Deutsche Bundeskanzlerin Merkel telefonierte mit Papst Benedikt XVI.

Die Schoah, eine immerwährende Mahnung

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ROM/BERLIN, 9. Februar 2009 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel haben gestern, Sonntag, miteinander telefoniert.

„Es war ein gutes und konstruktives Gespräch, getragen von dem gemeinsamen tiefen Anliegen der immerwährenden Mahnung der Schoah für die Menschheit", berichtete Pater Federico Lombardi, Leiter des Presseamtes des Heiligen Stuhls, und Ulrich Wilhelm, Sprecher der Bundesregierung, anschließend in einer gemeinsamen Presseerklärung.



Nach den Diskussionen um die Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe der Priesterbruderschaft Pius X. und die Holocaust-Leugnung eines dieser Bischöfe, des Briten Williamson, tauschten der Papst und die Kanzlerin in „großem gegenseitigen Respekt" ihre Haltungen aus.

Der Heilige Stuhl verlangt, dass Bischof Williamson seine Aussagen zum Holocaust widerruft. Von der Pius-Bruderschaft erwartet er sich, dass sie sich eindeutig zum Zweiten Vatikanischen Konzil und insbesondere zum Konzilsdokument „Nostra aetate" über den interreligiösen Dialog bekennt sowie die Autorität der Päpste anerkennt.

In einer diesbezüglichen Erklärung, die das vatikanische Staatssekretariat am 4. Februar veröffentlichte, heißt es unter anderem: „Die Stellungnahmen von Bischof Williamson zur Schoah sind absolut inakzeptabel und sind vom Heiligen Vater klar zurückgewiesen worden, wie er selbst am vergangenen 28. Januar hervorgehoben hat, als er mit Bezug auf diesen furchtbaren Völkermord seine volle und nicht hinterfragbare Solidarität mit unseren Brüdern bekräftigt hat, denen der Erste Bund gilt. Er hat betont, dass die Erinnerung an diesen schrecklichen Genozid die ‚Menschheit dazu bringen muss, nachzudenken über die unvorhersehbare Gewalt des Bösen, wenn es das Herz des Menschen erobert‘, und fügte hinzu, die Schoah bleibe ‚für alle eine Mahnung gegen das Vergessen, gegen die Leugnung oder den Reduktionismus, denn die Gewalt gegen einen einzigen Menschen ist Gewalt gegen alle‘.

Bischof Williamson wird, um zu bischöflichen Funktionen in der Kirche zugelassen zu werden, auch auf absolut unzweideutige und öffentliche Weise auf Distanz zu seinen Stellungnahmen zur Schoah gehen müssen - Stellungnahmen, die der Heilige Vater im Moment der Aufhebung der Exkommunikation nicht kannte.

Der Heilige Vater bittet alle Gläubigen um Begleitung im Gebet, damit der Herr den Weg der Kirche erleuchte. Möge der Eifer der Hirten und aller Gläubigen wachsen, um die heikle und schwere Mission des Nachfolgers des Apostels Petrus als „Hüter der Einheit" in der Kirche zu unterstützen."