Der Weg Mariens ist der Weg der Liebe: Benedikt XVI. warnt vor der Macht des Egoismus und der Gewalt

Predigt am Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel

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CASTEL GANDOLFO, 16. August 2007 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. feierte am gestrigen Morgen das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel mit einem Gottesdienst in der dem heiligen Thomas von Villanova geweihten barocken Pfarrkirche in Castel Gandolfo. An der Heiligen Messe nahm neben den Autoritäten des kleinen Ortes in den Albaner Bergen und den zahlreichen Pilgern und Mitgliedern der Pfarrgemeinde, die sich auf dem Vorplatz der Kirche versammelt hatten, auch Prälat Georg Ratzinger teil. Der Bruder des Papstes verbringt dieser Tage seine Sommerferien in der päpstlichen Sommerresidenz in Castel Gandolfo.



In seiner Auslegung der Heiligen Schrift stellte der Heilige Vater zusammen mit dem heiligen Augustinus heraus, dass die ganze Menschheitsgeschichte ein Kampf zwischen zwei Arten der Liebe ist: Auf der einen Seite stehe die Liebe Gottes bis hin zur Selbstschenkung, auf der anderen die Eigenliebe, die bis zur Verachtung Gottes und zum Hass der anderen reiche. Das Fest Aufnahme Mariens in den Himmel, so der Papst, lade zum Vertrauen ein, denn: „Die Liebe – die scheinbare Schwäche Gottes – besiegt am Ende das, was als die absolute Macht des Hasses und der Gewalt auftritt.“

In seiner frei gehaltenen Predigt betonte Benedikt XVI., dass die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel ein Zeichen des Sieges der Liebe über den Tod sei. Im Ausgang von der ersten Lesung des Tages aus dem Buch der Offenbarung stellte der Papst fest, dass der Zeitgeist der Moderne eine neue und unterschiedliche Ausdrucksform des Wütens des Drachens ist. Benedikt XVI. kommentierte die beiden Bilder aus der Offenbarung von der mit der Sonne bekleideten Frau, Zeichen der Liebe Gottes, und des großen roten Drachen, Zeichen der Eigenliebe. Mit der Gestalt des Drachens, so Benedikt XVI., habe der Apostel Johannes auf die Macht der antichristlichen römischen Kaiser von Nero bis Decius verweisen wollen: „Eine Macht, die unendlich erschien; eine militärische, politische, wirtschaftliche und propagandistische Macht“.

Angesichts einer derart großen Macht erschienen der Glaube und die Kirche wie eine wehrlose Frau ohne Überlebens- oder gar Siegesmöglichkeit. „Wer hätte sich dieser allgegenwärtigen Macht widersetzen können, die anscheinend alles vermochte? Und dennoch wissen wir, dass am Ende die wehrlose Frau gesiegt hat, dass nicht der Egoismus, nicht der Hass gewonnen haben. Es hat die Liebe Gottes gewonnen, und das römische Reich hat sich dem Glauben geöffnet.“

Der Drache repräsentiert nach Worten des Papstes die Macht des absoluten Egoismus, des Terrors, der Gewalt. Er stehe für alle antichristlichen Diktaturen aller Zeiten, wie den Nationalsozialismus und den Stalinismus des letzten Jahrhunderts. Es schien unmöglich zu sein, dass „der Glaube überleben kann“; aber auch angesichts dieses Schreckens war „die Liebe am Ende stärker als der Hass“.

Für Benedikt XVI. existiert der rote Drache heute in zwei neuen Formen:

„Er existiert in der Form materialistischer Ideologien, die behaupten: ‚Es ist absurd, an Gott zu denken, es ist absurd, die Gebote Gottes zu befolgen – das gehört der Vergangenheit an. Das Leben zu leben, loht sich nur für sich allein. Man soll so viel wie möglich in unserem kurzen Leben mitnehmen. Es zählen allein der Konsum, der Egoismus und das Vergnügen. Das ist das Leben. So müssen wir leben!‘ Und wieder scheint es absurd und unmöglich zu sein, sich dieser vorherrschenden Mentalität mit all ihrer Macht der Medien und der Propaganda zu widersetzen. Auch heute noch scheint es unmöglich, einen Gott zu denken, der den Mensch erschaffen hat und der zu einem Kind wurde, das zum wahren Herrscher werden sollte. Auch jetzt erscheint dieser Drache als unbesiegbar, aber auch jetzt bleibt es wahr, dass Gott stärker ist als der Drache, der die Liebe und nicht den Egoismus besiegt.“

Der Heilige Vater erklärte dann die Gestalt der Frau: Sie sei mit der Sonne gekleidet, da sie vom Licht Gottes lebt. Sie habe den Mond zu Füßen, da sie den Tod hinter sich gelassen habe. So lade sie zum Mut ein, in der Liebe zu leben – „auch gegen alle Bedrohungen des Drachens“.

Die Frau gebäre unter Schmerzen: Dies ist für Benedikt XVI. Zeichen der pilgernden Kirche aller Zeiten: „Für alle Generationen muss sie Christus neu gebären, zur Welt bringen, unter großen Schmerzen in dieser leidenden Welt.“ Die Kirche werde zu allen Zeiten von diesem Drachen verfolgt. Zu allen Zeiten aber lebe sie vom Licht Gottes.

Auch heute, so der Heilige Vater, wolle der Drache den zum Kind gewordenen Gott verschlingen. Man brauche aber keine Angst zu haben: „Auch heute ist dieser schwache Gott stark. Er ist die wahre Kraft!“

Das Fest Aufnahme Mariens in den Himmel ist für Benedikt XVI. eine Einladung, auf Gott zu vertrauen und Maria nachzuahmen, die niedrige Magd des Herrn. „Das ist die Lehre: auf dem Weg Mariens zu gehen; unser Leben hinzugeben und es nicht zu nehmen. Gerade so sind wir auf dem Weg der Liebe, der ein Sichverlieren ist; ein Sichverlieren aber, das in Wirklichkeit der einzige Weg ist, um sich wirklich zu finden, um das wahre Leben zu finden.“

Benedikt XVI. beschloss: Die Aufnahme Mariens in den Himmel ist „das Fest der Freude: Gott siegt. Der scheinbar schwache Glaube ist die wahre Kraft der Welt. Die Liebe ist stärker als der Hass. Und sagen wir mit Elisabet: Gebenedeit bist du unter den Frauen. Wir bitten dich mit der ganzen Kirche: Heilige Maria, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.“