern einige gierige Personen, die politische Ideologien angenommen haben und ihrem politischen Ehrgeiz nachgehen“. Manche sagten, die Versöhnung mit den Moslems sei nicht möglich, dabei gehe es um den Umgang mit Menschen, die „unsere Brüder sind“.

Der Südsudan ist seit 2005 eine autonome Region. Auch wenn dieser Landesteil reich an Bodenschätzen ist, vor allem an Erdöl, lebt der Großteil der Bevölkerung in Armut.