„Der Zölibat befähigt zum Dienst an allen Menschen“

Interview mit Dr. Christian Spalek, Rektor der Wiener Peterskirche und Religionslehrer am Theresianum

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WIEN, 17. November 2006 (ZENIT.org).- Der Heilige Stuhl hat in einer gestern vorgelegten Erklärung die Bedeutung des priesterlichen Zölibats unterstrichen.



Für ZENIT ist der Wiener Opus-Dei-Priester Dr. Christian Spalek, Religionsprofessor am Theresianum und Rektor der Peterskirche in der Wiener Innenstadt, näher auf den Wert des zölibatären Lebens eingegangen.

ZENIT: Was bedeutet es, sich für ein zölibatäres Leben zu entscheiden?

--Dr. Spalek: Der Zölibat ist eine Gabe, die der liebe Gott schenkt und durch die er den Betroffenen in die Lage versetzt, alle Männer und Frauen ohne Ausschließlichkeiten als Brüder und Schwestern zu lieben. Er wird sie in dieser Selbstlosigkeit an Christi statt in den Himmel begleiten. Man entscheidet sich dafür, eine Gabe Gottes anzunehmen und zu entfalten.

ZENIT: Wie kann es passieren, dass der Sinn für dieses Geschenk abhanden kommt?

--Dr. Spalek: Der Sinn für dieses Geschenk kann verloren gehen, wenn man die Beziehungen zu den Brüdern und Schwestern und zu Gott nicht pflegt. Es ist genauso wie in der Ehe: Wenn die ausschließliche Beziehung zu einer Frau oder einem Mann nicht gepflegt wird, läuft sie Gefahr, brüchig zu werden. Beziehungen, die nicht gepflegt werden, werden sinnlos.

ZENIT: Wie kann eine brüderliche Beziehung gepflegt werden?

--Dr. Spalek: Indem man all das fördert, was die brüderliche Beziehung stützt: Selbstlosigkeit, Universalität – Freunde such man sich aus (Sympathie), Brüder gibt einem der liebe Gott – und auch das demütige Bewusstsein, dass man Instrument Christi zum Wohl aller Brüder und Schwestern sein darf.

ZENIT: Für den Priesterberuf ist es wichtig, eine fundierte menschliche und christliche Bildung zu erhalten. Was für eine Bildung ist da gemeint?

--Dr. Spalek: Es handelt sich um dieselbe Bildung, die man braucht, um in einer aufrichtigen und ausschließlichen Beziehung zu einer Frau oder einem Mann reifen zu können.

Der Zölibat wird nicht deshalb gewählt, weil man unfähig wäre für Ehe und Familie, im Gegenteil: Wer nicht in der Lage ist, eine Ehe zu führen und einen familiären Sinn zu entwickeln, ist auch nicht in der Lage, die Ehelosigkeit um des Himmelreichs willen zu leben.

Der Zölibat wird gewählt, weil man die hoffentlich immer fundiertere Annahme hat, dass Gott einem diese Gabe geschenkt hat.