Der Weltjugendtag 2008 ist für Australien eine größere Herausforderung als die Olympiade

Interview mit Sabine Wißdorf, Leiterin der WJT-Delegation in Deutschland

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DÜSSELDORF, 11. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Der internationale Weltjugendtag in der australischen Metropole Sydney (15. - 20. Juli 2008) rückt immer näher. Die Anmeldungen laufen, und rund 5.000 Deutsche haben sich bereits als Pilger registrieren lassen.

Noch 218 Tage sind es bis zur Eröffnung des großen Glaubensfests; Mitarbeiter der kirchlichen Jugendarbeit und die Leiter von Jugendgruppen sowie geistliche Gemeinschaften aus allen deutschen Bistümern organisieren ihre Fahrt zum Fernziel „down under“.

Die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge (AfJ) der DBK ist von der Deutschen Bischofskonferenz mit der nationalen Koordination und der geistlichen Vorbereitung des Weltjugendtags beauftragt worden. Sabine Wißdorf, geschäftsführende Referentin der AfJ war vor kurzem als Leiterin der deutschen Delegation bei der internationalen Vorbereitungskonferenz in Australien. Mit Vertretern aus aller Welt konnte sie sich über die neuesten Anregungen für die Planung und Konzeption des Weltjugendtages in der Hauptstadt des australischen Bundesstaates von New South Wales informieren.

Sydney 2008 werde „logistisch eine größere Herausforderung für das Land sein als Olympia, hat mir die Leitung des zuständigen Unternehmens, ‚Schenker Logistik‘, die auch das Sportereignis begleitete, anvertraut“, erklärte Wißdorf im vorliegenden ZENIT-Interview.

Der nächste Weltjugendtag steht unter dem Motto: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein“ (Apg 1,8). Diesem Leitgedanken der „freudigen Begegnung des Glaubens“, wie sich Papst Benedikt XVI. am 4. Juli ausdrückte (vgl. Aufruf zur geistigen Vorbereitung), widmete der Heilige Vater den „Entwurf einer Meditation“. Sie soll die jungen Menschen dazu anregen, den Glauben an den Heiligen Geist zu vertiefen und zu überprüfen (vgl. Botschaft Benedikts XVI. zum 23. Weltjugendtag).

ZENIT: Sie waren im Auftrag der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz beim internationalen Vorbereitungstreffen in Sydney. Was ist Ihr Eindruck über den Stand der Vorbereitungen? Welche Akzente werden in Sydney gesetzt?

Sabine Wißdorf: Was mich in Australien beeindruckt hat, sind die enormen Hoffnungen, die man dort auf den Weltjugendtag zur Belebung der eigenen Kirche setzt. Alle in der Stadt scheinen von dem Ereignis zu wissen, und alle freuen sich auf die Gäste.

Nun haben wir uns rund drei Monate früher als gewohnt zum Treffen der internationalen Verantwortlichen zusammengefunden, das normalerweise im Januar stattfindet, aber wegen der Hochsaison in der südlichen Hemisphäre aus wirtschaftlichen Gründen vorgezogen wurde.

Auffällig ist, wie nicht nur die ganze Bevölkerung, sondern insbesondere politische Führungskräfte aus der Regierung das Ereignis mittragen. Man konnte dies deutlich in der Frage des geeigneten Ortes für die Begegnung mit Papst Benedikt XVI. sehen, wie die Regierung rund zehn Tage nach dem Veto der Leiter der Pferderennbahn in Randwick eine positive Wende eingeleitet hat.

Australien ist ein Land mit rund 20 Prozent Katholiken. Die Anglikaner stellen die Mehrheit. Das spürt man auch bei der Besetzung des Weltjugendtagbüros. Ganz anders als in unserer Kirche mit ihren vielen hauptamtlichen Theologen, arbeiten bei den Vorbereitungen in Sydney oft aktive Gemeindemitglieder oder Angehörige von Geistlichen Gemeinschaften zu. Und sie tun dies aus einer sehr grundsätzlichen und festen Haltung heraus. So ist eine Ingenieurin, die bei Thyssen-Krupp arbeitet, für den Bereich „Katechese“ zuständig. Von solchen Menschen geht eine spirituelle Ausstrahlung aus, die verbunden ist mit hoher Sachkompetenz. Das ist sehr beeindruckend.

Man merkt, dass die Kirche in Australien auf einem in sich abgeschlossenen Kontinent lebt. Viele Australier, obgleich es ein multikulturelles Land ist, waren noch nie außer Landes. Durch den Weltjugendtag bekommen sie einen wichtigen Kontakt mit Christen von außerhalb, und wahrhaftig zeigen sich unsere australischen Partner sehr dankbar für jede Rückmeldung.

ZENIT: Rund 34 Diözesen und Vikariate rüsten sich in Australien und Neuseeland für die Tage der Begegnung, die vom 14. bis 19. Juli vor Ort gestaltet werden. Wie viele deutsche Teilnehmer werden erwartet, und was erwartet sie beim „Homestay“ in den Familien?

