Der Vatikan ist kein Finanzparadies

Erster Jahresbericht der Finanzbehörde veröffentlicht

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Antonio Gaspari | 489 klicks

„Die IOR ist keine kommerzielle Bank und der Vatikan ist kein Finanzparadies. Der Heilige Stuhl ist ein glaubwürdiger Partner im internationalen Kampf gegen Geldwäsche.“

Diese Worte äußerte am gestrigen Morgen Dr. René Brülhart im Pressebüro des Heiligen Stuhls, Direktor der internationalen Finanzautorität (AIF), im Zuge der Präsentation der jährlichen Finanzübersicht der AIF über die Aktivität der finanziellen Information und der Aufmerksamkeit gegenüber Geldwäscherei und Finanzierung von Terrorismus.

Im Finanzbericht des Jahres 2012 deckte die AIF sechs verdächtige Geldoperationen des IOR (Institut der Religiösen Werke) auf, im Jahre 2011 gab es nur eine verdächtige Transaktion.

Dr. René Brülhart ging nicht weiter auf die verdächtigen Überweisungen ein, sondern unterstrich, dass die AIF „zwei Vorgänge den Vatikanrichtern für weitere Untersuchungen weitergegeben hat.“ Der Direktor der AIF erläuterte, dass durch ein screening von Überweisungen und Bareinzahlungen verdächtige Personen ausfindig gemacht werden konnten.

„Bei den Bemühungen, aktiv jede Möglichkeit des Missbrauches im Finanzsystem aufzudecken“, fügte er hinzu, „haben wir eine enge und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat, der Gendarmerie, den Richtern und den überwachten Institutionen, mit dem Ziel, dass das Bewusstsein und die Sicherheit gesteigert und eine interne koordiniere Kooperation gesichert werden, um Geldwäsche und der Finanzierung von Terrorismus vorzubeugen.“

Für René Brülhart ist „die Statistik und die Tendenz im Jahre 2012 ermutigend und zeigt auf, dass das System unermüdlich verbessert wird.“

Der Direktor des AIF betonte „durch die erzielten Fortschritte in der internationalen Zusammenarbeit und durch die sichtliche Anstrengung des Heiligen Stuhls ein glaubwürdiger Partner im internationalen Kampf gegen Geldwäsche zu sein.“ Im Jahr 2012 wurde gemeinsam mit den Regierungen von Belgien und Spanien ein Protokoll zur Zusammenarbeit unterzeichnet.

Brülhart hielt fest, „dass die Stärkung der internationalen Zusammenarbeit durch diese Unterschriften und andere Memorandi mit anderen Ländern und Rechtskörpern auch unsere Politik für das Jahr 2013 bestimmen wird.“

Unter anderem sind für dieses Jahr weitere Stärkungen des Vorbeugungssystems vorgesehen und weitere Fortschritte gegen Gelwäscherei und die Finanzierung von Terrorismus. Dazu gehört die Umsetzung der Vorschläge von „Moneyval“, die besagen, dass eine angemessene Aufnahme und Veränderung der Rechtsprechung in dieser Materie die Fortschritte bei der Aufklärung und die Stärkung der Autoritäten und kompetenten Institutionen zur Folge haben wird.

Die AIF ist die vom Heiligen Stuhl und dem Vatikanstaat eingesetzte Autorität der Finanzinformation und der Kontrolle der Regelungen im Zusammenhang mit Geldwäsche und der Finanzierung von Terrorismus. Sie wurde 2010 gegründet und begann im April 2011 mit ihren Arbeiten. Ihr Vorstand ist Kardinal Attillio Nicora.