Deutsche Bischöfe für dynamische Gemeinden und verantwortungsvolle Familienpolitik beziehungsweise Jugenderziehung

Ergebnisse der diesjährigen Frühjahrs-Vollversammlung im Kloster Reute

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REUTE/BAD WALDSEE, 17. April 2007 (ZENIT.org).- „Die Kirche ist für alle da – auch für jene, die abseits stehen oder inaktiv sind“, bekräftigte Karl Kardinal Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Bischof von Mainz, bei der Vorstellung der Ergebnisse der Frühjahrs-Vollversammlung der deutschen Hirten, die vom 10. bis zum 13. April im Kloster Reute bei Bad Waldsee stattfand.



Im Mittelpunkt der viertägigen Beratungen stand nach den Ausführungen des Kardinals die Zukunft der Pfarrgemeinden in einer mobilen und sich verändernden Gesellschaft. Die 71 Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz beleuchteten weiterhin ausführlich das Thema Ehe und Familie und in diesem Zusammenhang die Fragen nach dem Ausbau der Kleinkinderbetreuung und einer familiengerechten Rentenreform. Weitere Themen waren die Darstellung von Gewalt in digitalen Medien sowie die virtuelle Welt des Internets.

„Mehr als Strukturen – Entwicklungen und Perspektiven der pastoralen Neuordnung in den Diözesen“, so lautete die Überschrift zum ersten Studientag, den die Bischöfe und Weihbischöfe aus 27 Diözesen abhielten.

In seinem Hauptvortrag zum Thema „Pfarrei – Kirche vor Ort“, unterstrich der Bamberger Erzbischof die Rolle der „Pfarrei als Normalfall der Kirche vor Ort“.
Pfarreien seien als tragende Strukturen der Seelsorge wandelbar und könnten entsprechend geschichtlicher und gesellschaftlicher Herausforderungen verändert werden, betonte Erzbischof Schick. „Das Ehrenamt ist zu stärken, damit die Pfarrei selbst Trägerin der Verkündigung, der Liturgie und der Caritas sein kann“, betonte er. „Dies führt zu einer partizipativen und eigenverantwortlichen Praxis und auch zu einer Relativierung von Strukturfragen.“

Die Weitung pastoraler Räume als Reaktion der Kirche auf die veränderten Lebensgewohnheiten der Menschen wertete der Bischof von Trier, Bischof Dr. Reinhard Marx, als Antwort der Kirche auf die wachsende Mobilität. „Auf die Nähe zu den Menschen kann die Kirche nicht verzichten“, unterstrich er. „Die Feier der Sakramente ist immer eingebettet in die Lebenswelt.“

Für die Familiensonntage 2008 bis 2010 haben sich die deutschen Bischöfe für das Leitthema „Liebe miteinander leben“ entschieden. Es soll in den einzelnen Jahren unter folgenden Aspekten entfaltet werden: 2008 „Zueinander aufbrechen“, 2009 „Miteinander leben“, 2010 „Beieinander bleiben“.

Kardinal Lehmann wies darauf hin, dass sich viele Familien aus ganz unterschiedlichen Gründen zur Berufstätigkeit beider Elternteile veranlasst sähen. „Daher ist ein Ausbau der Plätze für frühkindliche Betreuung und Erziehung erforderlich.“ Auf der anderen Seite entschieden sich aber auch viele Eltern „aus guten Gründen dafür, die Berufstätigkeit eines Elternteils, zumeist der Mutter, zumindest in den ersten drei Lebensjahren aufzugeben, um so die Betreuung, Pflege und Erziehung der Kinder in der Familie zu leisten“. Deshalb habe der Staat die Aufgabe, „eine echte Wahlmöglichkeit der Eltern zu unterstützen“; er dürfe nicht nur Anreize für ein Betreuungsmodell setzen.

Aktuelle Entwicklungen in den digitalen Medien, bei dem es insbesondere um den Aspekt der Gewalt und des virtuellen Lebens ging, beleuchtete der Vorsitzende der Publizistischen Kommission, Bischof Dr. Gebhard Fürst. „Die über Internet oder Handy erreichbaren Angebote von Bildern extremer Gewalt, sei es fiktional oder real (wie zum Beispiel Videos von Hinrichtungen), und Pornographie erreichen immer öfter Kinder und Jugendliche“, stellte er fest. „Auch wenn noch nicht schlüssig geklärt ist, welche Auswirkungen der Konsum solcher Inhalte hat, so sind doch weit reichende Schädigungen zu befürchten“, warnte der Oberhirte der Diözese von Rottenburg-Stuttgart.

Der Bischof hob die Schädlichkeit von Computerspielen hervor und insbesondere „die Gefährdung durch extrem gewalthaltige Spiele und durch exzessiven Konsum“. Andere Gefahren, die es zu bedenken gelte, seien „mit der Faszination von virtuellen Parallelwelten“ verbunden, die die Wahrnehmung der Wirklichkeit verstellen oder manipulieren, wie beispielsweise „Second Life“. Eine solche Entwicklung, die eine Art von Monokultur und Einfalt begünstige, gehe die ganze Gesellschaft an. Kardinal Lehmann: „Nicht nur Kinder und Jugendliche, auch Erwachsene als Hersteller und Rezipienten dieser Medienangebote sind betroffen.“

Die Hirten baten die Mitglieder der bischöflichen Publizistische Kommission, der Kommission für Ehe und Familie und der Jugendkommission, angesichts der Problematik der Computerspiele, Internetangebote und Handy-Nutzung mit vereinten Kräften konkrete Vorschläge für kirchliche Initiativen zu erarbeiten.

Der Weihbischof für Sydney (Australien), Anthony Fisher OP, unterrichtete die Vollversammlung des deutschen Episkopats über den Stand der konkreten Planungen und Vorarbeiten zum XXIII. Weltjugendtags 2008, der vom 10. bis 14. Juli 2008 unter dem Leitwort „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird, und ihr werdet meine Zeugen sein“ (Apg 1,8), in Sydney stattfinden wird. Der Bischof sprach auch eine entsprechende Einladung an die Kirche in Deutschland aus. Der Bischof von Osnabrück, Dr. Franz-Josef Bode, informierte als Vorsitzender der Jugendkommission seinerseits über den aktuellen Stand der Vorbereitungen auf den Weltjugendtag 2008 in den deutschen Diözesen.

Was ihr weltkirchliches Engagement betrifft, unterstützen die deutschen Bischöfe nachdrücklich die Forderung der Bischofskonferenz von Zimbabwe nach einem Ende der Gewalt und dem Aufbau von Rechtsstaatlichkeit und echter Demokratie in ihrem Land. Wir teilen das „klare, unmissverständliche Nein zu Gewaltherrschaft, Unterdrückung und Einschüchterung“, so Kardinal Lehmann.

„Der Willkür muss ein Ende gemacht werden. Denn ‚die Fundamente einer guten Regierung müssen auf der soliden Basis der Gesetze stehen, die die Rechte der Bürger schützen‘“, fuhr er mit Worten Johannes Pauls II. aus dem Nachsynodalen Schreiben Ecclesia in Africa (112) fort.