Der Zweite Weltkrieg, die „Stunde der Dunkelheit“

Ohne Sinn für Gott ist der Mensch schnell der Macht des Menschen ausgeliefert

| 1920 klicks

ROM, 31. August 2009 (ZENIT.org).- Der „Abgrund der Unmenschlichkeit und der Trostlosigkeit“, der sich nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs auftat, veranlasste Papst Johannes Paul II. vor genau 20 Jahren, dem Kriegsausbruch, dessen wir am 1. September gedenken, ein eigenes Apostolisches Schreiben zu widmen.



Die Menschheit habe die Pflicht, sich an die Kriegsgeschehnisse zu erinnern und „aus dieser Vergangenheit eine Lehre zu ziehen, auf dass sich das Bündel der Ursachen nie wiederholen kann, die imstande wären, einen ähnlichen Weltbrand neu zu entfachen“, so der direkte Vorgänger von Papst Benedikt XVI. anlässlich des damaligen 50. Jahrestags des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs.

„Wir wissen es inzwischen aus Erfahrung, dass die willkürliche Teilung von Nationen, die zwangsweise Umsiedlung von Volksgruppen, die unbegrenzte Wiederaufrüstung, der unkontrollierte Gebrauch hochtechnisierter Waffen, die Verletzung der Grundrechte der Personen und Völker, die Nichtbeachtung der internationalen Verhaltensregeln sowie die Auferlegung von totalitären Ideologien nur zum Ruin der Menschheit führen können.“

Johannes Paul II. beschreibt in dem historischen Dokument das „düstere Bild“ der sich entfesselnden Kriegswirren, die am 1. September 1939 ihren Ausgang nahmen, beklagt den Tod der 55 Millionen Todesopfer und zeigt die verheerenden Folgen für die späteren Generationen auf, um schließlich an alle Menschen zu appellieren, einen Lebensstil und eine Kultur weiterzugeben, „die von Solidarität und Achtung vor dem Nächsten getragen sind“. Das Christentum, so der Papst, müsse in dieser Hinsicht eine Quelle ständiger Inspiration sein: „Seine Lehre von der Person, die nach dem Bilde Gottes erschaffen ist, kann gewiss zum Erstarken eines erneuerten Humanismus beitragen“, bekräftigt er.

Die Staats- und Regierungschefs fordert Johannes Paul II. dazu auf, seine tiefe Überzeugung zu teilen, dass nämlich die „Achtung vor Gott und die Achtung vor den Menschen zusammengehören“, und entsprechend zu handeln. „Sie stellen das absolut notwendige Prinzip dar, das es den Staaten und politischen Blöcken ermöglichen wird, ihre Gegensätze zu überwinden“, bekräftigt der Papst aus Polen.

„Wahre Zivilisation“ entsteht nach seinen Worten nicht durch Gewalt, sondern vielmehr als „Frucht des Sieges über sich selbst…, über die Mächte von Ungerechtigkeit, Egoismus und Hass, die den Menschen sogar ganz und gar entstellen können“.

Die Katholiken ermutigt Johannes Paul II. zu einer „Gewissensprüfung über die Qualität der Evangelisierung Europas“. Die Verkündigung des Evangeliums beziehungsweise die Förderung der christlichen Werte als „Beitrag zum Kommen einer brüderlicheren Welt“ seien von grundlegender Bedeutung. Wo nämlich der Mensch „denkt, lebt und wirkt, als ob es Gott nicht gebe“, dort liege „dieselbe Gefahr“ wie in den Jahren des Zweiten Weltkriegs: „der Mensch, der Macht des Menschen ausgeliefert“.

Das Apostolische Schreiben von Papst Johannes Paul II. aus Anlass des 50. Jahrestages des Beginns des Zweiten Weltkriegs endet mit dem Appell, in den anderen das Siegel Gottes zu erkennen und „einander zu vergeben und zu dienen“.

Man dürfe nicht am Menschen verzweifeln, denn auch Gott tue das nicht. Der Mensch sei immer größer als seine Irrtümer und Fehler. Groß sei er in dem Maß, in dem er „aus seinem Leben eine Antwort auf die Liebe Gottes macht und sich dem Dienst an seinen Brüdern widmet“.

Weiterführende Links: Apostolisches Schreiben zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs