Der Teufel hat nicht das letzte Wort

Interview mit dem erfahrenen Exorzisten, Pater José Antonio Fortea

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MADRID, 13. Mai 2005 (ZENIT.org).- Gott ist starker als die "Entfesselung von bösartigen Kräften" und das "energische Eingreifen des Teufels", sagte Benedikt XVI. bei der Generalaudienz am vergangenen Mittwoch auf dem Petersplatz. Und das wissen Exorzisten wohl am besten.



Im folgenden Interview spricht der spanische Priester José Antonio Fortea aus der Diözese Alcala de Henares in Madrid, ein erfahrener Exorzist, über die Existenz des Teufels in der Welt von heute. Vor kurzem ist zu diesem Themenkomplex sein Buch "Summa Daemoniaca" erschienen.

ZENIT: Was ist der größte Sieg des Teufels?

Pater Fortea: Uns glauben zu machen, er würde gar nicht existieren. Tatsächlich haben nach den 60-er Jahren viele Theologen gesagt, der Teufel wäre ein Symbol. Das war für ihn natürlich ein Riesenerfolg, denn alle Exorzismusberufe in Europa sind beinahe spurlos verschwunden. Nur in Rom blieb dieses Amt als etwas ganz Normales und Alltägliches bestehen.

ZENIT: Was hat zu einer solchen Haltung geführt?

Pater Fortea: Sie hat uns großen Schaden zugefügt. Die Menschen schenken dem Wort Gottes nicht mehr ein solches Vertrauen, weil sie in ihm nicht mehr die vollendete Autorität sehen, die über jeden Zweifel erhaben ist. Sie sagen vielmehr: "Wir wissen nicht, was Symbol und was Wirklichkeit ist." Aber das Thema Teufel – das erste, das von der besonders modernistisch angehauchten Theologie verworfen worden ist – kommt wie kaum ein anderes wieder neu auf, weil sich die Realität eben durchsetzt.

ZENIT: Schläft der Versucher tatsächlich nie?

Pater Fortea: Der Teufe versucht, aber er versucht nicht immer, sondern nur ab und zu. Er ist nicht ständig um uns, auch wenn er zu sehr bösen und dämonischen Dingen verleiten kann. Da ist zum Beispiel der Bereich des Sinnlichen und Fleischlichen. Dort passieren viele unserer eigenen Sünden. Besonders auffällig sind dabei die Sünden der Sinneslust. Sie gehören zu denjenigen, denen der Mensch am leichtesten nachgibt, die aber am wenigsten bösartig sind. Sie sind eine Schwäche. Diese Art Sünde öffnet aber das Tor für schlimmere Sünden. Deshalb gehen wir Schritt für Schritt bergab, wenn wir unser Verhalten nicht ändern.

ZENIT: Wissen die Gläubigen in ihrer Pfarre über Exorzismus Bescheid?

Pater Fortea: Da sprechen Sie eine ganz große Freude von mir an. Ich glaube, es ist die einzige Pfarre in der Welt, in der doch viele Gläubige im Alter zwischen 18 und 70 Jahren jede Woche an Exorzismen teilnehmen. Wahrscheinlich handelt es sich auch um die einzige Pfarre in der Welt, in der sogar der Bürgermeister und die Polizei davon wissen. Wenn sie Rufe hören, dann kommen sie nicht angerannt, denn sie wissen genau, was da vor sich geht.

ZENIT: Im Allgemeinen ist Exorzismus weltweit ein Spektakel geblieben…

Pater Fortea: Durch die mangelnde Information ist dieses Thema tabuisiert worden. Der Teufel weiß das sehr gut. Je weniger man über ihn oder über die Arbeit der Kirche, die sich gegen ihn richtet, weiß, desto besser. Aber natürlich möchte er gerade das. Ich dagegen möchte, dass seine Vorhaben aufgedeckt werden. Ein Exorzist muss sich vor allem darüber im Klaren sein, dass der Teufel existiert und dass auch der Exorzismus ist eine reale Möglichkeit ist.