Deutsche Bischöfe für "Bollwerk gegen jede Tendenz, die Toten technisch zu entsorgen"

Frühjahrs-Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz von 14. bis 17. Februar

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BONN/OLDENBURG, 16. Februar 2005 (ZENIT.org).- "Tote begraben und Trauernde trösten" ist der Titel eines Wortes der deutschen Bischöfe, das sich mit dem Wandel der Trauer- und Bestattungskultur befasst. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, und der Vorsitzende der Pastoralkommission, Bischof Dr. Joachim Wanke, haben den Text, der nach einer abschließenden Überarbeitung in der Reihe "Die deutschen Bischöfe" vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz herausgegeben wird, diesen Dienstag bei einem Pressegespräch vorgestellt.



Gerade im Umgang mit Leid und Tod werde von der Kirche viel erwartet, so Kardinal Lehmann. "Für die Gestaltung des Totengedenkens und der Erinnerungskultur wird der Kirche eine hohe Kompetenz zugetraut." Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen und dem Bemühen einiger Bundesländer, ihre rechtlichen Bestimmungen zum Bestattungs- und Friedhofswesen zu novellieren, stehe auch die Sorge der Kirche um die Toten und ihre Hinterbliebenen vor großen Herausforderungen. Angesichts einer wachsenden Tendenz zur anonymen Bestattung oder der vieldiskutierten Bestattungsform der Urne in einem so genannten "Friedwald" erinnern die Bischöfe an die Notwendigkeit fester Rituale und konkreter Orte, um den Verlust bewältigen zu können. "Wenn auf Trauer und Totengedächtnis leichtfertig verzichtet wird, gehen Möglichkeiten des Menschseins verloren – die Fähigkeit zur Erinnerung und zu bewahrendem Eingedenken, ohne die es keine Hoffnung auf eine gute Zukunft geben kann."

Die Glaubenspraxis der Christen "ist ein Bollwerk gegen jede Tendenz, die Toten technisch zu entsorgen", so Bischof Dr. Joachim Wanke. Der Text der Bischöfe "will die Praxis des christlichen Begräbnisses und der Erinnerung an die Toten durch die Gläubigen stärken". Konkret gehe es beispielsweise um die Entwicklung neuer Formen des Totengedenkens und Möglichkeiten des Beistandes bei der Bestattung Verstorbener ohne Kirchenzugehörigkeit, aber auch um eine stärkere Einbindung der Sorge um die Toten in die Solidarität mit den Kranken und Sterbenden. Das Zeugnis, das Christen im Umgang mit Tod und Trauer geben, werde auch "bedeutsam sein für die öffentliche Diskussion der von den Biowissenschaften ausgelösten Frage nach der Würde und den Grenzen menschlichen Lebens."