Der Verfall schreitet fort - Christus siegt

Impuls zum 32. Sonntag im Jahreskreis

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 456 klicks

Im Evangelium des heutigen Sonntags streiten die Sadduzäer mit Jesus, weil sie, genauso wie die Pharisäer, seine Lehre nicht annehmen wollen. Die Pharisäer, die den rechten überlieferten Glauben haben, wollen nicht erkennen, dass Jesus den wahren Glauben gar nicht aufheben, sondern ihn vielmehr ergänzen und erfüllen will. Die Sadduzäer dagegen glauben an viele wesentliche Dinge nicht. So bestreiten sie die Existenz von Engeln, ja sie leugnen sogar das Leben nach dem Tod.

Man ist versucht eine Parallele zu ziehen zu manchen heutigen Theologen, die ebenfalls oft an die Existenz der Engel nicht glauben, obwohl diese uns in der Hl. Schrift auf Schritt und Tritt begegnen. Manch einer wird dazu sagen: nun ja, wenn man sonst alles Überlieferte glaubt, kann man unter Umständen die Engel als personifizierte Kräfte oder Energien betrachten, ohne dass der Glaube im Wesentlichen Schaden nimmt.

Die Erfahrung zeigt jedoch, dass das nicht so ist. Der christliche Glaube ist tatsächlich so etwas wie ein Gewölbe, das sich ganz in sich selber trägt. Jeder Stein stützt den anderen und wird selbst gestützt. Wird einer dieser Gewölbesteine entfernt, fällt das ganze Gebilde in sich zusammen.

Konkret: wenn die als Engel bekannten Geistwesen nicht existieren, warum sollte dann die menschliche Seele nach dem Tod des Körpers als geistiges Wesen fortleben? Sehr kurz ist dann der Weg zu dem Schluss, dass es geistige Wesen überhaupt nicht gibt, und schon ist die Existenz Gottes infrage gestellt. Natürlich geht nicht jeder diesen Weg bis zuende, aber er hat zumindest seine (fatale) Logik.

In Fragen der christlichen Sittlichkeit beobachten wir in den letzten fünfzig Jahren eine ähnliche “logische” Entwicklung. Sagen wir es deutlich: einen regelrechten Verfall.

Ohne in das übliche Klagelied zu verfallen (“Früher war alles besser”), hier nur in Kürze die Schlagzeilen der letzten Tage:

1. EU-Kommission – 28 Millionen für ‘Reproduktive Gesundheit’;

2. Linke wollen St. Martin stürzen;

3. MDR und SWR senden die 5-teilige Dokumentation “Make love” – angeblich zur Aufklärung;

4. Medien bemühen sich den Fragenkatalog der Vorbereitungskommission für die Bischofssynode als Volksbegehren zu interpretieren.

Zu 1) Nachdem das Europa-Parlament vor einigen Wochen im Handstreich den sog. Estrela-Beschluss durchdrücken wollte (was Gott sei Dank misslang), durch den ein Recht auf Abtreibung für alle Frauen, aber auch die Freigabe der Pädophilie gefordert wurde, hat jetzt eine andere Instanz,  nämlich die EU-Kommission, 28 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um Abtreibungsprogramme in Entwicklungsländern zu fördern.

Vor fünfzig Jahren war Abtreibung schlecht, jetzt hat man ein Recht darauf: Umwertung der Werte! (vgl. Nietzsche)

Zu 2) Die Kommunisten hängen immer noch an dem Kampfruf des alten Voltaire, der sagte: “Ecrasez l´infame!”, vernichtet die infame Kirche. In diesem Sinne sollen christliche Feste möglichst verschwinden. Diese Initiative hat aber wenig Chancen, weil die Kinder im Kindergartenalter doch eine Lobby haben, die sich dieses volkstümliche Treiben nicht nehmen lassen will. Im übrigen lässt sich mit dieser Idee kein Geld verdienen. Schon deswegen wird sie scheitern.

Zu 3) Schon vor fünfzig Jahren musste das unschuldige Wort ‘Aufklärung’ dazu herhalten, die Menschen sexuell auf Trab zu bringen. Damals relativ harmlos. Heute hat man den Eindruck, dass solche Initiativen gewollt oder ungewollt dazu beitragen sollen, ein weiteres Projekt der riesigen Profit-Lobby zu realisieren. Nach der Anti-Baby-Pille, der Abtreibungsindustrie und (bald auch bei uns) dem Euthanasiegeschäft kämpft man jetzt dafür, dass Porongraphie salonfähig wird. Auch da winken Riesengewinne. Die Medien, die auch diese Verirrung propagieren können, gehen, wenn auch zögernd, nach bewährtem Rezept darauf ein. Mal hier ein pornographischer Roman, der zum Bestseller hochstilisiert wird, mal dort ein Theaterstück, ein Kunstevent, ein Film.

Zu 4) Es wird von der Vorbereitungskommission der Bischofssynode gefragt, wie in den einzelnen Pfarrgemeinden die Dinge der Ehe- und Familienmoral gelebt werden – eine reine Bestandsaufnahme. Ein Satz, der bisher kaum Beachtung gefunden hat, ist typisch: “Wie steht es um die wirkliche Kenntnis der Gläubigen in Bezug auf die Lehre von Humanae Vitae über die verantwortliche Elternschaft?”

Im Bericht des heutigen Evangeliums präsentieren die Sadduzäer dem Herrn ein absurdes Beispiel, um klar zu machen, dass es das ewige Leben nicht geben kann: eine Frau hat hintereinander sieben Ehemänner (nicht geschiedene, sondern gestorbene), wem wird sie dann bei der Auferstehung gehören?

Jesus erwidert darauf, mit seiner gewohnten Engelsgeduld, dass es nach der Auferstehung kein Heiraten mehr gibt und – auf den ersten Blick für manche schockierend – auch keinen Sex (dazu bedarf es eines materiellen Körpers, der im Tod vergeht).

“Sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen und Töchtern Gottes geworden sind” (Lk 20,37).

Auch wenn die Kirche Gottes z.Zt. in schlechter Verfassung ist: Christus ist auf jeden Fall der Sieger über Sünde und Tod.

Bitte an die Muttergottes: sie möge die Welt bewahren vor Verfall, Unheil und Krieg!

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).