Deutscher Caritas-Präsident: Neue Strukturen keine Auswirkung auf Caritas in Deutschland

Interview mit Prälat Dr. Peter Neher, Caritas Deutschland

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Von Jan Bentz

ROM, 22. Mai 2012 (ZENIT.org). - In einem Erlass hat Anfang Mai der Heilige Stuhl verschiedene strukturelle und organisatorische Änderungen der Statuten von „Caritas Internationalis“, dem Dachveband der in den einzelnen Ländern arbeitenden Caritas-Organisationen der Kirche, festgelegt, die eine engere Bindung der Organisation an den Heiligen Stuhl zur Folge haben sollen [ZENIT berichtete].

Prälat Dr. Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes, erklärte gegenüber ZENIT, welche Auswirkungen diese neuen Statuten für Caritas Deutschland haben.

ZENIT: Würden Sie sich kurz unseren Lesern vorstellen?

Prälat Dr. Peter Neher: Seit 2003 bin ich Präsident des Deutschen Caritasverbandes. Als katholischer Priester war ich u.a. in der Klinik- und Pfarrseelsorge sowie in der Priesterausbildung tätig. Die Nöte der Menschen in all ihren Facetten sind mir deshalb sehr vertraut. Bevor ich zum Präsidenten der Deutschen Caritas gewählt wurde, habe ich die vielfältigen Arbeitsbereiche und Aufgaben der Caritas in meiner Tätigkeit als Direktor des Diözesancaritasverbandes Augsburg kennengelernt.

ZENIT: Caritas Internationalis hat vor kurzem einige neue Richtlinien des Heiligen Stuhls erhalten. Wie war die Reaktion von Caritas Deutschland auf diese Wiederausrichtung auf Rom?

Prälat Dr. Peter Neher: Caritas Internationalis (CI), die weltweite Föderation der über 160 Caritas-Mitgliedsorganisationen, hat als Folge einer vor Jahren erfolgten Statusänderung als kirchliche Organisation eine neue Satzung erhalten. Insofern ist also der Dachverband betroffen und nicht die einzelnen nationalen Organisationen. Der Deutsche Caritasverband (DCV) hat seit 1916 eine von den Bischöfen anerkannte Satzung, die zuletzt 2003 angepasst und von den Deutschen Bischöfen genehmigt wurde. Analog gilt das für die Satzungen der Diözesancaritasverbände, die allesamt von den jeweiligen Ortsbischöfen genehmigt sind.

ZENIT: Gibt es konkrete Auswirkungen der Umstrukturierungen auf Caritas Deutschland, zum Beispiel einen Personalwechsel, der von Bedeutung ist?

Prälat Dr. Peter Neher: Vor dem oben skizzierten Hintergrund hat die neue Satzung von CI keine Auswirkung auf die Caritas in Deutschland. In der von den Bischöfen approbierten Satzung des DCV kann beispielsweise der Präsident nur mit Zustimmung der Deutschen Bischofskonferenz gewählt werden. Der für die Caritas zuständige Bischof hat das Recht, an allen Organsitzungen teilzunehmen und die von den Bischöfen in den Diözesen ernannten Direktoren und Vorsitzenden haben eine entscheidende Stimme in allen den Verband betreffenden Fragen.

ZENIT: Worin besteht die wichtigste Aufgabe für die Caritas in Deutschland in den kommenden Jahren?

Die Aufgaben der Caritas als einer kirchlichen Organisation sind vielfältig, nur eine zu nennen, würde all den Fragen und Themen nicht gerecht. Als die wichtigsten Aufgaben in den kommenden Jahren aber würde ich unser Engagement gegen Armut und Ausgrenzung nennen wozu auch unser Einsatz für bessere Bildungschancen für benachteiligte Kinder und Jugendliche zählt; die Stärkung der Solidarität in unserer Gesellschaft und die aktive Gestaltung und Vernetzung des Wirkens der verbandlichen Caritas und der Pfarrgemeinden.

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