Deutsche Bischöfe kritisieren Monopolstellung des Schulfachs Ethik in Berlin

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BERLIN, 9. März 2006 (Zenit.org).- Die deutschen Bischöfe teilen die Kritik des Erzbischofs von Berlin, Georg Kardinal Sterzinsky, an der Monopolstellung des Faches Ethik in der deutschen Bundeshauptstadt. Das erklärte Karl Kardinal Lehmann, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, am Donnerstag in Berlin.



"Faktisch wird damit der Religionsunterricht, dessen Stellung in Berlin ohnehin erheblich schwächer als in anderen Bundesländern ist, aus der Schule gedrängt", betonte Kardinal Lehmann im Namen der 70 Mitglieder der deutschen Bischofskonferenz in Bezug auf die Entscheidung des Berliner Senats, zum kommenden Schuljahr das Fach Ethik als Pflichtfach für alle Schülerinnen und Schüler der weiterführenden staatlichen Schulen einzuführen.

"Wir unterstützen nachdrücklich die Forderung nach der Einführung von konfessionellem Religionsunterricht und Ethik als gleichberechtigte ordentliche Unterrichtsfächer. In Berlin könnte das durch die Einrichtung eines Wahlpflichtbereichs geschehen. Das plurale Angebot religiös bildender Fächer in der Schule entspricht der religiösen Pluralität in der Hauptstadt. Wir sind überzeugt, dass dieses Modell das friedliche Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen besser fördert als ein staatliches Pflichtfach, das in einem pluralistischen Gemeinwesen ohnehin wegen seiner geistigen Grundorientierung Fragen aufwirft."

Neue Richtlinien für den Religionsunterricht

Im Rahmen ihrer Vollversammlung, die vom 6. bis zum 9. März in Berlin stattfand, beschäftigten sich die Bischöfe auch mit den kirchlichen Richtlinien für den katholischen Religionsunterricht in der Grundschule. Ziel dieser Vorgaben sei es, "genauer als in den herkömmlichen Lehrplänen festzulegen, was Schülerinnen und Schüler am Ende der vierjährigen Grundschulzeit im Fach Katholische Religionslehre wissen und können sollen". Dazu gehörten Fähigkeiten wie "die Weihnachtsevangelien und ihre zentrale Botschaft wiedergeben", "an Beispielen darstellen, was Nachfolge Jesu bedeutet", "das Kirchenjahr und seine zentralen Feste beschreiben und deuten" oder "wichtige Elemente des jüdischen und muslimischen Glaubens benennen". Die Richtlinien sollen im Frühsommer 2006 in der Reihe "Die deutschen Bischöfe" veröffentlicht werden.