Sabine Wißdorf: Wir wissen von über 5.000 offiziellen deutschen Teilnehmern, die angemeldet worden sind. Aber es fehlen noch Informationen aus verschiedenen Gruppen, und insgesamt sind die Anmeldungen noch nicht abgeschlossen, so dass diese Zahl noch steigen wird.

Anders als beim Verfahren zum WJT 2005 kann sich beim Weltjugendtag in Australien die einzelne Diözese ihren Partner für die Zeit der Tage der Begegnung in den Pfarrgemeinden des Landes selber frei aussuchen. So wurden in den letzten Monaten viele Kontakte geknüpft und wie es scheint, haben sich viele deutsche Diözesen für das Bistum Melbourne entschieden. Ich habe das Gefühl, da wird es schon einen kleinen vorgezogenen Weltjugendtag geben.

Es wurde uns zugesagt, dass die jungen Pilger weitgehend bei Familien wohnen werden. Was vollkommen anders ist als bei uns, ist das Fehlen historisch gewachsener Jugendverbände oder Gliederungen in den Gemeinden. Die jungen Menschen können eher im Raum Schule, Universität, Arbeit und in ihrer Mitarbeit in der Gemeinde, zum Beispiel als Katechet, erlebt werden.

Von dem, was wir gehört haben, sind Ausflüge in die wunderbare Umgebung und speziell ein Kennenlernen der Kultur geplant.

ZENIT: Neben Katechesen, Jugendfestivals und Gottesdiensten findet man dieses Mal keine sozialen Projekte auf dem Programm der Jugendlichen.


Sabine Wißdorf: Es war für uns schon überraschend, dass beim WJT in Sydney die diakonische Dimension in Form eines „Sozialen Tages“ kaum spürbar sein wird. Man hat uns gegenüber artikuliert, dass es unter Jugendlichen und allgemein in Australien kaum Arbeitslosigkeit gibt. Es mag auch daran liegen, dass sich die Jugendarbeit in den Gemeinden meist auf die Mittelschicht beziehungsweise die mittlere Oberschicht konzentriert.

ZENIT: Wie können sich die Jugendlichen in Deutschland innerlich auf das Ereignis vorbereiten und es mittragen, auch wenn sie selbst nicht hinfahren können?

Sabine Wißdorf: Wir werden zu Beginn des neuen Jahres eine geistliche Vorbereitung für den WJT 2008 beginnen. Unter dem Motto „Beflügelt vom Geist“ werden Schritt für Schritt sieben starke Impulse auf einer besonderen Webpage vorgestellt. Weiterhin wird es Materialien und Anregungen zu Aktionen geben, die sich besonders an Verantwortliche in der Jugendarbeit richten. Im Januar wird die Website an den Start gehen; sie ist über die Seite www.afj.de zu erreichen. Wir werden in diese Homepage auch Aktivitäten der Diözesen und Gemeinschaften zu Weltjugendtag mit aufnehmen.

Als besonderes Pilgerzeichen gibt es auf Anforderung dann später auch einen Pilgerhut mit WJT-Logo und einem Hutband in den Nationalfarben. So können deutsche Pilger sich unterm Kreuz des Südens erkennen.

In der Fastenzeit werden wir dann eine Gebetsaktion zur geistlichen Vorbereitung starten, die alle Jugendlichem, ob sie nun nach Sydney fahren oder nicht, einschließen soll. Angelehnt an die erfolgreiche „Magnifikat-Aktion“ im Jahr 2005 wird diesmal der Pfingsthymnus im Zentrum stehen.

ZENIT: Sie leiten verantwortlich die Fahrt der deutschen Delegation zum Weltjugendtag 2008, was viel Arbeit für Sie bedeutet, aber nicht nur das: Worauf freuen Sie sich mit Blick auf Australien ganz besonders?

Sabine Wißdorf: Ich freue mich darauf, in dieser unglaublich großen Stadt ein solches Fest des Glaubens zu erleben. Für mich wird es ein wunderbarer Moment sein, wenn die Jugendlichen die Stadt belegen und sich dort einbringen. Die Bevölkerung wird überrascht sein – von Menschen, die ohne Aggressionen und Vorbehalte miteinander zusammen sind.

Gleichzeitig freue ich mich, dass der Weltjugendtag seit dem Durchbruch mit dem Pariser WJT soviel Offenheit in Deutschland gefunden hat und zu einem Standardtermin geworden ist, der nicht mehr hinterfragt wird.

Entscheidend hat dazu die Person Johannes Pauls II. beigetragen; sein Lebensweg hatte ja durch sein Leiden und sein Auftreten auf den Weltjugendtagen noch einmal auf einer ganz anderen Ebene begonnen. Wie kein anderer hatte er ein vorbehaltloses Vertrauen in die Jugend gesetzt. Papst Benedikt XVI. hat diese Grundhaltung übernommen, so dass die Jugendlichen auch beim Weltjugendtag in Köln gespürt haben, dass sie so angenommen sind, wie sie sind, und dass sie ihren Glauben in der Gemeinschaft der Weltkirche einbringen und feiern können.

[Das Interview führte Angela Reddemann]