Der Weg zur Einheit ist lang, aber man darf die Hoffnung nicht verlieren

Der Papst verweist auf Paulus als Beispiel für den Sieg des Guten über das Böse

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Von Antonio Gaspari

ROM, 26. Januar 2012 (ZENIT.org).- Bei seiner Predigt während der Vesperfeier zum Fest der Bekehrung des Apostels Paulus, die den Abschluss der 45. Gebetswoche für die Einheit der Christen bildete, forderte Papst Benedikt XVI. die Christen auf, mutig und hochherzig den Weg der Einheit weiterzugehen.

In der Basilika Sankt Paul vor den Mauern sagte der Heilige Vater: „Auch wenn es manchmal so aussieht, als sei der Weg zur vollkommenen Wiederherstellung der Einheit noch lang und beschwerlich, lade ich alle ein, ihre Entschlossenheit zu erneuern, mit Mut und Hochherzigkeit die Einheit anzustreben, die Gottes Wille ist“.

Der Papst erwähnte Paulus als Beispiel, weil er „trotz Schwierigkeiten aller Art immer ein festes Vertrauen zu Gott bewahrt hat, der sein Werk nicht unvollendet lässt“.

„Andererseits“, so der Papst weiter, „fehlt es auf diesem Weg auch nicht an positiven Zeichen einer wiedergefundenen Brüderlichkeit und eines gemeinsamen Verantwortungsbewusstseins gegenüber den großen Problemen unserer Welt“.

Der Bischof von Rom erinnerte an die Geschichte von Saulus, „der sich durch den Eifer auszeichnete, mit dem er die junge Kirche verfolgte“ und sich „in einen unermüdlichen Apostel des Evangeliums Jesu Christi wandelte“.

Der Papst wies darauf hin, dass die Bekehrung des heiligen Paulus nicht das Ergebnis langer innerer Überlegungen und auch nicht die Frucht eigener Anstrengungen gewesen sei. „Sie war vielmehr ein Werk der Gnade Gottes, der nach seinen unerforschlichen Plänen handelte“.

Deshalb habe Paulus im Galaterbrief geschrieben: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20).

Der Papst ist der Meinung, die Verwandlung des Paulus beschränke sich „nicht auf die ethische Ebene – als Bekehrung von einem unmoralischen zu einem moralischen Leben – und auch nicht auf die intellektuelle Ebene – als Veränderung der eigenen Einstellung zur Wirklichkeit“. Vielmehr handle es sich „um eine radikale Erneuerung seiner selbst, in vielerlei Hinsicht einer Wiedergeburt ähnlich“.

„Während wir unser Gebet empor schicken“, betonte der Bischof von Rom, „vertrauen wir darauf, verwandelt und dem Bild Christi ähnlich gemacht zu werden“, und dies sei „besonders wahr, wenn das Gebet für die Einheit der Christen gedacht ist“.

In Bezug auf die Einheit der Kirchen erläuterte der Papst: „Auch wenn wir heutzutage die schmerzliche Lage der Trennung erleben, dürfen und müssen wir Christen mit Hoffnung in die Zukunft blicken“, weil „die Gegenwart des auferstandenen Christus alle uns Christen aufruft, uns gemeinsam für das Gute einzusetzen. In Christus vereint, sind wir berufen, seine Mission zu teilen, die darin besteht, Hoffnung zu bringen, wo Ungerechtigkeit, Hass und Verzweiflung herrschen.“

Was die Zeiten anbelangt, erklärte der Papst, dass die Erwartung einer sichtbaren Einheit der Kirche geduldig und vertrauensvoll bleiben müsse und, dass „geduldiges Warten nicht Passivität und Resignation bedeutet, sondern einen aufmerksamen Blick für jede Gelegenheit voraussetzt, die Gott uns zur Brüderlichkeit und Gemeinsamkeit bietet“.

„Dies alles“, so Benedikt XVI. abschließend, „ist ein Grund zur Freude und zu großer Hoffnung und muss uns ermutigen, uns weiterhin zu bemühen, alle zusammen zum endgültigen Ziel zu gelangen, in dem Bewusstsein, dass unsere Mühe nicht vergeblich ist im Herrn“ (vgl 1 Kor 15,5).

[Übersetzung des italienischen Originals von Alexander Wagensommer]