"Deus caritas est", zentrales Thema der 30. Tagung für Bischöfe, die der Fokolar-Bewegung nahe stehen

Benedikt XVI. begrüßt 97 Teilnehmer bei Generalaudienz

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ROM, 17. Februar 2006 (Zenit.org).- Zum ersten Mal hat Papst Benedikt XVI. am Mittwoch eine Gruppe von 97 Teilnehmern der jedes Jahr stattfindenden internationalen Tagung für Bischöfe, die der Fokolar-Bewegung nahe stehen, empfangen.



Während der Generalaudienz wandte sich der Heilige Vater an die Gruppe, die von Kardinal Miloslav Vlk, dem Erzbischof von Prag, begleitet wurde und sagte: "Ich grüße Euch, liebe Bischöfe, die Ihr an der 30. Tagung der Fokolar-Bewegung teilnehmt, und ich ermutige Euch, immer mehr die authentische gemeinschaftliche Spiritualität zu vertiefen, die den priesterlichen und bischöflichen Dienst prägen und kennzeichnen sollte."

Ausgangspunkt für die sechstägige Veranstaltung in der internationalen Tagungsstätte der Fokolare in Castel Gandolfo war die gemeinsame Vertiefung der jüngst veröffentlichten Enzyklika des Papstes "Deus caritas est"". Ihr Thema lautete: "Der gekreuzigte und verlassene Christus, Ausdruck der Liebe Gottes und Weg für die Menschheit."

In ihrer Grußbotschaft hatte die Gründerin der Fokolar-Bewegung, Chiara Lubich, gegenüber den Teilnehmern aus 51 Nationen (von Tansania bis Norwegen, von Korea bis San Salvador) den Wunsch ausgedrückt, dass diese Tage zu einem vertieften Verständnis der Bedeutung des geheimnisvollen Schmerzes der Verlassenheit Jesu am Kreuz beitragen würden, Licht für den Weg des Lebens und Antwort auf viele Fragen schenken sowie zur Einheit führen mögen.

In den sechs Tagen ging es um die Frage der Evangelisierung unter Jugendlichen, um die Zusammenarbeit zwischen den neuen geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen auch im Hinblick auf die Begegnung der katholischen Gemeinschaften mit dem Heiligen Vater am Pfingstfest 2006 in Rom. Man sprach außerdem über Initiativen und Früchte einer "Ökumene des Lebens", die von einer geistlich-spirituellen Ebene ausgeht. Viel Raum war den persönlichen Lebenszeugnissen von Bischöfen, Priestern und Laien gewidmet.

Während des Eröffnungsgottesdienstes unterstrich Kardinal Re, Präfekt der Kongregation für die Bischöfe, seine Wertschätzung für die Spiritualität der 1943 von der damals 23-jährigen Italienerin Chiara Lubich gegründeten Fokolar-Bewegung und der Gemeinschaft der ihr nahe stehenden Oberhirten, die "die Bischöfe in ihrem Amt unterstützt und dazu beiträgt, jeden Menschen als von Gott geliebt zu betrachten".

Erzbischof Rylko, Präsident des Päpstlichen Rates für die Laien, betonte, dass die kirchlichen Bewegungen und Gemeinschaften und ihre Charismen ein besonderes Geschenk seien, da sie "bei der Evangelisierung mitwirken und nicht nur für das Leben der Gläubigen, sondern auch für die Hirten eine geistliche Ressource" seien.

Das Programm bot auch kulturelle Elemente. Sehr bewegend war ein Konzertabend, der dem vietnamesischen Kardinal Van Thuan gewidmet war. Texte aus seinem Nachlass begleitet von Klavierstücken bekannter Komponisten gaben Einblick in das Lebenszeugnis des asiatischen Kirchenmannes, der 13 Jahre in einem vietnamesischen Gefängnis verbracht hatte. Kardinal Van Thuan, der im September 2002 im Alter von 74 Jahren im Ruf der Heiligkeit gestorben war, stand der Spiritualität der Fokolar-Bewegung sehr nahe und war bis zu seinem Tod regelmäßiger Teilnehmer der internationalen Bischofstreffen.

Die erste Begegnung von Bischöfen, die der Fokolar-Bewegung nahe stehen, hatte auf Anregung des verstorbenen Aachener Bischofs Klaus Hemmerle 1977 stattgefunden. Ziel dieser Tagungen ist der geistliche Austausch und die brüderliche Begegnung unter Bischöfen. Papst Paul VI. hatte dieses Anliegen seinerzeit sofort unterstützt. Die geistlichen Impulse kommen aus der Spiritualität der Fokolar-Bewegung. Wichtiges Anliegen ist den Bischöfen, die "Spiritualität der Gemeinschaft" furchtbar werden zu lassen, die Papst Johannes Paul II. mehrfach als Basis für das Leben des Volkes Gottes in den Mittelpunkt gestellt hatte, und einander im Austausch über die persönlichen Erfahrungen zu ermutigen.

Die Fokolar-Bewegung gehört zu den neuen geistlichen Aufbrüchen, die in den letzten 60 Jahren in den christlichen Kirchen entstanden sind. Ihre Ursprünge gehen auf das Jahr 1943 in Trient zurück. Mittlerweile ist sie in mehr als 180 Ländern der Welt vertreten.

Ihr Ziel ist, den Geist der Geschwisterlichkeit verstärkt in Kirche und Gesellschaft und in alle Bereiche des menschlichen Lebens hineinzutragen. Neben dem Engagement in der Ökumene setzt sich die Fokolar-Bewegung unter anderem besonders für einen Dialog unter den Religionen ein. Menschen ohne einen religiösen Bezug finden Zugang durch den gemeinsamen Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit.

Das Wort "focolare" stammt aus dem Italienischen und bedeutet so viel wie "Herdfeuer" oder "Feuerherd" und erinnert somit an die Wärme und Geborgenheit einer Familie. So nannte die Trienter Bevölkerung die erste Gruppe um die Gründerin Chiara Lubich.

Weltweit zählt die Fokolar-Bewegung heute rund 140.000 Mitglieder, schätzungsweise 5 Millionen Menschen stehen mit ihr in Verbindung.