Deutsche Bischöfe: Christen im Nahen Osten brauchen unsere Solidarität

Willkommenskultur für irakische Flüchtlinge hier, Sicherheit für religiöse Minderheiten vor Ort

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HAMBURG, 4. März 2009 (ZENIT.org).- Die Christen im Nahen Osten sind auf die Solidarität der Kirchen im Westen angewiesen. Diesen Appell richtete der katholische Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, gestern in Hamburg an die Christen in Deutschland.

Die in der Hansestadt tagende Deutsche Bischofskonferenz befasst sich auf ihrer Frühjahrs-Vollversammlung intensiv mit dem Schicksal der Christen im Nahen Osten, vor allem mit den Flüchtlingen aus dem Irak und der ständig abnehmenden Zahl von Christen im Heiligen Land.

Dennoch gebe es dort, so Erzbischof Schick, noch sehr aktive Kirchen. Diese unterhielten, auch dank finanzieller Unterstützung aus dem Ausland, Sozialeinrichtungen und Schulen. Auf diese Weise versuchten sie, Frieden und Versöhnung zu fördern.

In Israel bilden die arabischen Christen eine Minderheit sowohl unter den Juden wie unter den Muslimen. In den Palästinensergebieten geraten sie zunehmend unter den Druck der radikal-islamischen Hamas-Bewegung. Erzbischof Schick rief deshalb die politisch Verantwortlichen in Deutschland und der Europäischen Union auf, ihr Möglichstes zu tun, um das Überleben der religiösen Minderheiten im Nahen Osten zu sichern.

Was die Initiativen der Kirche bei der Aufnahme irakischer Flüchtlinge in Deutschland angeht, erklärte Weihbischof Dr. Josef Voß, Vorsitzender der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, in seinem Statement die Bereitschaft der Gemeinden, für eine „angenehme Willkommenskultur“ zu sorgen.

„Die Innen- und Justizminister der Europäischen Union haben sich am 27. November 2008 für die Aufnahme von 10.000 besonders schutzbedürftigen irakischen Flüchtlingen ausgesprochen, die in Syrien und Jordanien vorläufig Zuflucht gefunden hatten“, so Bischof Voss gestern während der Pressekonferenz  in Hamburg. „Dazu gehören auch viele Christen, denen das Leben in der Heimat unmöglich gemacht worden ist. Der Anordnung des Bundesministeriums des Innern vom 5. Dezember 2008 gemäß sollen 2.500 dieser Flüchtlinge in Deutschland aufgenommen werden. Die ersten werden in den kommenden Wochen hier eintreffen.“

Viele dieser Menschen seien traumatisiert, und alle wüssten, „dass sie ‚auf absehbare Zeit keine Aussicht auf Rückkehr in den Irak und auch keine Aussicht auf eine Integration in den Nachbarstaaten des Irak haben’, wie es in der Anordnung des Bundesministeriums des Inneren heißt. Deshalb muss es gelingen, ihnen bei uns Sicherheit, Geborgenheit und Beheimatung zu vermitteln.“

Nach Angaben von Erzbischof Schick lebten 1987 noch rund 1,4 Millionen Christen im Irak, während es heute nur mehr weniger als 400.000 seien. In vielen großen Städten gebe es gar keine christlichen Gemeinden mehr. Fast alle verbliebenen Christen seien in den kurdischen Norden geflohen, wo sie toleriert würden und einigermaßen sicher seien.

Erzbischof Schick leitet die bischöfliche Kommission Weltkirche. Sie pflegt die internationalen Beziehungen der Deutschen Bischofskonferenz, wobei das Hauptaugenmerk auf der Zusammenarbeit mit anderen Bischofskonferenzen liegt. Darüber hinaus trägt die Kommission die Verantwortung für die überdiözesane weltkirchliche Arbeit in Deutschland, vor allem für die Hilfswerke, deren Tätigkeit sie koordiniert und anleitet. Zum Aufgabenspektrum der Kommission Weltkirche gehört auch der interreligiöse Dialog. Bei den Fragen von Entwicklung, Frieden und Menschenrechten arbeitet sie eng mit der Deutschen Kommission Justitia et Pax zusammen.