Deutsche Bischofskonferenz stellt Abschlussbericht zur Hotline für Betroffene sexuellen Missbrauchs vor

Auch zukünftig gründliche Aufarbeitung und umfangreiche Beratungsangebote

Bonn, (ZENIT.orgDBK PM) | 1255 klicks

Die Deutsche Bischofskonferenz und die Lebensberatung des Bistums Trier haben heute in Trier den „Tätigkeitsbericht zum Abschluss der Telefonhotline der Deutschen Bischofskonferenz für Betroffene sexuellen Missbrauchs“ vorgestellt.

Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz hat die Lebensberatung des Bistums Trier im März 2010 eine bundesweite Beratungshotline für Betroffene sexueller Gewalt gestartet. Ziel war es, die Betroffenen zu ermutigen, über den sexuellen Missbrauch zu sprechen, der ihnen im Bereich der katholischen Kirche angetan wurde, und sie bei der Aufarbeitung des Erlebten zu unterstützen. Dafür standen geschulte Beraterinnen und Therapeuten bereit. Die Hotline gehörte zu einem umfassenden Maßnahmenpaket, das die Frühjahrs-Vollversammlung der deutschen Bischöfe im Februar 2010 beschlossen hatte. Die gebührenfreie Telefonhotline, verbunden mit der Möglichkeit zu Internetberatung, war für viele Betroffene erster Anlaufpunkt, Beratungs- und Beschwerdestelle und diente ihnen so als Türöffner und Lotse in der Vermittlung weiterer Beratungsangebote in ihrer örtlichen Nähe. Das Hotline-Angebot war nach Freischaltung bis September 2011 vorgesehen, wurde dann jedoch zunächst bis April 2012 und später bis Dezember 2012 verlängert. Ende Dezember 2012 erfolgte die Abschaltung, da die sinkende Nachfrage schon seit längerer Zeit eine Aufrechterhaltung des Telefon-, Internet- und postalischen Beratungsangebots nicht mehr rechtfertigte. Betroffene können sich weiterhin an die diözesanen Ansprechpartner und Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen der jeweiligen Bistümer sowie die Beratungsstellen des Deutschen Caritasverbandes und die Telefonseelsorge wenden und deren umfangreiche Angebote in Anspruch nehmen. Neben eigener qualifizierter Beratung vermitteln sie auch, soweit gewünscht, den Kontakt zu externen Beratungsstellen. Die Internetseite hält die entsprechenden Kontaktdaten und Informationen nach wie vor bereit.

Bereits im Herbst 2010 stellte die Deutsche Bischofskonferenz einen Zwischenbericht vor. In die jetzt erfolgte, abschließende Auswertung flossen Daten bis einschließlich August 2011 ein. Insgesamt wurden 8.465 Gespräche geführt, im Jahr 2012 waren es 691 Gespräche. Aus den erstellten Statistikbögen ergaben sich 1.596 verwertbare Datensätze, die in die Auswertung eingeflossen sind. Bei der Internetberatung registrierte der Server 2.501 Nachrichten von 352 Personen. Teilweise gab es pro Ratsuchendem und geschultem Berater nur zweimal einen Austausch, andere wurden über einen längeren Zeitraum begleitet. Die qualifizierten Fachexperten waren in der Beratungsarbeit der Dienststellen der Lebensberatung im Bistum Trier tätig und verfügten über mindestens drei Jahre Berufserfahrung im psychologisch-therapeutischen Bereich. Aus dem Internetangebot fanden 316 Datensätze in der jetzt vorgestellten Auswertung Berücksichtigung, von den postalisch beim Bonner Büro des Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz eingegangenen 600 Briefen 183. Als nicht verwertbar wurden beispielsweise Anrufe mit Schweigen oder Auflegen, Beschimpfungen oder Scherzanrufe eingeordnet. Somit lagen 2.095 Datensätze vor, darunter 271 Mehrfachanrufer. Der Datensatz wurde um diese bereinigt, wenn Aussagen über Tatumfeld, Täter und Auswirkungen der Taten getroffen werden sollten, sodass sich der Großteil der Ergebnisse auf eine Datenbasis von 1.824 Fällen bezieht. Die Betroffenen bestimmten das Ausmaß der registrierten und verwerteten Daten selbst.

