Deutsche Bischofskonferenz: keine anonymen Bestattungen

Orientierungshilfen zur Bestattungskultur

| 743 klicks

BONN, 30. November 2011 (ZENIT.org). - Die Bestattungskultur in Deutschland habe in den letzten Jahren einen einschneidenden Wandel erfahren. Es seien neue Formen entstanden, die der Mobilität der Menschen, der zunehmenden Vereinsamung im Alter, dem Rückgang der Religiosität oder auch dem Wunsch, den Nachkommen nicht zur Last zu fallen, entsprächen.

So die Deutsche Bischofskonferenz zu ihrer neuen Broschüre „Der Herr vollende an Dir, was er in der Taufe begonnen hat. Katholische Bestattungskultur angesichts neuer Herausforderungen“, in der dieses Thema aufgegriffen wird und die gleichzeitig Orientierungshilfen bietet.  Dabei geht es zum Beispiel um neue Orte der Beisetzung, etwa in der Natur oder in Kolumbarien sowie um die zunehmende Anzahl von anonymen Bestattungen, von denen die Bischofskonferenz ausdrücklich abrät.

Noch sei es gesellschaftlicher Konsens, dass Menschen nicht einfach „entsorgt" werden dürfen, sondern dass ihnen eine würdevolle Bestattung als Mitmenschen zukommt. So sei auch die Würde des Bestattungsortes zu wahren, da dort das Gedenken an die Toten in besonderer Weise gewährleistet sei.

„Wert und Würde kommen einem Menschen jedoch nicht nur im Leben zu, sondern reichen über den Tod hinaus“, so die Bischöfe in ihrer Broschüre. Die Bestattungskultur einer Gesellschaft sei auch ein Ausdruck von Humanität und des Umgangs mit den Lebenden, betonen sie. Gerade die katholische Bestattungskultur berge einen Schatz an würdevollem Umgang mit den Verstorbenen und ihren Angehörigen, an Pietät und rituellen Vollzügen, die sich seit langer Zeit bewährt hätten.

„Auch wenn das kirchliche Begräbnis zuerst ein Dienst an den Verstorbenen ist, so ist es
doch zugleich auch ein Dienst an den Trauernden. Die Kirche begleitet mit ihrer Liturgie die
Angehörigen, die vor allen anderen die Aufgabe haben, den Leib der Verstorbenen zu
begraben. In einer menschlich häufig nur schwer zu ertragenden Situation vermögen die Feier der Liturgie, die anwesende Gemeinde und das rituelle Handeln der Kirche den Trauernden Halt zu geben", so liest man in der Orientierungshilfe.

Das geltende kirchliche Gesetzbuch der römisch-katholischen Kirche, der Codex Iuris Canonici von 1983, empfehle nachdrücklich eine Erdbestattung des Leichnams.

Deshalb seien die Begräbnisstätten oder ausgemauerten Grüfte, in denen der Leib eines Verstorbenen ruht, als Orte der Erinnerung und des Gebetes für viele eine große Hilfe im Trauerprozess.

Die Bischöfe raten ausdrücklich von anonymen Bestattungen ab.

Würden die Angehörigen den Ort der Beisetzung nicht kennen, erwiese sich das nicht selten als eine erhebliche Belastung für den Trauerprozess.

In einer Zeit der Vereinzelung seien auch die festen Bruderschaften der Kirche, die die Verantwortung für das Begräbnis ihrer Mitglieder übernähmen, von aktueller Bedeutung und deren Traditionen seien zu stärken.

Obwohl die Bischöfe die Erdbestattung empfehlen, verbieten sie die Feuerbestattung nicht explizit. Allerdings solle die Eucharistie und Verabschiedung nach Möglichkeit vor der Kremation und in Anwesenheit des Leichnams gefeiert werden. Gerade wenn die Verabschiedung nicht unmittelbar vor der Beisetzung erfolge, sollte wieder vermehrt die Möglichkeit genutzt werden, den Sarg mit dem Leichnam zur Messfeier in der Kirche aufzustellen und dort mit der liturgischen Verabschiedung zu enden.

Die vollständige Broschüre finden Sie hier.

[jb]