Deutsche Bischöfe: Der „politisch-diakonische Auftrag“ der Christen in Europa

Erklärung zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge

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BONN, 16. März 2007 (ZENIT.org).- Die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz machen in ihrer gestern veröffentlichten Erklärung (vgl. Dokumente) zur Unterzeichnung der Gründungsverträge der Europäischen Union am 25. März 1957 in Rom auf mehrere Themen aufmerksam, die in der EU-Politik Vorrang haben sollten. Die Christen rufen sie dazu auf, einem „politisch-diakonischen Auftrag“ nachzukommen: für die Würde des Menschen einzutreten.



In der Erklärung „Europa: In Verantwortung vor Gott und den Menschen“ betonen die deutschen Hirten, dass die europäische Politik grundsätzlich vom christlichen Menschenbild geprägt sei, nach dem der Mensch nach dem Bild Gottes geschaffen ist. Diese Überzeugung „ist das eigentliche christliche Erbe Europas, das in der Gegenwart Europas lebendig und für die Gestaltung der Zukunft Europas von bleibender Bedeutung ist“, schreiben die Bischöfe. Das schließe „Anfragen und Kritik an konkreten politischen Maßnahmen nicht aus, sondern fordert sie gerade heraus, wie etwa hinsichtlich einer EU-Forschungsförderung, die den Schutz des Lebens nicht hinreichend ernst nimmt. Hier haben die Kirchen und jeder einzelne Christ einen bleibenden politisch-diakonischen Auftrag.“

In den „nicht relativierbaren“ Worten am Anfang der Europäischen Grundrechtecharta: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, komme der „unbedingte Vorrang des Menschen“ zum Ausdruck, heißt es in dem Dokument. „Der Mensch ist allem gesellschaftlichen und staatlichen Handeln vorgeordnet. Er ist Person, deren Würde angetastet wird, wenn ihre Freiheit ungerechtfertigt beschnitten oder das Leben – in welcher Phase auch immer – durch Menschen beendet wird.“ Die Mitglieder des deutschen Episkopats weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Würde des Menschen aber auch angetastet werde, „wenn er nicht ein Mindestmaß an Gütern hat, um sich am Leben der Gesellschaft zu beteiligen, denn der Mensch ist nicht nur Individuum, sondern zugleich ein soziales Wesen. Er ist auf andere bezogen, er lebt mit anderen, nicht allein.“ In diesem Sinn heben die Hirten die soziale Dimension der europäischen Integration hervor, die eine andauernde Verpflichtung bleibe.

„Wenn wir heute zu Recht die glückliche Erfolgsgeschichte der europäischen Integration in den vergangenen fünfzig Jahren feiern, dann bekennen wir uns zugleich zu dem Menschenbild, das Europa zutiefst prägt“, heißt es weiter. „Deshalb gehört in einen europäischen Grundlagentext, der die Verfassung der Europäischen Union umschreibt, sowohl eine rechtlich verbindliche Charta europäischer Grundrechte als auch ein der geschichtlichen Wahrheit verpflichteter Bezug auf das christlich-jüdische Erbe Europas und dessen bleibende Wirksamkeit.“