Der Titel „Maria Miterlöserin“ – ein legitimer Wunsch?

Schwester im Glauben“, „Unsere Mittlerin“ und „Unsere Fürsprecherin“.

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Angela Reddemann

ROM, 8. Dezember 2009 (ZENIT.org).- Eine Gruppe von Bischöfen, unzählige Theologen und Gläubige wünschen sich schon seit Jahren, dem marianischen Titel der „Mittlerin“ den der Miterlöserin hinzuzufügen. Ist das ein legitimer Wunsch?

Immer wieder gibt es solche Vorstöße, wie im letzten Jahr in Fatima geschehen. Vor zwei Jahren ließ der Vatikan durch seinen Pressesprecher sogar die Gerüchte dementieren, wonach Papst Benedikt XVI. an die Verkündigung ein neues Mariendogmas denke. Eine entsprechende Meldung sei „ohne jedes Fundament“, erklärte Lombardi im Juni 2007. Ein auf den Papst spezialisierter italienischer Internetdienst hatte damals erklärt, Benedikt wolle die Muttergottes per Dogma zur „Miterlöserin“ erklären.

Das II. Vatikanische Konzil hat für eine solche Debatte den Rahmen abgesteckt: Die Verwendung dieser Titel sei legitim, dies sei aber so zu verstehen, “dass es der Würde und Wirksamkeit Christi, des einzigen Mittlers, nichts abträgt und nichts hinzufügt”.

Maria von Nazareth, die Mutter des Herrn wurde anschließend von Paul VI. zur Mutter der Kirche erklärt. Mit diesem Titel wollte er die Verbundenheit Mariens mit der Kirche, die "sensus fidelium" der Kirche und ihrer Gläubigen ist, hervorheben, da Maria “auf hervorragende und einzigartige Weise” Urbild der Kirche (ihr Typus) ist.

Das Konzil hat aber auch das Bewußtsein dafür geschärft, das Maria zum Gottesvolk, zum „laos“ gehört: Sie ist eine von uns. Dieser Aspekt holte Maria aus den Sphären verklärter „Göttlichkeit“ an die Seite der Christen: Sie wird verehrt und angerufen als „Schwester im Glauben“, „Unsere Mittlerin“ und „Unsere Fürsprecherin“.

Für den renommierten Mariologen Stefano de Fiores von der Gesellschaft Mariä war es schon vor einigen Jahren klar, dass es „hinsichtlich des Konzils und der Ökumene sicher nicht ratsam wäre, derzeit ein neues Dogma zu definieren. Die getrennten orthodoxen und protestantischen Brüder werfen uns ja gerade den Alleingang der letzten beiden Mariendogmen vor. Daher sollten sie bei einem künftigen Dogma unbedingt beteiligt sein. Zuerst müssen wir uns der Einheit oder zumindest einer gewissen Konvergenz untereinander nähern, dann können wir untersuchen, ob es angebracht ist, das Dogma von Maria als Miterlöserin zu verkünden“, so das Mitglied der Internationalen Päpstlichen Marianischen Akademie, die dem Papst in allen theologischen Fragen hinsichtlich Marias beratend zur Seite steht.

Diesen Titel Miterlöserin benütze die Kirche seit Pius XII. nicht mehr. Diese Miterlösung sei aber nichts neues, so der Standpunkt Fiores, schon der Kirchenvater Irenäus hättet von Maria als "causa salutis" durch ihr "fiat" gesprochen.

In der dogmatischen Konstitution über die Kirche “Lumen Gentium”, das dem Oberthema Maria gewidmet ist, heißt es: “So ging auch die selige Jungfrau den Pilgerweg des Glaubens. Ihre Vereinigung mit dem Sohn hielt sie in Treue bis zum Kreuz, wo sie nicht ohne göttliche Absicht stand (vgl. Jo 19, 25)“.

Das Konzil erinnert zuerst an die Worte des Apostels (1 Tim 2, 5-6): “Es gibt nämlich nur einen Gott und nur einen Mittler Gottes und der Menschen, den Menschen Christus Jesus, der sich selbst als Erlösung für alle gegeben hat”, und fügt dann hinzu: “Marias mütterliche Aufgabe gegenüber den Menschen aber verdunkelt oder vermindert diese einzige Mittlerschaft Christi in keiner Weise, sondern zeigt ihre Wirkkraft” (Nr. 60).

Die Rolle Mariens bei der Erlösung wird hier innerhalb des Mysteriums Christi und der Kirche behandelt. Für viele Theologen ist aber die Rolle Mariens als Jüngerin, Hörerin des Wortes und Nachfolgerin, die mitleidet, mitträgt, Grund genug ihre Rolle immer wieder neu zu durchdenken. Das II. Vatikanische Konzil nahm diese Sichtweise in seine Formulierungen auf, wenn es davon spricht, dass Maria „heftig mit ihrem Eingeborenen litt und sich mit seinem Opfer in mütterlichem Geist verband, indem sie der Darbietung des Schlachtopfers, das sie geboren hatte, liebevoll zustimmte. Und schließlich wurde sie von Christus Jesus selbst, als er am Kreuz starb, dem Jünger zur Mutter gegeben mit den Worten: Frau, siehe da dein Sohn (vgl. Jo 19, 26-27)” (LG Nr. 58).

Das II. Vatikanische Konzil spiegelt damit eine jahrhundertelange Debatte wieder und eröffnet gleichzeitig Perspektiven, die Rolle Mariens in der Fortführung des Erlösungswerkes Christi neu zu definieren: “In einzigartiger Weise war sie vor allen andern seine großmütige Gefährtin. ... Indem sie ... mit ihrem am Kreuz sterbenden Sohn litt, hat sie beim Werk des Erlösers in einzigartiger Weise durch ihren Gehorsam, ihren Glauben, ihre Hoffnung und brennende Liebe mitgewirkt, zur Wiederherstellung des übernatürlichen Lebens der Seelen. Deshalb ist sie uns in der Ordnung der Gnade Mutter” (Nr. 61).

“In den Himmel aufgenommen, hat sie diesen heilbringenden Auftrag nicht aufgegeben, sondern fährt durch ihre dauernde Fürbitte fort, uns die Gaben des ewigen Heils zu erwirken.” Aus diesem Grund “wird die selige Jungfrau in der Kirche unter dem Titel der Fürsprecherin, der Helferin, des Beistandes und der Mittlerin angerufen” (Nr. 62).

“Jeglicher heilbringende Einfluss der seligen Jungfrau auf die Menschen kommt nämlich nicht aus irgend einer sachlichen Notwendigkeit, sondern aus dem Wohlgefallen Gottes und fließt aus dem Überfluss der Verdienste Christi, stützt sich auf seine Mittlerschaft, hängt von ihr vollständig ab und schöpft aus ihr seine ganze Wirkkraft. Die unmittelbare Vereinigung der Glaubenden mit Christus wird dadurch aber in keiner Weise gehindert, sondern vielmehr gefördert” (Nr. 60).