Der Trost der Krankensalbung

Katechese des Papstes bei der heutigen Generalaudienz auf dem Petersplatz

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 494 klicks

Die Generalaudienz von heute Vormittag begann um 10.00 Uhr auf dem Petersplatz, wo Papst Franziskus mit Gruppen von Pilgern und Gläubigen aus Italien und allen Teilen der Welt zusammentraf.

In seiner auf Italienisch gehaltenen Ansprache setzte der Heilige Vater den Zyklus seiner Katechesen über die Sakramente fort, indem er über die Krankensalbung sprach.

Nach einer Zusammenfassung der Katechese in verschiedenen Sprachen richtete der Heilige Vater einige Grußworte an die verschiedenen anwesenden Gruppen von Pilgern und Gläubigen. Zuletzt machte er einen Aufruf für den Frieden in Venezuela.

Die Generalaudienz endete mit dem Gesang des Vaterunsers und dem apostolischen Segen.

Wir dokumentieren im Folgenden die Katechese des Heiligen Vaters in eigener Übersetzung.

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Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute will ich mit euch über das Sakrament der Krankensalbung sprechen, das es uns ermöglicht, das Mitleid Gottes mit den Menschen unmittelbar zu spüren. Früher wurde dieses Sakrament auch als „letzte Ölung“ bezeichnet, weil man es überwiegend als geistigen Trost für die Sterbenden auffasste. Doch die Bezeichnung „Krankensalbung“ hilft uns, den Blick auf das Erleben von Krankheit und Leid zu richten, im Licht der Barmherzigkeit Gottes.

1. Es gibt ein biblisches Bild, das das Mysterium, welches im Sakrament der Krankensalbung aufleuchtet, in all seiner Tiefe darstellt: Es ist die Geschichte vom „barmherzigen Samariter“ im Lukasevangelium (Lk 10,30-35). Immer, wenn wir dieses Sakrament feiern, nähert sich unser Herr Jesus in der Person des Priesters einem Menschen, der leidet und schwerkrank oder alt ist. Die Geschichte des barmherzigen Samariters erwähnt, dass dieser die Wunden des Verletzten pflegt, indem er Öl und Wein darüber gießt. Das Öl erinnert uns an jenes, das jedes Jahr während der Chrisammesse am Gründonnerstag vom Bischof geweiht wird, eben in Hinblick auf die Krankensalbung. Der Wein hingegen ist ein Sinnbild der Liebe und Gnade Christi, die aus seinem Opfer für uns entspringen und im sakramentalen Leben der Kirche ihren ganzen Reichtum entfalten. Schließlich vertraut der Samariter den Verwundeten dem Wirt einer Herberge an, damit dieser ihn weiterhin pflegen kann, ohne Ausgaben zu scheuen. Wer ist nun dieser Wirt? Es ist die Kirche, die christliche Gemeinde; wir alle sind es, denn jeden Tag vertraut der Herr uns unsere an Leib und Seele leidenden Brüder und Schwestern an, damit wir fortfahren mögen, seine ganze Barmherzigkeit und sein ganzes Heil über sie auszuschütten!

2. Dieses Mandat der Kirche wird auf ausdrückliche und klare Weise im Jakobusbrief wiederholt, wo zu lesen ist: „Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben“ (Jak 5,14-15). Es handelt sich also um eine Praxis, die bereits zur Zeit der Apostel existierte. Denn Jesus hat seine Jünger gelehrt, den Kranken und Leidenden dieselbe Fürsorge entgegenzubringen, wie er selbst, und hat ihnen die Vollmacht und den Auftrag gegeben, weiterhin in seinem Namen und nach seinem Herzen Trost und Frieden zu spenden, mittels der besonderen Gnade dieses Sakraments. Das darf uns jedoch nicht dazu verleiten, um jeden Preis ein Wunder zu verlangen oder uns einzubilden, wir könnten jederzeit eine Heilung herbeiführen. Dieses Sakrament gibt uns jedoch die Gewissheit, dass Jesus den Kranken nahe ist; und auch den Alten, denn jeder Mensch über 65 kann dieses Sakrament empfangen, durch das Jesus selbst sich uns nähert.

3. Wenn jemand krank ist, denken wir manchmal: „Lasst uns den Priester rufen, damit er kommt!“, und dann hört man sagen: „Nein, das bringt Unglück!“, oder: „Der Kranke könnte sich ängstigen!“. Woher kommt diese Einstellung? Daher, dass viele meinen, nach dem Priester käme der Leichenwagen. Und das stimmt nicht. Der Priester kommt, um dem kranken oder alten Menschen zu helfen; deshalb ist der Besuch des Priesters so wichtig. Wir müssen den Priester zu den Kranken rufen und ihm sagen: „Kommen Sie, geben Sie ihm die Krankensalbung, segnen Sie ihn!“ Jesus selbst kommt, um dem Kranken Erleichterung zu bringen, ihm Kraft und Hoffnung zu geben, ihm zu helfen; und auch, um ihm seine Sünden zu vergeben. Und das ist schön! Man darf aus der Krankensalbung kein Tabu machen, denn es ist immer schön zu wissen, dass wir im Augenblick des Leidens und der Krankheit nicht allein sind: Der Priester und alle, die bei einer Krankensalbung zugegen sind, repräsentieren nämlich die gesamte Christenheit, die sich wie ein einziger Leib um ihre leidenden Glieder und ihre Familien sorgt, in ihnen den Glauben und die Hoffnung nährt und sie durch das Gebet und die brüderliche Nächstenliebe unterstützt. Doch der größte Trost kommt aus der Tatsache, dass es Jesus selbst ist, der sich im Sakrament gegenwärtig macht, uns an der Hand nimmt, uns streichelt, wie die Kranken, denen er begegnet ist, und uns daran erinnert, dass wir ihm angehören und dass nichts, auch nicht Krankheit und Tod, uns je von ihm trennen kann. Haben wir diese Gewohnheit, den Priester zu unseren kranken Angehörigen zu rufen – ich meine nicht die Grippekranken, die nach drei-vier Tagen wieder gesund sind, sondern die, die ernsthaft krank sind – und auch zu den alten Menschen, damit er ihnen dieses Sakrament bringt, diesen Trost, diese Kraft Jesu, um weiterzumachen? Lasst es uns tun!

[Aufruf des Heiligen Vaters:]

Mit großer Sorge verfolge ich die Ereignisse dieser Tage in Venezuela. Ich hoffe sehr, dass Gewalt und Feindseligkeit so bald wie möglich enden mögen und dass das ganze venezolanische Volk, angefangen bei seinen politischen und institutionellen Verantwortlichen, sich für die Wiederaussöhnung einsetze, mittels der gegenseitigen Vergebung und einem ehrlichen Dialog, der Wahrheit und Gerechtigkeit achte und fähig sei, konkrete Themen zugunsten des Allgemeinwohls zu behandeln. Ich sichere mein anhaltendes Gebet zu, vor allem für die, die in den Auseinandersetzungen ihr Leben verloren haben, und für ihre Familien, und ich lade alle Gläubigen dazu ein, ihre Bitten zu Gott zu erheben, damit durch die mütterliche Fürbitte unserer Lieben Frau von Coromoto das Land bald wieder zu Frieden und Einheit zurückfinde.

[Aus dem Italienischen übersetzt von Alexander Wagensommer]