Deutsche Ordensoberenkonferenz protestiert gegen Pläne zur Abhörung von Geistlichen

Abt Hermann Josef Kugler: Stillschweigen muss eingehalten werden

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BONN, 23. Januar 2008 (ZENIT.org).- Die Deutsche Ordensoberenkonferenz (DOK) protestiert gegen Pläne des Bundesinnenministeriums, künftig auch Geistliche abzuhören, selbst wenn dadurch Gefahr für Leib und Leben oder Freiheit von Personen abgewendet werden kann(vgl. Zenit vom 18. Jan 2008). Dies würde eine aus Sicht der Orden inakzeptable Aufweichung des Beicht- und Seelsorgsgeheimnisses darstellen. Damit geriete ein über 800 Jahre altes humanitäres Kulturgut in Gefahr, dass die Würde des Einzelnen, auch des schuldig gewordenen Menschen, in besonderer Weise achtet.

Mit ihren Seelsorge- und Beichtangeboten stellen Ordensgemeinschaften und Klöster einen geschützten Raum zur Verfügung, der es ermöglicht, auch intime oder geheime Themen zur Sprache zu bringen – selbst dann, wenn jemand massive Schuld auf sich geladen hat. „Nur wenn Menschen damit rechnen können, dass das unbedingte Stillschweigen, zu dem etwa der Beichtvater verpflichtet ist, eingehalten wird, bleibt dieses Angebot vertrauenswürdig“, stellte Abt Hermann Josef Kugler O.Praem., stellvertretender Vorsitzender der DOK, am 22. Januar in Windberg fest.

Die DOK fordert daher das Bundesinnenministerium auf, jede Aufweichung des Zeugnisverweigerungsrechtes für Priester zu verhindern und in den Geheimnischarakter von Beicht- und Seelsorgsgesprächen auch nicht durch die Möglichkeit von Abhörmaßnahmen einzugreifen. Die Ordensgemeinschaften in Deutschland werden sich gegebenenfalls mit den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten gegen solche Schritte zur Wehr setzen; sie würden aus Sicht der Deutschen Ordensoberenkonferenz einen Bruch des Konkordats mit dem Vatikan darstellen.