Der Umweltschutz aus ökumenischer Perspektive

Die Geschichte einer konsolidierten Tradition, für die sich die katholische Kirche und die Ostkirchen seit ca. 30 Jahren gemeinsam engagieren

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Von Giovanni Patriarca

ROM, 10. September 2012 (ZENIT.org). ‑ Vergangenen Samstag wurde der seit einigen Jahren am 1. September begangene „Tag des Schutzes der Schöpfung“ veranstaltet. Christliche Traditionen sind dazu aufgerufen, das Bewusstsein der Menschen für die Notwendigkeit des Schutzes der Natur zu schärfen. Ihnen allen sind Begegnungen für das Gebet und zum Spenden von Trost gemeinsam.

Bereits im Rahmen der 1983 in Vancouver (Kanada) veranstalteten Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen war die „gegenseitige Hingabe“ zum Schutz der Umwelt als Ziel festgelegt worden. Am Ende der 1980er Jahre stand das Thema im Zentrum des Einsatzes der Konferenz der Europäischen Kirchen und des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen.

Es ist zweifellos unbestritten, dass der Ursprung dieser positiven Entwicklung in der Enzyklika des Patriarchen Dimitrios I. von Konstantinopel vom 1. September 1989 liegt. In aller Klarheit richtete der Patriarch darin einen dringenden Aufruf zur Verantwortung. Er brachte seinen Kummer über die Entstellung der Natur zum Ausdruck, die den Menschen zuallererst zur Selbstzerstörung verurteile. Das Dokument des Patriarchates war richtungsweisend für die späteren ökumenischen Bemühungen, die im Jahre 2001 zur Unterzeichnung der „Charta Oecumenica“ in Straßburg führten. Die Grundlage dieses Dokuments bildet die Hoffnung auf eine wachsende Zusammenarbeit der christlichen Kirchen Europas.

Soll eine chronologische Darstellung des Entstehungsprozesses vorgenommen werden, so muss der dritte Teil der Vorsynodalen Panorthodoxen Konferenz nach Chambésy im 1986 besonders eingehend betrachtet werden, aus dem in der orthodoxen Welt die Symposien-Reihe „Freiheit, Friede und Integrität der Schöpfung“ hervorgegangen ist. Im Jahre 1988 wurde in Patmos eine namhafte Konferenz anlässlich des 900jährigen Bestehens des Klosters des hl. Johannes des Theologen unter der Schirmherrschaft des Metropoliten Giovanni di Pergamo als Patriarchaldelegaten abgehalten. Im Rahmen dieser Konferenz wurden die zentralen Themen erörtert. Ferner wurde der 1. September zum Jahrestag des Umweltschutzes erklärt.

Seit diesen ersten Begegnungen hat sich der Schwerpunkt der Tätigkeit von Theologen, Wissenschaftlern und Gelehrten zunehmend auf spezifischere und regionale Aspekte verlagert (das Amazonasgebiet, die Arktis, das Baltische Meer, das Adriatische Meer, der Mississippi). Es wurde bahnbrechende Arbeit geleistet, die wichtige Initiativen im Bereich der Ethik und Umwelt in die Wege leitete. Im Zuge der Veranstaltungen und internationalen Gespräche, die aus den internationalen diplomatischen und ökumenischen Beziehungen hervorgegangen sind, wurde zweifellos eine neue, gemeinsame Front im globalen Einsatz für den Schutz und für die Förderung der Umwelt geschaffen.

Aus theologischer und ethischer Sicht nehmen die Begriffe „koinonia“ (Gemeinschaft), Demut und Askese eine zentrale Stellung ein. Wenn der Mensch sich selbst zum Schöpfer der Weltmacht, wird er orientierungslos und zerstört die unerlässlichen menschlichen Beziehungen, die auf der Achtung seiner selbst, der anderen und des Schöpfers beruhen. Daraus erklärt sich folgende Textstelle aus der letzten Botschaft des Patriarchen Bartholomäus (2012): „Die Fülle des Lebens als das Werk des wissenden Gottes wurde dem Menschen nicht zu dessen unkontrollierter Befugnis gegeben. Eine vollkommene Herrschaft des Menschen über die Erde und über alles, das sie enthält, besteht in einem vernunftgeleiteten Gebrauch und in der Nutzung der Güter und nicht in einem gierigen Raub, in einem verheerenden Missbrauch oder in der Zerstörung ihrer Ressourcen“.

Einer vergleichenden Analyse mit der vorliegenden Botschaft der Italienischen Bischofskonferenz zufolge knüpft dieser Gedanke an die Notwendigkeit eines erneuerten Gefühls der Versöhnung an, „denn die Welt, in der wir leben, trägt entsetzliche Spuren der Sünde und des Bösen, die auch das Werk unserer Hände sind. Wir sind nun dazu aufgerufen, mit unseren Händen durch wirksame Gesten ein nur allzu oft zerstörtes Bündnis wieder zu errichten.“ (Educare alla custodia del Creato per sanare le ferite della terra 2012) („Erziehung zur Wahrung der Schöpfung, um die Wunden der Erde zu heilen. 2012“).

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]