Der Abschlussbericht führt unter anderem Geschlecht, Alter, Art des Delikts und der katholischen Einrichtungen wie Internate, Pfarreien, Heime oder Zeltlager, sowie die Folgen des sexuellen Missbrauchs wie zum Beispiel sogenannte Flashbacks, Depressionen, Panikattacken, Suchterkrankungen und Misstrauen gegenüber der Kirche und Menschen auf. Bei den gemeldeten Fällen handelte sich um Taten, die den kriminologischen Charakter einer Beziehungstat erfüllten und die Täter demnach eine enge soziale Beziehung arrangierten, die Taten systematisch planten und die Betroffenen über längere Zeit ausnutzten.

Bischof Dr. Stephan Ackermann, der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im kirchlichen Bereich, bedankte sich bei allen Betroffenen, deren Freunden und Angehörigen, die die Hotline genutzt haben, für den Mut und das Vertrauen, das sie damit der Kirche geschenkt hätten. „Wir wollen das Vertrauen nutzen, um mit allen Kräften heute und in Zukunft das Verbrechen sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen zu verhindern“, so Bischof Ackermann. Er versicherte, dass die Bischöfe sich „weiterhin  mit gleichbleibender Intensität und Konsequenz um eine gründliche und transparente Aufarbeitung bemühen werden“. Dies sei man der Glaubwürdigkeit der Arbeit und des Engagements vieler Mitarbeiter sowie den Mitgliedern der katholischen Kirche schuldig, sagte Bischof Ackermann und hob hervor: „Wir sind es auch den Betroffenen schuldig, die darauf hoffen, dass die katholische Kirche sich auch in wissenschaftlich-systematischer Hinsicht der Aufarbeitung stellt“. Für Betroffene gäbe es selbstverständlich auch weiterhin umfangreiche kirchliche Beratungsangebote. Das wissenschaftliche Forschungsprojekt sei ein wichtiger Baustein im Maßnahmenpaket, aber eben nicht der einzige.

Dr. Andreas Zimmer, Präventionsbeauftragter und Leiter des Arbeitsbereichs Beratungsdienste beim Bistum Trier, ergänzte: „Weltweit gab es zum ersten Mal für Betroffene eine solche Hotline der katholischen Kirche, und sie wurde mit hohem Bedarf genutzt.“ Jedes Schicksal sei einzigartig und verlange, dass genau hingeschaut würde. Von Anfang an hätten zudem auch Menschen das Angebot der Hotline in Anspruch genommen, bei denen die Beschuldigten nicht aus den Reihen kirchlicher Funktionsträger, sondern zum Beispiel aus dem Bereich Familie, staatliche Schule oder Gesundheitswesen stammten. „Die Meldungen der Betroffenen und ihrer Angehörigen hatten Wirkung. Viele fanden Unterstützung in den beraterischen Angeboten der Hotline“, so Dr. Zimmer.

Die Erkenntnisse des Abschlussberichts werden auch bei der Jahrestagung der Präventionsbeauftragten der Bistümer im Februar sowie bei der Überprüfung der Rahmenordnung „Prävention von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ vom September 2010 Berücksichtigung finden, die Ende Januar startet.

Hinweise:
Die Statements von Bischof Dr. Stephan Ackermann und Dr. Andreas Zimmer, die Präsentation von Dr. Zimmer sowie der Abschlussbericht finden Sie untenstehend zum Herunterladen.
Weitere Informationen zum Thema finden Sie in unserem Dossier „Sexueller Missbrauch“ sowie auf dem Internetportal  und unter Missbrauchshilfe.