Der Vatikan bleibt konsequent

Kritik an einer Initiative Frankreichs bei der UNO, die auf die de-facto-Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe abzielt

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Von Armin Schwibach

WÜRZBURG, 4. Dezember 2008 (Die-Tagespost.de/ ZENIT.org).-Vatikan und Homosexualität: Das ist ein Reizthema, das viele lockt und Aufsehen in der Presse garantiert. Auslöser der jüngsten Debatte in Italien sind Äußerungen des Vatikan-Vertreters bei den Vereinten Nationen, Erzbischof Celestino Migliore. Dieser hatte sich in einem Interview mit der katholischen französischen Nachrichtenagentur I. Media kritisch zu einer Initiative Frankreichs bei den Vereinten Nationen geäußert, die Strafbarkeit von Homosexualität weltweit aufzuheben. Homosexuellenverbände in Italien und anderswo liefen Sturm. Die Zeitungen schossen sich auf die „Intoleranz“ gegenüber Homosexuellen und die „Homophobie“ der Kirche ein. Ein „Transgender“ und ehemaliger Politiker der linksextremen Splitterpartei „Rifondazione Comunista“, die von den Wählern während der Wahl im vergangenen Frühjahr hart abgestraft worden war und den Sprung ins Parlament nicht mehr geschafft hatte, verstieg sich zu der Aussage, dass er/sie immer noch auf ein „Mea Culpa“ der Kirche „für die Scheiterhaufen des Mittelalters“ warte.

Auch der ehemalige sozialistische Kulturminister Frankreichs, Jack Lang, meinte in einem Interview erkennen zu können, dass die Haltung des Heiligen Stuhls „archaisch“ ist und dieser „in den Händen von Reaktionären und Konservativen ist, die ihre Macht behalten wollen“. Wie dem auch sei: Die französische Öffentlichkeit stünde der Position des Vatikans bestenfalls gleichgültig gegenüber oder reagiere mit Ironie und Sarkasmus.

Erzbischof Migliore hatte erklärt, dass „alles, was zugunsten der Achtung und des Schutzes der Menschen unternommen wird, Teil unseres menschlichen und geistlichen Erbes ist“. Der Katechismus der katholischen Kirche erkläre nicht erst seit heute, dass gegenüber homosexuellen Menschen jegliche Brandmarkung durch ungerechte Diskriminierung vermieden werden müsse.

Bei der von Frankreich vorgebrachten Erklärung jedoch gehe es um etwas anderes. Es handle sich um eine von einer Gruppe von Staaten unterzeichnete Erklärung von politischem Wert. Diese fordere von den Staaten und den internationalen Gremien zur Verwirklichung und Kontrolle der Menschenrechte, neue vor Diskriminierung geschützte Kategorien hinzuzufügen. Dabei werde nicht in Rechnung gestellt, dass bei Anwendung dieser Kategorien „neue und unbezähmbare Diskriminierungen geschaffen werden“. Migliore zitierte hierzu als Beispiel diejenigen Staaten, die die „Ehe“ unter Homosexuellen nicht anerkennen: Sie würden an den Pranger gestellt und zum Gegenstand von Druckausübung werden. Diese Worte wurden zum Vorwand genommen, um den Eindruck zu erwecken, als würde der Heilige Stuhl Strafen (unter diesen auch die Todesstrafe in einigen islamischen Ländern) für Homosexuelle befürworten.

Wie Erzbischof Migliore jedoch in dem Interview bereits angedeutet hatte, besteht das eigentliche Problem nicht in der Forderung nach Straffreiheit für Homosexuelle, die nur einen geringen Teil des gesamten geplanten Dokuments der Vereinten Nationen ausmacht. Vielmehr geht es darum, dass die Erklärung die Absicht hat, jegliche sexuelle Orientierung zu fördern, um diese neuen Kategorien auf alle Menschenrechte anzuwenden und letztere im Licht der sexuellen Orientierung der Einzelnen neu zu interpretieren. Durch die Einführung neuer explizit geschützter Kategorien soll es zur gleichen Behandlung aller auf derselben Ebene kommen, was einer de-facto-Gleichstellung von homosexuellen und heterosexuellen Paaren gleichkommt und die Tür für eine (durch die UNO geforderte oder „erzwungene“) Einführung der homosexuellen „Ehe“ wie auch zum Beispiel der Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare öffnet.

Jenseits der Forderung nach Straffreiheit für Homosexuelle zeichnet sich somit ein Plan ab, der zum Bezugspunkt internationaler Kontrollorganismen werden soll und im Wesentlichen andere Rechte und Freiheiten einschränken kann. Es besteht also die konkrete Gefahr, dass bestimmte „pressure groups“ auf europäischer und internationaler Ebene Bestimmungen durchsetzen, die die Souveränität der einzelnen Länder negativ beschränken.

Wie auch der Direktor des Vatikanischen Presseamtes, P. Federico Lombardi SJ, zu bedenken gab, gehe es bei der von der EU-Präsidentschaft eingebrachten Deklaration nicht nur um Straffreiheit für Homosexuelle, sondern um eine Gleichstellung aller sexuellen Orientierungen. Das könne zur Diskriminierung derjenigen führen, die für eine Privilegierung der Ehe zwischen Mann und Frau als grundlegender Form des sozialen Lebens eintreten, da dies als den Menschenrechten entgegengesetzt angesehen werden könnte. Nicht von ungefähr hätten sich somit nur 50 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen hinter die EU-Initiative gestellt. 150 Staaten hingegen hätten dies abgelehnt. Der Heilige Stuhl stehe also nicht allein.

[© Die Tagespost vom 4. Dezember 2008]]